Das Buch "Als die Farben zu weinen lernten" von Bernd Blase wird vorrausichtlich im Dezember 2025 veröffentlicht.
Pressetext verfasst von berndblase am Fr, 2025-07-11 17:33.Der neue Roman/Thriller - Als die Farben zu weinen lernten von Bernd Blase ist fertig und geht nun ins Lektorat. 350 Seiten Psycho und Krimi. Vorbestellungen gerne an info@berndblase.de.
Hier eine kleine Leseprobe:
PROLOG.
„Was… was machen Sie hier? Wer zum Teufel sind Sie?“ Meine Stimme überschlug sich beinahe, riss die Stille entzwei wie ein Skalpell zarte Haut. Die Worte prallten von den kahlen Wänden des Seminarhauses ab, flogen zurück wie aufgebrachte Vögel, die keinen Ausweg fanden. Einen Moment lang war da nur Echo — und dann das Geräusch meines eigenen Atems, viel zu laut.
Ich wagte keinen Schritt. Stand wie eingefroren, nur meine Finger bewegten sich langsam über die raue Maserung des Fensterrahmens, als könnten sie durch bloßes Tasten die Wahrheit aus dem Holz kratzen, die sich irgendwo im Schatten duckte.
Dann sah ich ihn an. Direkt. Kein Blinzeln. Kein Luftholen.
„Ich mag Ihre Farbe nicht.“
Meine Stimme war kalt, messerscharf. Kein Zittern, kein Zögern — eher das Sezieren eines Befundes. Präzise, seelenruhig. So spricht man, wenn man den Puls einer Situation schon lange nicht mehr fühlt.
„Sie riechen blau.“
Ich sagte es leise, fast beiläufig, doch jedes Wort traf ihn wie ein Schlag ins Gesicht. Ein Schauder durchfuhr seinen Körper – oder war es bloß der Schatten, der durch das fahle Licht des Morgens tastend über die Wand kroch? Er öffnete den Mund, aber ich hob die Hand. Eine einfache Geste, nicht mehr als ein Schnitt durch Raum und Zeit.
Nicht jetzt. Noch nicht.
„Abscheulich“ sagte ich – und meine Stimme war ein Urteil, kein Eindruck. Ich sog die Luft ein, ließ sie über meinen Gaumen gleiten wie ein Sommelier einen seltenen Wein. Metallisch. Eisen. Etwas dazwischen – zwischen Leben und Tod, wie ein Körper, der noch warm ist, aber längst verlassen.
„Ab und zu ein Anflug von Rot. Gerade genug, dass es auffällt. Nicht genug, dass ich es ernst nehme. Und ganz sicher nicht genug, dass Sie meiner Aufmerksamkeit wert wären.“
Er wich zurück. Ein einziger, unbedachter Schritt – doch seine Augen verrieten ihn. Flackern. Zucken. Farbe in Bewegung. Da war etwas in ihm, das nicht gesehen werden wollte. Eine dunkle, schwer zu greifende Violettschleppe, die langsam an die Oberfläche stieg, wie Schuld, die sich plötzlich erinnert, dass sie existiert.
Angst. Oder war es Scham?
Das war noch offen.
Aber nicht mehr lange.
„Das Blau in dir …“ Ich ließ die Worte gleiten, fast zärtlich. „… es sorgt immer dafür, dass du etwas Dunkles mit dir führst. Im Auge, in der Glimmerwelt des Sehens, sieht man die Leidenschaft. Das Verbrennen. Die Sehnsucht. Die Begierde.“ Ich trat näher, hörte seinen Atem schneller werden.
„Aber in deinem Tun? In deinem Sein?“ Ich neigte den Kopf. „Da ist es leer. Kalt. Wie das Wasser im See, wenn keiner hinschaut. Wenn keiner weiß, was darunter liegt.“
Er sagte immer noch nichts. Aber jetzt roch er anders. Ein Hauch von grünlichem Grau, wie modriges Holz. Verteidigung. Verwirrung.
Ich lächelte schmal. „Du hast etwas getan.“ Meine Stimme war ein Flüstern, aber schärfer als jedes Messer.
„Etwas, das du verstecken willst. Etwas, das du mit dem Blau versiegeln willst. Aber das funktioniert nicht mit mir.“
Ich spürte, wie es in mir zu flimmern begann – ein inneres Zucken, ein Aufleuchten meiner eigenen Farben. Etwas rief in mir. Erinnerte mich. An das Geräusch von splitterndem Glas. An den Geruch von heißem Metall.
„Ich habe dich schon gesehen, bevor du mich betreten hast.“
Er zuckte zusammen.
„Was?“
Endlich ein Wort.
Ich trat nah an ihn heran. Rieche ihn. Spüre die Vibrationen seiner Schuld.
„Du trägst eine Geschichte in dir. Und sie beginnt zu faulen.“
Dann war da Stille. Und die Farben begannen, sich zu verändern.
Langsam. Unaufhaltsam.
Es ist ein leiser Riss in der Wirklichkeit, durch den ich schaue.
Täglich offenbaren sich mir neue farbliche Triebe – ein kaleidoskopischer Schimmer menschlicher Dunkelheit. Ich erkenne in ihnen Muster, die andere nicht einmal fühlen, geschweige denn benennen könnten. Es ist eine Form der Synästhesie, sagen die Neuropsychologen. Eine seltene neuronale Verknüpfung zwischen Sinnesarealen. Für mich jedoch ist es die Wahrheit hinter dem Schein.
Die Philosophie... sie lauert wie ein nachbarschaftlicher Schatten an der Grenze meines Denkens – nah, aber nie vertraut. Ich misstraue ihr. Sie riecht nach Moder, nach toten Gedanken, die man in vergilbte Bücher gepresst hat, wie vertrocknete Insekten unter Glas.
Man kann von einem Physiker nicht verlangen, dass er ein Philosoph der Farben sei. Und ein Lehrer – nun, ein Lehrer wiederholt bloß, was andere einst gedacht haben. Aber ich? Ich transzendiere diese Rollen. Ich dekonstruiere. Ich analysiere. Ich beobachte.
Mein Verhältnis zur Philosophie ist zwiespältig. Vielleicht sogar zwielichtig.
Ein Schatten, der sich über Jahrhunderte zieht, sich in den kognitiven Falten der Menschheit eingenistet hat wie Schimmel im präfrontalen Cortex. Ich habe sie alle gelesen, natürlich – Nietzsche, Schopenhauer, Kant. Ihre Gedanken sind mir vertraut wie Labyrinthe, die ich in meinem Kopf kartografiert habe.
Und davor: die Griechen. Ihre Logik aus Stein, ihre Angst vor dem Verfall, ihr törichter Glaube an das Ewige. Ein wiederkäuendes Warum, dass sich wie ein neurotischer Tick durch ihre Denksysteme fraß. Aber Philosophie ist farblos. Sie stellt Fragen, aber sie bietet keine Struktur. Keine Viskosität. Keine Tiefe. Keine Farbe.
Sie fragt: Warum sieht das Auge nichts in der Finsternis? Ich antworte: Weil es nicht will.
Weil der visuelle Cortex nicht defekt ist, sondern vorsichtig. Weil in der Dunkelheit nicht die Abwesenheit von Licht liegt, sondern das Übermaß an Selbst.
In der Dunkelheit bin ich. Und ich sehe. Ich sehe die Menschen – nicht wie sie sich geben, sondern wie sie sind: In Farben. In Aura-Spektren. In pulsatilen Lichtfragmenten, die ihren Charakter verraten. Rot flackert, wenn sie lügen. Gelb glimmt, wenn sie gierig sind.
Blau vibriert, wenn sie sich fürchten. Sie nennen es Wahn.
Ich nenne es Einsicht.
Sie sind für mich keine Körper, keine Gesten, keine Worte – sie sind Lichtverläufe, Aura-Fragmente, Temperatur-Signaturen, die über die Realität gelegt sind wie eine zweite Haut.
Manche sind klar, einfarbig, von schmerzhafter Ehrlichkeit.
Andere sind verschmiert, überlagert von Farbschleiern, als hätten sie versucht, sich selbst zu übermalen.
Es gibt Menschen, die sind gelb – ein flackerndes, hysterisches Gelb, wie fliehendes Licht in einer Gaslaterne. Weiß ist selten. Es blendet. Es ist nicht Reinheit, sondern Leere. Ein gefährliches Vakuum. Schwarz – ja, Schwarz gibt es auch. Aber nicht als Hautfarbe. Nicht als Kleidung. Sondern als Anwesenheit von Abwesenheit. Als Loch im Spektrum.
Und dann gibt es die Komplementären.
Die, die sich in ihrer Farbe gegenseitig bekämpfen, gegenseitig verschlingen wollen.
Rot und Grün. Blau und Orange. Violett und Gelb.
Diese Menschen flackern. Sie wissen nicht, wer sie sind. Sie ändern sich.
Sie sind … gefährlich. Sie sind der Kaffeesatz ihrer eigenen Umgebung. Oder: Sie machen mich gefährlich.
Denn es gibt Farben, die mir nicht gefallen. Farben, die in mir eine Unruhe auslösen.
Ein unausweichliches Verlangen. Nicht erotisch. Nicht liebevoll.
Ein Ziehen in den Fingern. Ein Brennen unter der Haut. Wie ein Jucken, das sich nicht kratzen lässt, außer mit Taten.
Wenn ich diese Farben sehe – wenn ich sie rieche, höre, schmecke – dann weiß ich:
Es wird wieder passieren.
Ich werde es nicht aufhalten.
Ich werde es nicht wollen.
Ich werde nur zusehen,
wie ich mich bewege,
und wie das Licht, ganz langsam verblasst.....
Mehr Informationen unter: info@berndblase.de
Bernd Blase
Johann-Goercke-Allee 12
14469 Potsdam
Servicetelefon: 0331 58505514
APP: Bernd Blase Coaching
D-U-N-S® Nummer: 312823349
Umsatzsteuer-ID DE250962351
Gerichtsstand Potsdam
| Anhang | Größe |
|---|---|
| Bild Fry Manuskript 10 Presse Bernd Blase.png | 789.45 KB |
| Bild Nathan Ende Presse Bernd Blase.png | 829.24 KB |
| Monolog Nathan Presse Bernd Blase.png | 795.88 KB |
| Bernd Blase 2020 Kahle Wart 7 Presse.JPG | 154.19 KB |
