"Wie ein Ausflug in den Bauch von Paris"

Die Gesangskünstlerin Petra Bassus, der Journalist Rainer Witt und der Akkordeonist Alexandre Bytchkov mit „Chanson & Histoire“ deutschlandweit unterwegs.

In gewohnter Weise ist die charmante und vielseitige Vokalkünstlerin Petra Bassus in Sachen Chanson mit dem Akkordeonvirtuosen Alexandre Bytchkov unterwegs. Seit einiger Zeit stehen sie nun gemeinsam mit dem Darmstädter Journalisten und Autoren Rainer Witt mit „Chansons und Geschichten“ auf der Bühne.
Witt erzählt anschaulich von seinen Erlebnissen im Pariser Milieu der Markthallen während der 60er Jahre. Bytchkov bezaubert durch seine frankophile Spielweise, und Petra Bassus` brillante Interpretationen unvergessener Chansons lassen Herzen im Takte eines „Valse Musette“ schlagen.

Die Chanson- und Jazzsängerin Petra Bassus im Gespräch mit Gerald Block.

Block: Petra, ihr drei versteht es vorzüglich, mit „Chansons und Geschichten“ ins Paris der 60er Jahre zu entführen. Was ist das Besondere an eurem Programm?
Bassus: Zum einen die Geschichten und Anekdoten von Rainer, die er in seiner direkten Art humorvoll und manchmal etwas derb-trocken herüberbringt. Schließlich hat er als Obstkarrenschieber Ende der 60er Jahre die Pariser Markthallen kennen und lieben gelernt. Zum anderen sind es die liebevollen Chansons und die wunderbaren Variationen des Akkordeonkünstlers, die das Geschehen emotional kolorieren. Nicht umsonst hören wir immer wieder: Man könne die Marktstände förmlich riechen und die Betriebsamkeit spüren.

Block: Wie haben sich eigentlich die Sängerin Bassus, der Akkordeonist Bytchkov und der Journalist Witt gefunden?
Bassus: Das Duo Bassus/Bytchkov gibt es mittlerweile seit dreizehn Jahren. Rainer Witt lernte ich erst vor einiger Zeit kennen. Bei der Geburtstagsparty einer gemeinsamen Freundin sprach ich das erste Mal ausgiebig mit ihm.

Block: Wer kam schließlich auf die Idee, Geschichten mit Chansons und Akkordeon zu kombinieren?
Bassus: Als Rainer mir auf der Party von seinen Erlebnissen aus jener Zeit erzählte, war die Idee plötzlich da. Er fragte: „Man könne doch mal...?“ Die Premiere feierten wir ein Jahr später im Darmstädter „La Java“.

Block: Im vergangenen Jahr hast du eine neue Revue namens „Zwei Farben Blau“ aufgelegt. Welche Bedeutung hat dieses Farbkonzept?
Bassus: Eigentlich ist „Zwei Farben Blau“ ein Chansontitel, doch Friedhelm Kändler, mit dem ich die Revue konzipierte, die ausschließlich aus eigenen Texten und Kompositionen besteht, schrieb seinerseits einen Blues namens „Zwei Farben Blau“. Ich sehe in diesen Farbtönen Himmel und Meer. Daher denke ich, dass sich zwischen ihnen die ganze Vielfalt menschlicher Emotionen abspielt: „kaltblau oder besoffen vor lauter Glück – ich liebe...!“ - wie es im Stück so schön heißt - bringt es auf den Punkt.

Block: Bist du denn mit deinen anderen Aktivitäten, wie: „Petra und die Erben“, dem Duo Bassus/Bytchkov und der Jazzformation „The Swinging Tuxedos“ nicht genug ausgelastet?
Bassus: Nein...! All das macht mir wahnsinnig Spaß. Außerdem kann ich mich in all diesen Projekten gleichermaßen ausleben, weil sich bis dato noch keines so stark entwickelt hat, dass ich mich dafür entscheiden müsste. Allerdings ist es für mich wichtig, mich kontinuierlich weiter zu entwickeln.

Block: Deine Engagements im Darmstädter Jagdhofkeller lassen vermuten, dass du so etwas wie eine Heimatbühne gefunden hast?
Bassus: Es scheint so!? Gerade vor Kurzem wurde ich mal wieder daran erinnert, dass ich fast jede Premiere im Jagdhofkeller feierte. Außerdem bin ich mit Marianne und Klaus (den Betreibern) befreundet – was die Sache noch viel schöner macht. Nicht zuletzt ist es die Anziehungskraft jenes Gewölbekellers mit der tollen Atmosphäre - obwohl die Akustik manchmal etwas schwierig ist.

Block: Mittlerweile singst du Lieder in vier Sprachen. Verstehst du sie alle?
Bassus: Selbstverständlich: Ich muss wissen, was ich singe, weil ich bei meinem Vortrag stark über den Inhalt beziehungsweise über die Interpretation gehe. Außerdem habe ich genug Verbindungen zu Muttersprachlern, die mir nötigenfalls beim Übersetzen helfen.

Block: Bevorzugst du bestimmte Songs bzw. Sprachen?
Bassus: Also, ich singe schon sehr gern französisch – das liegt mir ... Gerade Jacques Brel und sein „Ne me quitte pas“ bringe ich unheimlich gern, weil mich mit diesem Stück Erinnerungen verbinden. „L` Acordèoniste“ von Édit Piaf gehört ebenfalls zu meinen Favoriten.

Block: Und wie gehst du auf der Bühne mit deinen Emotionen und Stimmungen um?
Bassus: Da ich - wenn ich auftrete - mich jedesmal in einer anderen Verfassung beziehungsweise Stimmung befinde, bekommen meine Emotionen und Interpretationen immer wieder andere Färbungen. Und genau das macht es für mich so interessant und schön. Ich denke, die Zuschauer spüren das auch.

Block: Woher hast du dein komödiantisches Talent?
Bassus: Es ist mein Typ. Dennoch ist mir der „Blues“ durchaus geläufig. Aber letztendlich nehme ich vieles mit Humor ... Mir hat mal ein Freund gesagt, dass er das Kind in mir sehr schätze. Da ist was dran, weil ich eine Kindlichkeit an den Tag legen kann, die es mir leichter macht, mit Problemen klar zu kommen. Ich habe das Komödiantische im Blut.

Block: Aufgrund deiner Vielfältigkeit (Chanson, Jazz, Blues usw.) könntest du sicher auch in Musicals auftreten. Ist dieses Genre interessant für dich?
Bassus: Das ist ja witzig...! Ja -, denn ich habe schon bei den „Hanauer Brüder Grimm Märchenfestspielen“ in Musicals mitgewirkt. Durch Regisseur Benjamin Baumann öffnete sich eine Tür. Irgendwann fiel eine Darstellerin aus – so sang ich schließlich als Nonne im Musical „NON(N)SENS“ meine Parts ... Einmal im Jahr `ne schöne Musicalproduktion - könnte ich mir schon gut vorstellen.

Block: Petra, was bedeutet dir die Bühne?
Bassus: Das ist der Ort, an dem ich mich ausleben kann. Wenn ich beispielsweise in der Sommerpause längere Zeit keinen Auftritt hatte, werde ich unerträglich. Letztendlich hat die Arbeit auf der Bühne ganz stark etwas mit mir zu tun. Selbstverständlich habe ich die Intention, Menschen etwas zu vermitteln und ihnen etwas zu geben ... Glücklich bin ich, wenn meine Zuschauer Gänsehaut bekommen und wenn sie in Bildern schwelgen. Das ist das, was ich an der Bühne liebe.

Block: Vielen Dank für das Interview.

Mit freundlicher Genehmigung von Petra Bassus
Mehr zu Petra Bassus unter: http://www.petrabassus.de/

© Interview: Gerald Block
© Foto1: Studio Roter Baum
© Foto2: Petra Eidt

Gerald Block
Freier Autor/Dipl.-Betriebsw.
64295 Darmstadt
Tel: 0171-17 55 705
gerald.block@gmx.de

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Foto 1: Petra Bassus (C) Studio Roter Baum68.11 KB
Foto 2: Petra Bassus - Alexandre Bytchkov - Rainer Witt (C) Petra Eidt384.21 KB
14.02.2009: | | |