Stadtgespräche

Ein Gast. Ein Buch. Eine Stunde.

Die Finsterwalder Stadtgespräche kommen in die gute Stube Wann erfolgen weitere Lockerungen, die einen hoffnungsvollen Ausblick zurück ein normales Leben erlauben? Diese und viele andere Fragen beschäftigen uns in diesen Tagen. Doch strömen mit den Lockerungen dann wirklich umgehend die Kulturbegeisterten zurück in die seit Wochen leerstehenden Veranstaltungsräume? Die Hoffnung bleibt. Gleichwohl gibt es eine erste Studie aus den USA wonach etwa die Hälfte der Befragten angaben, auch nach dem Abflauen der Pandemie nicht mehr oder erst nach vielen Monaten z.B. wieder in ein Kino zu gehen. Knapp die Hälfte behaupteten, dass alleine der Gedanke, sich mit vielen anderen in einen geschlossenen Raum zu setzen, sie für lange Zeit beunruhigen würde. Immer häufiger kommt daher jetzt die Kultur direkt zum Publikum. "Man nimmt sich die Öffentlichkeit, die noch da ist. Das Internet. Auftritte werden gestreamt […].", schrieb gerade der SPIEGEL...

Wie schaut die Welt heute auf uns?

Staatssekretär Stephan Steinlein beim Finsterwalder Stadtgespräch Ein junger Absolvent des evangelischen Sprachenkonvikts wechselte im Sommer 1990 von Berlin nach Paris. Er war vom damaligen Außenminister Markus Meckel zum Botschafter der ersten frei gewählten DDR-Regierung in Paris berufen worden. Das Sprachenkonvikt war der altsprachliche Ableger der Kirchlichen Hochschule Berlin-Zehlendorf gewesen. Der Bau der Mauer ließ daraus eine eigenständige Hochschule in Ostberlin jenseits der staatlichen Universitäten werden. Und Markus Meckel formte später aus den Absolventen sein diplomatisches Gefolge. Der 29-jährige Theologe sollte in Paris der letzte seiner Art sein, denn wenige Wochen später zerbrach die Regierungskoalition und die DDR trat bald darauf der Bundesrepublik bei. Er studierte anschließend Diplomatie und wurde Pressereferent im Auswärtigen Amt. Weitere Stationen führten ihn schließlich in die Büroleitung des Außenministers,...

Liefer-Drohne mit Rückversicherung

Krimi-Autorin Zoë Beck zu Gast beim Finsterwalder Stadtgespräch 1893 schwebt ein Abenteurer über die Alpen und macht atemberaubende Fotografien. Wenige Jahre zuvor hatte Eduard Spelterini begonnen, mit einem Gasballon die Schweiz zu befahren und sein Land aus der Luft zu fotografieren. Es folgen rund 570 Ballonflüge in Europa, Afrika und dem Nahen Osten. Spelterini, der eigentlich Eduard Schweizer heißt, wurde zu einem der bekanntesten Pioniere der Luftfahrt und der modernen Fotografie. Seine Luftaufnahmen eröffneten völlig neue Perspektiven. Einer Welt ohne Drohnen. „London, vielleicht bald“ heißt es am Anfang des Buches „Die Lieferantin“. Damit wird nicht nur der Ort der Handlung benannt, sondern beiläufig auf den Brexit angespielt, der in dem Kriminalroman bereits real geworden ist. Während sich in diesen Tagen der Weg dorthin noch von seiner besonders qualvollen Seite zeigt. Luftaufnahmen spielen im weiteren Verlauf des...

Jenseits des Tunnels

Schauspielerin Eva Mattes liest aus Elena Ferrante Romanen Lang und dunkel ist der Tunnel, der das Rione Luzzatti mit dem Rest der Stadt verbindet - pechschwarz, sein schimmernder Ausgang unendlich weit entfernt. Strahlend und freundlich dagegen die dahinter gelegene Altstadt Neapels. „Die Reise begann“, schreibt die Ich-Erzählerin zu Beginn ihrer fiktiven Lebenserinnerungen über ihren ersten Ausflug jenseits des Tunnels. Über 10 Millionen Mal wurden die Bücher aus der vierbändigen Romanreihe bisher verkauft, davon alleine etwa 1,4 Millionen Exemplare im deutschsprachigen Raum. Der letzte Band erschien gerade im Frühjahr. "Die...

"Isch fröih misch"

Schauspieler Hannes Jaenicke zum Stadtgespräch-Jubiläum Vor kurzem endete eine umfangreiche Sonderausstellung des Verkehrsmuseums Dresden mit dem Titel "Ich.Fahr.Rad. Fahrradgeschichte(n)" (https://www.verkehrsmuseum-dresden.de/de/Ich-fahr-Rad.html). Im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt hat gerade die Ausstellung "Fahr Rad! Die Rückeroberung der Stadt" eröffnet (http://dam-online.de/portal/de/Ausstellungen/FAHRRADDieRueckeroberungderStadt/0/0/89922/mod891-details1/1594.aspx). Zu Beginn der Freiluftsaison ist derzeit besonders viel über die Zweiräder zu lesen, zu hören und zu sehen. Das hat seinen guten Grund, denn in...

Flanieren durch eine wundersame Stadt

Schauspielerin Iris Berben beim 29. Finsterwalder Stadtgespräch Das Spazieren durch belebte Straßen oder Plätze kann zu einem ganz besonderen Vergnügen werden. „Man wird umspült von der Eile der anderen“, schreibt Franz Hessel (http://www.tagesspiegel.de/berlin/bezirke/bayerisches-viertel/spazieren-in-berlin-von-franz-hessel-heimat-ohne-geschrei/9701660.html) in seiner berühmten Feuilleton-Sammlung von 1929. Der Flaneur ist ein Mensch, der im Spazierengehen schaut, genießt und planlos umherschweift (https://de.wikipedia.org/wiki/Flaneur). Flaneure sind eine literarische Figur, und so weiß neben Hessel auch Walter Benjamin...

„Etwas rabiat und wenig damenhaft“

Marianne Birthler beim 28. Finsterwalder Stadtgespräch »Hier - er war's! Er hier!«, ruft aufgeregt eine 30-40 jährige Frau in einem beigefarbenen Trenchcoat, Pagenschnitt und Nickelbrille in die Kamera eines ARD-Fernsehteams. Gleichzeitig hält sie energisch ihren ausgestreckten Zeigefinger auf einen etwa gleichaltrigen Mann mit Schnauzbart, einem blauweißen Pullover sowie einem dunkelblauen Blouson. Beide befinden sich inmitten einer heftigen Rangelei. Im Zentrum der Mann mit dem Schnauzer, der von zahlreichen Händen festgehalten wird, gleichzeitig aber ungestüm um sich haut und tritt. Diese Szene ist fast dreißig Jahre...

"Physische Vernichtung einkalkuliert"

Stadtgespräch mit dem Bürgerrechtler und Theologen Rainer Eppelmann »[...] Ziel der geplanten Massnahme war es, einen Unfall herbeiführen. Verletzungen bzw. physische Vernichtung [...] wurden einkalkuliert. Hierzu wurden mehrere Varianten geprüft (Radmuttern lockern, in der Kurve Scheibe zerstören, vor der Kurve Spiegel aufstellen) [...]«. Was sich wie ein gewöhnlicher Gerichtsbericht anhört, stammt aus einer Akte des Ministeriums für Staatssicherheit. Darin werden sehr konkret Mordpläne gegen einen prominenten Berliner Bürgerrechtler der damaligen DDR beschrieben. Noch heute macht diese Art von »Zersetzung«, so die...

Das Publikum verzaubern und begeistern

Schauspielerin Carmen-Maja Antoni zu Gast beim Stadtgespräch „Sie gibt der Eva die entsprechende Mischung aus Landpomeranze und Stiftsdamenfräulein, herrisch (...), unsicher, spitzzüngig“, notierte der Theaterkritiker und -wissenschaftler Ernst Schuhmacher für die Berliner Zeitung. Anlass war die Neuinszenierung von Bertolt Brechts „Herr Puntila und sein Knecht Matti“ am Berliner Ensemble. Es war der erste Auftritt von Carmen-Maja Antoni an diesem bedeutenden Theater; der Brecht-Bühne schlechthin. Noch war es nur ein Gastauftritt. Die Bühnenlaufbahn von Antoni hatte zuvor als eine der jüngsten Studentinnen an der Hochschule...

„Zusage von besonderer Qualität“

Stadtgespräch-Jubiläum mit dem RBB-Moderatoren Jörg Thadeusz Es gab die Augenblicke, da konnte leicht der Eindruck entstehen, es handele sich um ein geheimnisvolles Vorhaben. Briefe wurden verschickt oder persönlich übergeben; zunehmend auch E-Mails. Und doch fanden sich darin nur freundliche, werbende Worte über eine weithin noch unbekannte Veranstaltungsreihe. Ausgesprochen wurden diese Worte von ehemaligen Gästen, die ihre Eindrücke über das Erlebte gerne mit möglichen zukünftigen Gästen teilten. So schrieb Berlins frühere Senatorin und Parlamentspräsidentin Hanna-Renate Laurien – selbst zu Gast im Jahr 2001...

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