"Schule? Lach doch mal!" Alle halben Jahre wieder, kommt der Zeugnisstress, auf die Schüler nieder, die in der Entwicklung sind.

Jetzt ist wieder die Zeit, in der niemand ruhig bleibt: die Schüler nicht, weil sie ihre Zeugnisse bekommen. Die Eltern nicht, weil sie sich um die Noten ihrer Kinder sorgen. Und die Lehrer nicht, weil nach dem Notenstress wieder ein neues Schulhalbjahr beginnt. Als Mutter und Lehrerin erfahre ich das Wechselbad der Gefühle immer wieder an allen Orten.
Am letzten Schultag in dieser Woche fragte ich vor dem Mittagessen meine Kinder nach ihren Zeugnissen. Unser zwölfjähriger Sohn rief: „Also mein Arbeits- und Sozialverhalten hat sich auf jeden Fall gebessert!“ Ich war überrascht, aber freute mich: „Echt? Daas ist ja toll! Dann sind die Kreuze in deinem Zeugnis beim Arbeits- und Sozialverhalten jetzt also nicht mehr alle auf der schlechten Seite?“ Unser Sohn redete weiter: „Aber in meinem Zeugnis steht mein Arbeits- und Sozialverhalten jetzt sogar noch schlechter drin. Die spinnen ja total, die Lehrer!“
Lehrer bewerten jedes halbe Jahr auch das Verhalten unserer Kinder. Sie haben die Macht, mit ihrer Bewertung den einzelnen Schülern schwarz auf weiß zu attestieren, was sie von ihrem Verhalten in der Schule halten. Sind Eltern mit den Lehrern einer Meinung, dann kann man mit seinem Kind darüber sprechen, dass die Selbsteinschätzung nicht immer mit dem übereinstimmt, wie es von Lehrern und anderen Mitmenschen wahrgenommen wird. Häufig sehen Eltern ihr Kind jedoch positiver, als es im Zeugnis von Lehrkräften bewertet wird. Dann wird es schwierig. Entweder das Kind ist sozial auffällig und ändert sich nicht, weil es mit dem Glauben zur Schule geht, dass nur die Lehrer das Problem sind. Oder aber, das Kind verhält sich sozial und ist an einer Schule, in der Lehrer das Kind nicht verstehen, meistens weil sie nur Gehorsam erwarten oder mit eintönigen Methoden arbeiten. Und als drittes sind die Akteure an den Schulen nicht so einfach zu verstehen. Lehrer an einer Schule sind nie „aus einem Guss“, sondern unterrichten sehr unterschiedlich. Unsere Kinder verhalten sich in der Schule außerdem nicht an jedem Tag und nicht bei jedem Lehrer gleich.
An den Tagen vor der Zeugnisausgabe erlebe ich in der Schule als Lehrerin alle als „aufgedreht“. Die Lehrer sind gestresst von den Zeugniskonferenzen und finden die Klassen „zu laut“. Bei der Vergabe der Zeugnisse sind die Kinder aufgeregt und fröhlich oder traurig. Die Jugendlichen verstehen meistens schon im Vorfeld, welche Zeugnisnoten sie erhalten werden und sind vor der Zeugnisausgabe glücklich, genervt, besorgt oder unglücklich. Nur eines haben sie gemeinsam: alle freuen sich auf die wenigen Tage Ferien. Alle wollen Abstand zur Schule bekommen, egal, wie kurz die Ferien sind.
Viele Lehrer sind in diesen Tagen allerdings damit beschäftigt, zu korrigieren und den neuen Unterricht vorzubereiten. Geschriebene Tests und Klassenarbeiten, die schon für das nächste Halbjahr gelten, müssen korrigiert werden. Lehrer müssen sich darauf einstellen, welche neuen Klassen und Schüler sie unterrichten werden und die ersten Unterrichtswochen müssen vorbereitet werden. Manche Lehrer haben sich ihre Arbeit so eingeteilt, dass sie tatsächlich für ein paar Tage in den Urlaub fahren können.
Kaum sind die Zeugnisse ausgeteilt und die Kurzferien – ihre Länge hängt vom jeweiligen Bundesland ab – vorbei, geht es wieder los. Es gibt neue Stundenpläne und häufig bekommen die Schüler neue Lehrkräfte und neue Fächer. Viele Nebenfächer werden nur halbjährlich unterrichtet. Das ist Pech für die Schüler, die in einem solchen Fach im ersten Halbjahr mit einer schlechten Note abgeschnitten haben. Sie können sich dann nicht mehr verbessern und die schlechte Note wird am Ende des Schuljahres gleich schlecht im Zeugnis stehen bleiben. Gleichzeitig ist der Fächerwechsel ein Glück für diejenigen, die das Fach oder die Lehrerin oder den Lehrer eh „noch nie“ mochten.
Für Eltern bedeutet ein neuer Stundenplan nach den „Zeugnisferien“ meistens Stress. Ändern sich beim Unterricht der Kinder die Anfangs- und Schlusszeiten, dann müssen dem, wenn die Kinder noch jünger sind, auch die eigenen Arbeitszeiten angepasst werden. Wenn das nicht möglich ist, muss die Kinderbetreuung neu oder umorganisiert werden.
Vor und nach den Halbjahreszeugnissen zeigen sich an den Schulen alle Beschwerden von Eltern, die es überhaupt geben kann. Alles, was eskalieren könnte, explodiert häufig in diesen Tagen, entweder in den Familien zuhause oder in den Zimmern der Schulleitungen. Die Mehrheit der Schüler, und so auch unsere Kinder, denken, dass an den Vieren oder schlechteren Noten im Zeugnis die Lehrerin, „die immer gleich ausflippt“, schuld ist oder der Lehrer, „der nicht erklären kann“ oder der „Lehrer, der nie da war“. Manche Eltern denken, dass bei dem häufigen Unterrichtsausfall in einem Fach gar keine Noten hätten gegeben werden dürfen oder es doch klar ist, dass die Noten für die gesamte Klasse in dem Fach dann schlechter ausfallen. Unterrichtsausfall, kein entsprechender Vertretungsunterricht, fachliche oder soziale Inkompetenz von Lehrkräften, ungerechte Benotung – all das zeigt sich für Eltern vor allem dann, wenn ihre Kinder die Zeugnisse nachhause bringen. Hier zeigt sich ein grundsätzliches Problem beim Engagement von Schuleltern: wir beschweren uns über schlechten Unterricht meistens nur dann, wenn als Folge die Noten unserer Kinder schlecht ausfallen. Dabei leider auch Kinder mit guten Noten unter schlechtem Unterricht.
In meinem Buch „Wenn Lehrer nerven – was Eltern tun können“ habe ich die Konflikte zwischen Eltern und Lehrern und Schülern und Lehrern beschrieben. Ausgangspunkt waren für mich dabei die Beschwerden engagierter Eltern und meine eigenen Erfahrungen als Mutter, Elternsprecherin und Lehrerin. Wichtig war mir dabei, Eltern den Schulalltag verständlich zu machen. Plädiert habe ich dafür, als Eltern lockerer zu werden und die eigenen Kinder schulisch nicht unter Druck zu setzen. Und wie? Mit veränderten Einstellungen zur Schulbildung, wie zum Beispiel, dass das Kind auch noch später Abitur machen kann oder dass wir den Fokus darauf legen, dass die eigenen Kinder glücklich sind. Der Schulstress ist trotzdem da.: „Kehrt mit seinen Folgen ein in jedes Haus, manche Schüler wissen nicht mehr ein und aus.“ Was hilft? Humor! Eltern sollten die Witze ihrer Kinder über die Schule und die Lehrer ernst nehmen und darüber lachen. Eltern können ruhig selbst Witze über die Schule und die Lehrer erfinden. Das gemeinsame Lachen über die Schule befreit. Das Lachen über sich selbst befreit auch. Eltern sollten ihren Kindern vorleben, dass man über sich selbst lachen kann, ohne dabei an Ansehen zu verlieren.
Auch vielen Lehrkräften würde Humor im Unterricht guttun. Natürlich gibt es im Lehrerberuf häufig Situationen, in denen einem nicht zum Lachen ist. Vielleicht sollten Lehrer an deutschen Schulen aber einfach wieder mehr Goethe lesen, der empfiehlt: „Sei lustig! Geht es nicht, so sei vergnügt.“ Nicht alle Schülerinnen und Schüler können superbrav sein, und Humor würde an manchen Stellen einfach weiterhelfen.

In diesem Sinne: „Humor, steh mir zur Seite, laut und von allen erkannt. Lehrer, seid Schulbegleiter in diesem ernsten Land.“

Kontakt: jimenez-claussen@web.de
Information: www.jimenez-claussen.de (Erzählungen aus dem Leben einer Schulmutter und Lehrerin)
Buch: „Wenn Lehrer nerven – was Eltern tun können – ein Ratgeber für den Umgang mit Lehrern“
2018 BoD-Verlag, ISBN-13: 9783746006796, Preis: 9,90 Euro

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Über Rosa Maria Jiménez-Claussen