Dr. Horst Werner (Göttingen) zum Investitionsklima, zur Geldschwemme und zum Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit der Realwirtschaft
Pressetext verfasst von HorstWerner am Sa, 2013-06-01 04:39.Trotz aller veröffentlichten (gefälschten ? ) Statistiken über das aktuelle Geschäfts- und Investitionsklima in Deutschland und Europa befindet sich nach dem Finanzwirtschaftler Dr. Horst Werner ( www.finanzierung-ohne-bank.de ) die Realwirtschaft unabhängig von der historisch beispiellosen Geldschwemme der EZB Zentralbank an einem gefühlt nie dagewesenen Tiefpunkt. Die Kapitalflut der Zentralbanken strömt in die Finanzindustrie und löst dennoch (scheinbar) keine Inflation und auch keine verstärkte Investitionstätigkeit in der Realwirtschaft aus. Es sorgt aber für erneute Blasenbildungen und inflationäre Kurs-Tendenzen in der Finanzwirtschaft. Es gibt eine weltweite „Inflation der Börsenkurse“ bei den Aktien und Staatsanleihen zu beobachten, die nach dem Stand von Anfang Juni 2013 einen abermaligen (Blasen-) Crash an den Finanzmärkten mit großen Rückkoppelungs-Gefahren für die Realwirtschaft immer wahrscheinlicher werden lassen. Ökonomen warnen bereits vor einem solchen Crash z.B. bei den us-amerikanischen Staatsanleihen, wobei man nur hoffen kann, dass dies lediglich Cassandra-Rufe sind.
Die Entkoppelung der Entwicklungen von Realwirtschaft und Finanzwirtschaft ist beispiellos in der Wirtschaftsgeschichte. Während sich die Realwirtschaft weltweit im Rückwärtsgang befindet ( selbst in China, Indien und Japan, sowie seit über einem Jahr rezessiv in Europa und schwächelnd in den USA ), erlebt die Finanzindustrie einen gegenläufigen, wiederum beispiellosen „Konjunkturfrühling der Börsenkurse“. Der Beobachter nimmt es jeden Tag durch die Meldungen von den Weltbörsen über neue Rekordstände mit Staunen und Verwunderung zur Kenntnis. Die Finanzindustrie reagiert offenbar nicht mehr auf die Meldungen aus der Realwirtschaft; die Börsen scheinen vollkommen losgelöst von Realdaten die weltweiten Konjunkturentwicklungen überhaupt nicht mehr zu interessieren.
Und die Stimmung an der Basis der Realwirtschaft ist wesentlich schlechter, als uns die offiziellen statistischen Erhebungen Glauben machen wollen. Einzelhandel und Automobilwirtschaft sind in Europa in den ersten fünf Monaten des Jahres 2013 in beispielloser Weise abgestürzt. Die wahre Situation in der Realwirtschaft wird erkennbarer und etwas deutlicher bei Betrachtung der Arbeitslosenzahlen z.B. in Südeuropa. Diese weiter steigenden Zahlen haben demokratiegefährdende Ausmaße insbesondere bei der Jugendarbeitslosigkeit von über 60% in der Spitze erreicht. Hätte das jemand vor zehn Jahren vorausgesagt, dann wäre er „für einen solchen Blödsinn“ beschimpft und gescholten worden.
Das tsunamihaft ausströmende (Kunst-)Geld der Zentralbanken kommt in der Realwirtschaft über Bankkredite oder Investitionskredite überhaupt nicht mehr an. Im Gegenteil: Je mehr druckfrisches Geld die Banken erhalten, desto restriktiver wird die Kreditvergabepolitik der Geldhäuser. Darunter leiden die Investitionstätigkeiten der mittelständischen Unternehmen, wodurch wiederum Innovation und Wettbewerbsfähigkeit an den internationalen Produktmärkten stark gefährdet sind. Frankreich und Italien sind die prominentesten Beispiele für diesen Entwicklungs-Zusammenhang: ihre Wettbewerbsfähigkeit befindet sich im freien Fall nach unten. Alle Politiker – auch die EU-Kommission - sagen europaweit, es müsse unbedingt die Wettbewerbsfähigkeit gestärkt werden. Nur der klassische Türöffner für verstärkte Investitionstätigkeiten zur Wettbewerbsverbesserung, nämlich die kosten- und zinsgünstigen Investitionskredite, funktioniert trotz historisch beispielloser Geldschwemme und nie dagewesener Niedrigzinsen nicht mehr. Geld drucken und Kapitalverteilung der Zentralbank-Gelder an die Bankwirtschaft müsste nur noch mit Zentralbank-Auflagen für die Verteilung dieser Gelder erfolgen: die eine Hälfte für die Finanzwirtschaft und die andere Hälfte zur Durchleitung für die Realwirtschaft. Die Banken müssten z.B. der Bundesbank und der Bankenaufsicht Kreditvergabe-Nachweise in entsprechender Höhe liefern. Anderenfalls oder bei Nichteinhaltung von bestimmten Quoten gäbe es keine Refinanzierungsgelder mehr von der EZB. Die Welt mit 7 Milliarden Menschen lebt nicht von der Finanzindustrie, sondern nur von real produzierten Waren, von Sachgegenständen und Lebensmitteln. Börsenkurse und Kunstgeld kann niemand essen. Nur mit der Finanzindustrie verhungert die Menschheit.
