Hilferuf aus Uganda an die Christoffel-Blindenmission: "Engel der Blinden" will noch mehr kleinen Patienten helfen
Pressetext verfasst von Heinz-Peter Tjaden am Di, 2009-03-31 10:46.Brian ist erst wenige Tage auf der Welt, da werden seine Augen trübe und milchig-weiß. Seine Eltern bringen ihn ins Mengo-Hospital in Kampala. Dort arbeitet die Hamburgerin Dr. Irmela Erdmann (51) für die Christoffel-Blindenmission (CBM). Sie untersucht den Säugling. Die Diagnose: Grauer Star - die weltweit häufigste Ursache für Blindheit. Brian bekommt künstliche Augenlinsen. Der Kleine kann jetzt sehen! Die Operation hat 125 Euro gekostet.
Irmela Erdmann organisiert seit 1998 die augenmedizinische Hilfe in Uganda. Die CBM hat in diesen Tagen einen Hilferuf von ihr bekommen. Viele kleine Patienten warten im Mengo-Hospital auf eine Operation. Doch: Das Geld ist knapp.
Über 220 Millionen Menschen hat die CBM bisher geholfen. Irmela Erdmann wird von den Menschen in der Zwei-Millionen Metropole Kampala als „Engel der Blinden“ verehrt.
„Sie haben mich gerettet, Dr. Irmela“
Bei Angel genießt “Doktor Irmela” sogar Heldenstatus: Von drüben, vom anderen Ende des Grüns, winkt die Fünfjährige, als ihre neue Freundin Irmela morgens gegen sieben Uhr zur Arbeit erscheint. Die Kleine klammert sich an die Knie einer fremden - aber inzwischen doch so vertrauten - Frau aus Hamburg. Das Kind bedankt sich im heimischen Dialekt Luganda für die Operation: “Sie haben mich gerettet, Doktor Irmela!”
Die 51-Jährige hat in den vergangenen Jahren Tausenden das Augenlicht geschenkt. 37 Millionen Menschen weltweit sind blind. Etwa 300.000 davon in Uganda. Angel wäre es auch geworden - hätte ihre arme Familie nicht vom “Engel aus Hamburg” in der Mengo-Klinik von Kampala gehört. Mutter Lowe (27): “Meine Kleine hatte beim Spielen eine Glasscherbe ins Auge bekommen. Wir sind im Moped-Taxi ins Krankenhaus gefahren. Ich hatte von Dr. Erdmann von einer Nachbarin erfahren.”
Mutter weint vor Glück
Die 51-Jährige operierte Angel. Sie bekam wie Brian eine künstliche Linse, kann nun wieder sehen, die Mutter weinte vor Glück, Angel hatte gestrahlt. Mit einem Chauffeur fuhr die Ärztin ihre neue Freundin nach Hause.
Angels Vater verkauft Tomaten auf dem Markt, bringt 30 Dollar pro Monat mit nach Hause. Bei den Nartozas herrscht bittere Armut. Die Familie lebt in einem Raum auf sechs Quadratmetern. So leben viele der 30 Millionen Einwohner Ugandas mit einem jährlichen Durchschnittseinkommen von einem Dollar pro Tag. Ärzte, insbesondere Augenärzte, gibt es hier kaum.
Manchmal kümmert sich ein Arzt um eine Million Patienten. Irmela Erdmann: “Umgerechnet auf Hamburg bedeutete das, dass wir nur zwei Augenärzte in der Hansestadt hätten.”
Darum sei es die richtige Entscheidung gewesen, Bahrenfeld zu verlassen und dem Lockruf Afrikas (”afrique, mon amour!”) zu folgen. Insgeheim habe sie immer auf ein solches Ziel hingesteuert: “Losziehen und seinen Teil dazu beitragen, die Welt gerechter zu machen.”
Losgezogen ist die Abiturientin vom Gymnasium Othmarschen mit den Leistungsfächern Französisch und Biologie und einem “eher bescheidenen Notendurchschnitt von 2,5? nach der Hochschulreife von 1975 nach Valencia. Das Warten auf den gewünschten Studienplatz überbrückte sie mit einer Ausbildung zur Fremdsprachensekretärin. Danach: Medizinstudium in Rotterdam, Arbeit an Augenkliniken in Hamburg.
Bei einem Seminar lernt sie als Oberärztin Vertreter der Christoffel-Blindenmission kennen. Diese Hilfsorganisation betreibt weltweit 1.000 Projekte in den Armutsgebieten unserer Erde. Die Hamburgerin: “Mir war sofort klar, dass bei denen meine Zukunft liegt.” Von 1998 bis 2005 gab sie dem “Ruharo Eye Centre” in Mbara im Südwesten Ugandas ein neues Gesicht, organisierte OPs in Camps.
Mit einem Wasser-Kanister auf den Rücken geschnallt, operierte sie bei brütender Hitze 15 Stunden am Tag. Ein kleiner Schnitt für Dr. Irmela Erdmann, schnell die Augenlinse getauscht. Das ist ein großer Schritt zurück ins sehende Leben eines Patienten. Als die 51-Jährige 2006 in die Hauptstadt Kampala wechselt, ist ihre Arbeit im Land schon Kult.
Nun also der Hilferuf. CBM-Direktor Martin Georgi leitet ihn weiter an die Öffentlichkeit und macht aus der Begeisterung für die Arbeit der Spezialistin für Netzhaut- und Kinderchirurgie keinen Hehl. Geweckt worden ist sie im vergangenen Jahr bei einem Besuch des Mengo-Hospitals.
Brians Operation hat 125 Euro gekostet, bei Erwachsenen kostet sie 30 Euro.
Spendenkonto
Bank für Sozialwirtschaft
Konto-Nr. 2020
BLZ 37020500
Kennwort Erdmann
Ein Beitrag für www.sajonara.de