Vor 70 Jahren geboren: Die unvergessene Schauspielerin Romy Schneider - Sie wollte nicht ewig "Sissi" sein

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Leseprobe aus der CD-ROM "Superfrauen: 14 Bücher auf einer CD-ROM" bzw. aus dem Taschenbuch "Superfrauen 7 - Film und Theater" von Ernst Probst

Ein unvergessenes Filmidol der 1950-er Jahre war die österreichische Schauspielerin Romy Schneider (1938–1982), eigentlich Rosemarie Magdalene Albach. Zu ihrem Ruhm trugen vor allem drei romantische „Sissi“-Filme über die österreichische Kaiserin und ungarische Königin Elisabeth (1837–1898) bei. Ihr von Kummer, Schicksalsschlägen, Tabletten und Alkohol getrübtes Leben endete bereits mit 43 Jahren.

Rosemarie Magdalene Albach erblickte am 23. September 1938 um 21.45 Uhr als erstes Kind des Schauspielerehepaares Wolf Albach-Retty (1906–1967) und Magda Schneider (1909–1996) in Wien das Licht der Welt. Im Oktober jenes Jahres zog die Familie von Wien nach Schönau bei Berchtesgaden um. Dort wuchs Rosemarie unter der Obhut der Großmutter mütterlicherseits, Maria Schneider, auf. Großmutter väterlicherseits war die Burgschauspielerin Rosa Albach-Retty.

1941 wurde Rosemaries Bruder Wolfdieter Albach geboren. Ab September 1944 ging Rosemarie in Berchtesgaden zur Schule. 1945 ließen sich die Eltern scheiden. Vom 1. Juli 1949 bis zum 12. Juli 1953 besuchte Rosemarie das Internat auf Schloss Golderstein bei Salzburg. 1952 schrieb die 14-Jährige in ihr Tagebuch: „Wenn es nach mir ginge, würde ich sofort Schauspielerin werden. So wie Mammi“. 1953 heiratete die Mutter den Hotelier Hans Herbert Blatzheim (gest. 1968).

Am 16. Juli 1953 wurde Rosemarie Schneider für den Film entdeckt. Zusammen mit ihrer Mutter stand sie für den Streifen „Wenn der weiße Flieder wieder blüht“ (1953) erstmals vor der Kamera. Nach ihrem gelungenen Debüt verließ Romy Schneider die Schule.

Ohne Schauspielunterricht entwickelte sich Romy innerhalb weniger Jahre zu einem der beliebtesten Filmstars. Es folgten die Kassen füllenden Filme „Feuerwerk“ (1954), „Die Mädchenjahre einer Königin“ (1954), „Die Deutschmeister“ (1955) und „Der letzte Mann“ (1955).

Besonders berühmt wurde Romy durch die Hauptrolle in den drei Filmen „Sissi“ (1955), „Sissi, die junge Kaiserin“ (1956) und „Sissi – Schicksalsjahre einer Kaiserin“ (1957). Wenn im deutschsprachigen Raum ihr Name fällt, wird sofort die Erinnerung an „Sissi“ wach. Romy klagte darüber später: „Die Sissy klebt an mir wie Griesbrei“.

Romys Karriere wurde von ihrem Stiefvater Hans-Herbert („Daddy“) Blatzheim vermarktet. Erst später wurde publik, dass „Daddy“ ihr damals nachstellte. Bei öffentlichen Auftritten stand ihre Mutter hinter ihr und flüsterte ihr zu, wenn sie lächeln sollte.

Romy rebellierte vergeblich gegen ihre süßlichen „Sissy“-Rollen. Nach den Filmen „Kitty und die große Welt“ (1956), „Robinson soll nicht sterben“ (1956), „Mompti“ (1957), „Scampolo“ (1958), „Mädchen in Uniform“ (1958), „Christine“ (1958) und „Die Halbzarte“ (1959) fiel sie in der Beliebtheitsskala deutscher Kinos vom ersten auf den 20. Platz zurück.

Der Streifen „Christine“ war Romy Schneiders erste ausländische Produktion gewesen. Dabei hatte sie an der Seite des französischen Schauspielers Alain Delon vor der Kamera gestanden. Sie verliebte sich in ihn, zog 1959 nach Paris, wo sie sich am 22. März 1959 verlobte und einen neuen künstlerischen Anfang wagte. Es folgten Filme mit renommierten Regisseuren aus Frankreich, Großbritannien, Italien und Amerika.

1961 stand Romy zusammen mit Alain Delon in „Schade, dass sie eine Dirne ist“ auf der Bühne des „Théâtre de Paris“. Regie bei diesem Stück hatte Luchina Visconti (1906–1976). Im selben Jahr drehte Visconti, der Romy für „eine der genialsten Schauspielerinnen Europas“ hielt, mit ihr den Film „Boccacio 70“. 1962 ging Romy nach Hollywood.

1963 wirkte Romy als Leni in dem Streifen „Der Prozeß“ nach dem Roman von Franz Kafka (1883–1924) mit, bei dem Orson Welles (1915–1985) Regie führte. Dafür erhielt sie den Preis als beste ausländische Darstellerin und schaffte den künstlerischen Durchbruch in Frankreich. Ihr Streifen „Das Mädchen und der Kommissar“ wurde 1971 in der Bundesrepublik Deutschland mit dem Prädikat „Besonders wertvoll“ ausgezeichnet.

Bei den Filmfestspielen in Taormina auf Sizilien ehrte man Romy für ihre Rolle in „L’important c’est d’aimer“ („Nachtblende“, 1974) als „beste Schauspielerin“. 1976 verlieh man ihr für dieselbe Rolle den erstmals vergebenen „französischen Oscar“, den „Cesar“. Für „Gruppenbild mit Dame“ bekam sie 1977 den „Bundesfilmpreis in Gold“. 1979 sprach man ihr den zweiten „Cesar“ und den „David-de-Donatello-Preis“, die höchste Auszeichnung des italienischen Films, zu.

Romys Privatleben war immer wieder von Tragik überschattet. Nach der Trennung von dem Franzosen Alain Delon am 18. Dezember 1963 heiratete sie am 15. Juli 1966 den deutschen Schauspieler Harry Meyen (1924–1979). Aus dieser Ehe ging 1966 der Sohn David hervor. Am 5. Juli 1975 ließen sich Romy Schneider und Harry Meyen scheiden, letzterer beging später Selbstmord.

Am 18. Dezember 1975 ehelichte Romy ihren früheren Privatsekretär Daniel Biasini. Aus dieser Verbindung stammt die am 21. Juli 1977 geborene Tochter Sarah Magdalena. 1981 wurde auch diese Ehe geschieden. Im Juni 1981 musste sich Romy einer schweren Nierenoperation unterziehen. Am 5. Juli 1981 stürzte ihr Sohn David in das Gitter eines eisernen Gartenzaunes vor ihrem Haus und starb bei diesem Unfall. Nach der Trennung von Biasini 1981 lebte Romy mit dem französischen Produzenten Laurent Petin zusammen.

Bis zuletzt hatte Romy ein vulkanisches Temperament, sie stand ständig unter Hochdruck, traf chaotische Entschlüsse, und ihre Gefühle kochten immer wieder siedend heiß auf. Regelmäßig nahm sie starke, schmerzstillende, das Herz belastende Nierenmittel und starke Schlafmittel ein. Außerdem trank sie gerne Rotwein und andere alkoholische Getränke.

Romys Großmutter Rosa Albach-Retty (1874–1980) meinte, wer sich wie ihre Enkelin so hemmungslos von seinen Emotionen, Leidenschaften und Begierden treiben lasse, denke sicher nicht daran, dass eine Kerze, die man an beiden Ende anzünde, auch schneller abbrenne... Die Ahnungen der Großmutter trogen nicht.

Am Freitagabend, 28. Mai 1982, ging Romy mit ihrem Lebensgefährten Laurent Petin und dem Drehbuchautor Jacques Kirchner in Paris spät zum Essen, wobei viel getrunken wurde. Als das Paar nach Mitternacht zurückkehrte, fühlte Romy sich nicht gut, sah nach ihrer schlafenden Tochter und legte sich im Salon auf die Couch. Dort fand Petin sie tot vor, als er am Samstagmorgen, 29. Mai 1982, gegen 7.45 Uhr im Schlafzimmer erwachte, den Platz neben sich leer sah und nach ihr suchte. In der Hand hielt Romy einen Kugelschreiber, mit dem sie gerade notiert hatte, man möge eine Verabredung am Samstagmorgen mit einem Kollegen absagen, bevor ihr Herz zu schlagen aufhörte.

Auf Romys Sterbeurkunde stand als Todesursache „natürliches Ableben durch Herzinfarkt“. Ihre Mutter meinte hierzu: „Was um Himmels willen ist natürlich am Tod einer schönen Frau von 43 Jahren?“

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19.09.2008:

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