Autorenlesung

Wie schaut die Welt heute auf uns?

Staatssekretär Stephan Steinlein beim Finsterwalder Stadtgespräch Ein junger Absolvent des evangelischen Sprachenkonvikts wechselte im Sommer 1990 von Berlin nach Paris. Er war vom damaligen Außenminister Markus Meckel zum Botschafter der ersten frei gewählten DDR-Regierung in Paris berufen worden. Das Sprachenkonvikt war der altsprachliche Ableger der Kirchlichen Hochschule Berlin-Zehlendorf gewesen. Der Bau der Mauer ließ daraus eine eigenständige Hochschule in Ostberlin jenseits der staatlichen Universitäten werden. Und Markus Meckel formte später aus den Absolventen sein diplomatisches Gefolge. Der 29-jährige Theologe sollte in Paris der letzte seiner Art sein, denn wenige Wochen später zerbrach die Regierungskoalition und die DDR trat bald darauf der Bundesrepublik bei. Er studierte anschließend Diplomatie und wurde Pressereferent im Auswärtigen Amt. Weitere Stationen führten ihn schließlich in die Büroleitung des Außenministers,...

Liefer-Drohne mit Rückversicherung

Krimi-Autorin Zoë Beck zu Gast beim Finsterwalder Stadtgespräch 1893 schwebt ein Abenteurer über die Alpen und macht atemberaubende Fotografien. Wenige Jahre zuvor hatte Eduard Spelterini begonnen, mit einem Gasballon die Schweiz zu befahren und sein Land aus der Luft zu fotografieren. Es folgen rund 570 Ballonflüge in Europa, Afrika und dem Nahen Osten. Spelterini, der eigentlich Eduard Schweizer heißt, wurde zu einem der bekanntesten Pioniere der Luftfahrt und der modernen Fotografie. Seine Luftaufnahmen eröffneten völlig neue Perspektiven. Einer Welt ohne Drohnen. „London, vielleicht bald“ heißt es am Anfang des Buches „Die Lieferantin“. Damit wird nicht nur der Ort der Handlung benannt, sondern beiläufig auf den Brexit angespielt, der in dem Kriminalroman bereits real geworden ist. Während sich in diesen Tagen der Weg dorthin noch von seiner besonders qualvollen Seite zeigt. Luftaufnahmen spielen im weiteren Verlauf des...

Jenseits des Tunnels

Schauspielerin Eva Mattes liest aus Elena Ferrante Romanen Lang und dunkel ist der Tunnel, der das Rione Luzzatti mit dem Rest der Stadt verbindet - pechschwarz, sein schimmernder Ausgang unendlich weit entfernt. Strahlend und freundlich dagegen die dahinter gelegene Altstadt Neapels. „Die Reise begann“, schreibt die Ich-Erzählerin zu Beginn ihrer fiktiven Lebenserinnerungen über ihren ersten Ausflug jenseits des Tunnels. Über 10 Millionen Mal wurden die Bücher aus der vierbändigen Romanreihe bisher verkauft, davon alleine etwa 1,4 Millionen Exemplare im deutschsprachigen Raum. Der letzte Band erschien gerade im Frühjahr. "Die besten Reiseführer über Neapel sind die Romane von Elena Ferrante", titelte die Neue Zürcher Zeitung Anfang dieses Jahres. Die lebendig geschriebenen Bücher reichten aus, um die Stadt mit einheimischen Augen zu erkunden. Es muss wohl der Stadtteil Luzzatti gewesen sein, wo die unzertrennliche Freundschaft...

Am 9. Oktober im Nikolaiviertel „Liebe – Lust – Prostata“: Buchvorstellung & Lesung mit Autor Friedrich W. Zimmermann

BERLIN – Wie ehrlich und direkt darf man über Prostatakrebs schreiben? Ist die Liebe stärker als die Krankheit? Wie gelingt der Kampf für das Leben und gibt es ein Happy End? – „Liebe - Lust - Prostata“ heißt das Buch mit der ganz persönlichen Liebesgeschichte von Autor Friedrich W. Zimmermann, zu dem es jetzt auch einen Comic gibt. Die IG Nikolaiviertel lädt anlässlich dieser Buchpremiere und im Nachgang zum „Europäischen Prostatakrebs-Tag“ (15. September) zur Buchvorstellung und Lesung am 9. Oktober 2018 um 19 Uhr in das Zille-Museum im Nikolaiviertel ein (Probststr. 11, 10178 Berlin). Trotz Prostata-OP können...

"Isch fröih misch"

Schauspieler Hannes Jaenicke zum Stadtgespräch-Jubiläum Vor kurzem endete eine umfangreiche Sonderausstellung des Verkehrsmuseums Dresden mit dem Titel "Ich.Fahr.Rad. Fahrradgeschichte(n)" (https://www.verkehrsmuseum-dresden.de/de/Ich-fahr-Rad.html). Im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt hat gerade die Ausstellung "Fahr Rad! Die Rückeroberung der Stadt" eröffnet (http://dam-online.de/portal/de/Ausstellungen/FAHRRADDieRueckeroberungderStadt/0/0/89922/mod891-details1/1594.aspx). Zu Beginn der Freiluftsaison ist derzeit besonders viel über die Zweiräder zu lesen, zu hören und zu sehen. Das hat seinen guten Grund, denn in...

Flanieren durch eine wundersame Stadt

Schauspielerin Iris Berben beim 29. Finsterwalder Stadtgespräch Das Spazieren durch belebte Straßen oder Plätze kann zu einem ganz besonderen Vergnügen werden. „Man wird umspült von der Eile der anderen“, schreibt Franz Hessel (http://www.tagesspiegel.de/berlin/bezirke/bayerisches-viertel/spazieren-in-berlin-von-franz-hessel-heimat-ohne-geschrei/9701660.html) in seiner berühmten Feuilleton-Sammlung von 1929. Der Flaneur ist ein Mensch, der im Spazierengehen schaut, genießt und planlos umherschweift (https://de.wikipedia.org/wiki/Flaneur). Flaneure sind eine literarische Figur, und so weiß neben Hessel auch Walter Benjamin...

„Etwas rabiat und wenig damenhaft“

Marianne Birthler beim 28. Finsterwalder Stadtgespräch »Hier - er war's! Er hier!«, ruft aufgeregt eine 30-40 jährige Frau in einem beigefarbenen Trenchcoat, Pagenschnitt und Nickelbrille in die Kamera eines ARD-Fernsehteams. Gleichzeitig hält sie energisch ihren ausgestreckten Zeigefinger auf einen etwa gleichaltrigen Mann mit Schnauzbart, einem blauweißen Pullover sowie einem dunkelblauen Blouson. Beide befinden sich inmitten einer heftigen Rangelei. Im Zentrum der Mann mit dem Schnauzer, der von zahlreichen Händen festgehalten wird, gleichzeitig aber ungestüm um sich haut und tritt. Diese Szene ist fast dreißig Jahre...

"Physische Vernichtung einkalkuliert"

Stadtgespräch mit dem Bürgerrechtler und Theologen Rainer Eppelmann »[...] Ziel der geplanten Massnahme war es, einen Unfall herbeiführen. Verletzungen bzw. physische Vernichtung [...] wurden einkalkuliert. Hierzu wurden mehrere Varianten geprüft (Radmuttern lockern, in der Kurve Scheibe zerstören, vor der Kurve Spiegel aufstellen) [...]«. Was sich wie ein gewöhnlicher Gerichtsbericht anhört, stammt aus einer Akte des Ministeriums für Staatssicherheit. Darin werden sehr konkret Mordpläne gegen einen prominenten Berliner Bürgerrechtler der damaligen DDR beschrieben. Noch heute macht diese Art von »Zersetzung«, so die...

Abensberger Novembernebel - Eine Lesung der besonderen Art

Von Oktober bis Dezember 2016 findet in Abensberg wieder der alljährliche "Novembernebel" statt. Der Kulturbeauftragte der Stadt Abensberg, Martin Neumeyer MdL, hat gemeinsam mit Melanie Schmid ein hochkarätiges Programm zusammengestellt, das in einem entsprechenden Flyer darüber informiert. Das Grußwort stammt vom 1.BGM der Stadt Abensberg, Dr.Uwe Brandl. Eine Lesung der besonderen Art wird es am 19. Oktober um 19.30 Uhr im Aventinussaal - Kulturzentrum Abensberg, Osterriedergasse geben. "Lesen kann jeder. Aber den Verfasser eines erfolgreichen Werkes persönlich kennenzulernen, war schon immer etwas Besonderes. Hier besteht die...

Das Publikum verzaubern und begeistern

Schauspielerin Carmen-Maja Antoni zu Gast beim Stadtgespräch „Sie gibt der Eva die entsprechende Mischung aus Landpomeranze und Stiftsdamenfräulein, herrisch (...), unsicher, spitzzüngig“, notierte der Theaterkritiker und -wissenschaftler Ernst Schuhmacher für die Berliner Zeitung. Anlass war die Neuinszenierung von Bertolt Brechts „Herr Puntila und sein Knecht Matti“ am Berliner Ensemble. Es war der erste Auftritt von Carmen-Maja Antoni an diesem bedeutenden Theater; der Brecht-Bühne schlechthin. Noch war es nur ein Gastauftritt. Die Bühnenlaufbahn von Antoni hatte zuvor als eine der jüngsten Studentinnen an der Hochschule...

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