Asoziale Krankenkassenreform
Pressetext verfasst von Pater Lingen am Sa, 2026-07-11 14:49.Die Regierung der Bundesrepublik Deutschland unter Bundeskanzler Friedrich Merz hat am 10.07.2026 im Bundestag eine Reform der Gesetzlichen Krankenversicherung beschlossen. S. dazu "Die Zeit", "Bundestag stimmt umstrittener Krankenkassenreform zu", 10.07.2026: "Die Opposition übte in ihren Redebeiträgen teils harte Kritik an dem parlamentarischen Vorgehen von Schwarz-Rot. Der ganze Gesetzgebungsprozess sei »eine absolute Katastrophe« gewesen, sagte Linkenfraktionschefin Heidi Reichinnek. Irene Mihalic, Erste Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen, sprach von »Chaostagen der Koalition«. Ihre Parteikollegin Britta Haßelmann sagte, das Gesetz sei »ein klarer Bruch mit der solidarischen Lastenverteilung«." Am selben Tag veröffentlichte F-News eine Meldung: "Schwarz-Rot lässt Versicherte bluten: Bundestag beschließt Krankenkassenreform". Bereits am 08.07.2026 hatte die "Welt", Artikel »"Sätze wie vom Kasernenhof" – Schweitzer kritisiert Merz für Aussagen zu Krankentagen«, einige Aussagen von SPD-Politiker Alexander Schweitzer zitiert, z. B.: "Krankheitstage reduzieren zu wollen, ist grundsätzlich richtig ... Da müssen wir aber an die Ursachen ran und Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nicht unter Verdacht stellen, ein Volk von Blaumachern zu sein ... Was wir nicht brauchen, ist pauschales Misstrauen gegenüber den Beschäftigten." In der Tat: Bei der Gesundheitspolitik müssen die Ursachen für die hohe Zahl von Krankheitstagen erkannt, benannt und nach Möglichkeit reduziert werden. Aber wer will die Ursachen von häufigen Krankheitstagen erkennen, benennen, reduzieren? Formulierungen wie "Schwarz-Rot lässt Versicherte bluten" oder "klarer Bruch mit der solidarischen Lastenverteilung" sind kaum hilfreich für einen sachlichen Dialog. Tatsächlich wird vielleicht mancher einiges aus der Merz-Krankenkassenreform begrüßen als möglichen Versuch eines ersten Schritts in die richtige Richtung. Homöopathische Mittel sollen nicht mehr von der GKV bezahlt werden. Die Homöopathie basiert auf sog. "Potenzierung", also extremer Reduzierung von Wirkstoffen, und ist insbesondere in der magisch-okkultistischen Szene beliebt. Angesicht der extremen Wirkstoffarmut ist eine tatsächliche gesundheitliche Wirkungslosigkeit der Homöopathie äußerst wahrscheinlich. Dagegen kann die Homöopathie sehr erfolgreich sein zur Verbreitung des Okkultismus. Weiter im Reformpaket: Zuzahlungsbeiträge werden um 50 Prozent erhöht, Festzuschüsse beim Zahnersatz werden um 10 Prozent reduziert und entsprechen damit wieder dem Stand vor 2020. Braucht man jedes Medikament, braucht man jeden Zahnersatz? Oder anders: Wäre durch eine gesündere Lebensweise der Bedarf an einem bestimmten Medikament, an einem bestimmten Zahnersatz vermeidbar gewesen? Hier sind wir wirklich bei den Ursachen. Hier muss die eigentliche Arbeit beginnen. Man muss die Schadensquellen erkennen, benennen, reduzieren. Manche gesundheitliche Störung kann unverschuldet sein. Ein Versicherungssystem ist nicht in sich absolut schlecht. Eine solidarische Lastenverteilung ist nicht in sich absolut schlecht. Es ist aber in sich absolut schlecht, wenn man jede Eigenverantwortung absolut leugnet, wenn man sich permanent radikal weigert, die notwendige Sorge für die eigene Gesundheit zu erfüllen. Bestimmte Grundzüge der gesunden Lebensführung muss jeder Mensch verwirklichen. Jeder muss ehrlich sein: Warum brauche ich ein bestimmtes Medikament, warum brauche ich einen bestimmten Zahnersatz, warum brauche ich, mit welchem Recht möchte ich eine bestimme Operation? Sicherlich, man bezahlt Krankenkassenbeiträge, und damit hat man auch ein relatives Recht auf Krankenkassenzahlungen bei gesundheitlichen Schäden. Niemand wird jede gesundheitliche Beeinträchtigung völlig vermeiden können. Es ist gut, dass die Krankenkassen in bestimmten Fällen helfen können und müssen. Der Mensch ist gebrechlich, manche Schäden kann er gar nicht verhindern, und manche Schäden sind realistischerweise, sind vernünftigerweise, nach dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit, nach Abwägung von Aufwand und Ertrag, nicht zu verhindern. Jeder Mensch altert, jeder Mensch ist dem Tod unterworfen. Manchmal behindern äußere Situationen die notwendige Gesundheitspflege. Zerstörerisch ist hingegen ein Schmarotzertum von solchen, die durch Verwahrlosung, durch andauernde maßlose Unersättlichkeit ihren Körper schädigen und dadurch massenhaft Kosten verursachen, ganz konkret wegen bestimmter medizinischer Behandlungen und ganz allgemein wegen gestörter Arbeitsverteilung. Eine besonders traurige Tatsache: Viele moralische Grundsätze, insbesondere völlig selbstverständliche Prinzipien, erkennt der Mensch möglicherweise erst spät. Es gehört zu den wichtigsten Aufgaben der Eltern, auch für die Gesundheit der Kinder zu sorgen. Was aber, wenn die Kinder schon früh mit Kalorien überschüttet werden, wenn die Kinder ihre Zahnpflege vernachlässigen oder gar völlig unterlassen, wenn die Kinder mit Giftstoffen infiziert werden? Nicht alle angerichteten Schäden können später immer sofort vollkommen behoben werden. Vielleicht wird mancher erst im höheren Erwachsenenalter begreifen, wie seine Eltern ihn haben verwahrlosen lassen, welche Giftstoffe seine Eltern ihm haben einflößen lassen. Vielleicht setzt er selbst diese Tradition dann an seinen eigenen Kindern fort. Also insbesondere Selbstverständlichkeiten müssen, je nach Wichtigkeit, oft formuliert werden, damit Kinder sie früh lernen und damit Erwachsene sie nicht vernachlässigen. Jeder muss sich fragen: Wie gesund bin ich? Wie gesund sind meine Zähne? Wieso brauche ich diese Operation? Brauche ich diese Operation wirklich, habe ich überhaupt ein Recht auf diese Operation, und wenn ja, ist es gerecht, dass die gesetzliche Krankenkasse, also ein großer Teil meiner Mitmenschen, dafür bezahlt? In Einzelfällen könnte eine eindeutige Antwort vielleicht nicht ganz einfach erscheinen. Verlieren wir uns deshalb nicht in Einzelfragen, sondern achten wir auf die Rahmenbedingungen. Und diese Rahmenbedingungen werden maßgeblich geprägt von der ganz persönlichen Lebensführung jedes Einzelnen. Stets muss dabei der Gesamtzusammenhang berücksichtigt werden. Alles hängt mit allem zusammen. Hygiene, Ernährung, Sport, alles im vernünftigen Rahmen, ohne Übertreibung, ohne Verwahrlosung, das sind wesentliche Stützen für eine soziale Gesundheitsreform. Dies muss von der Politik gefördert werden, insbesondere durch eine vorbildliche Lebensführung der Politiker. Dagegen Verwahrlosung und Schmarotzertum zu fördern, das ist Kennzeichen einer asozialen Krankenkassenreform. Christen sehen auch das Thema Gesundheit im Licht der göttlichen Schöpfungsordnung. Im katholischen Katechismus von Joseph Deharbe heißt es zum fünften Gebot, Du sollst nicht töten: "Man versündigt sich, wenn man 1) sich selbst das Leben nimmt (Selbstmord); 2) sich ohne Noth in Lebensgefahr begibt; 3) seiner Gesundheit schadet durch strafbare Unvorsichtigkeit, durch Unmäßigkeit und andere Ausschweifungen." Vgl. Lexikon des katholischen Lebens, hg. von Erzbischof Wendelin Rauch, Freiburg 1952, Artikel "Krankheit": "Gesundheit ist die Harmonie in Bau und Tätigkeit des Organismus und in der leibseelischen Verfassung der Person ... Die Sorge für die eigene Gesundung und Gesunderhaltung ist Pflicht." Die Harmonie in der leibseelischen Verfassung der Person wird verwirklicht, wenn die Menschen sich orientieren an den göttlichen Geboten, wenn sie den Schöpfer als obersten Gesetzgeber anerkennen und sich seinen Geboten unterwerfen. Dieses Leben mit all seinen Schmerzen ist die Zeit der Entscheidung für die Wahrheit, und jeder, ob früher oder später, ob jung oder alt, wird sich unausweichlich und endgültig verantworten müssen vor dem Richterthron Gottes.
Über Pater Lingen
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Pater Rolf Hermann
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Lingen
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Priester - Sedisvakantist
