W. Thomann AG falzt auf Herzog+Heymann

Die W. Thomann AG falzt auf einer Kleinstfalzmaschine von Herzog+Heymann Beilagen für Pharmaverpackungen und andere kleinformatige Produkte. Ein doppeltes Kamerasystem sichert die fehlerfreie Qualität. Dank einer Waterscoring-Vorrichtung treffen bei kleinen Formaten und hohen Seitenumfängen gut planliegende Endprodukte in der Auslage ein.

Investiert eine Buchbinderei in eine neue Falzmaschine, ist das an sich nichts Bewegendes. Doch das Interesse wächst, wenn die Falzmaschine technische Merkmale aufweist, wie sie im Markt selten anzutreffen sind. So geschehen bei der W. Thomann AG in Ebikon (Schweiz), die seit diesem Frühjahr auf einem Kleinstfalzsystem der Marke Herzog+Heymann produziert. Dass Reto Thomann, Inhaber und Geschäftsführer der Buchbinderei, sich für Herzog+Heymann entschieden hat, ist auch der Gramag Grafische Maschinen AG geschuldet. Sie vertritt die Falzmaschinen in der Schweiz. Reto Thomann weiß, wie er selber sagt, dass er sich immer und in jedem Fall auf die Firma verlassen kann.

Kamerasystem schließt Fehlbogen aus
Die neue Falzmaschine arbeitet ab Planobogen bei einer maximalen Einlaufbreite von 450 Millimetern. Drei Falzmodule, zwei Parallelfalzwerke mit acht bzw. vier Taschen sowie eine Schwertfalzeinheit, lassen sich frei zusammenstellen. Auf dem Falzsystem produziert die W. Thomann AG sehr umfangsstarke Packungsbeilagen mit einem kleinsten Format von 30 x 30 Millimetern oder gar kleiner. Die Auftraggeber sind inländische und ausländische Druckereien, die für Firmen aus der Medizinaltechnik und der Pharmaindustrie arbeiten. Es sind anspruchsvolle Kunden, Fehler werden keine toleriert. «Bei einer fehlerhaften Lieferung riskieren wir und die Druckerei, den Auftrag zu verlieren», sagt Reto Thomann. Noch schwerer als der Auftragsverlust würde der Image-Schaden wiegen.

Damit dieses Szenario nicht eintritt, kontrolliert auf der Herzog+Heymann ein opto-elektronisches Überwachungssystem die Qualität. Je eine Hochleistungskamera, ausgestattet mit Fujinon-Optik, betrachtet die Ober- und die Unterseite der Planobogen, bevor diese in das erste Parallelfalzwerk einlaufen. Das System gleicht die erfassten Bilder – auch Strich- und Datamatrix-Codes – mit einer Referenzdatei ab. Wird ein Fehler erkannt, hält die Steuerung die Falzproduktion automatisch an. «Fehlbogen in der gelieferten Auflage schließen wir aus», sagt Reto Thomann.

Benetzung reduziert Rückstellkräfte
Gute Ergebnisse wollte Reto Thomann ebenso in der Falzqualität. Bei Packungsbeilagen mit acht Parallelbrüchen im ersten und weiteren vier Parallelbrüchen im zweiten Taschenfalzwerk ist das ein hoher Anspruch.

Die Lösung bringt das sogenannte Waterscoring, auch Softening genannt. Kurz bevor die Planobogen in das erste Falzwerk einlaufen, benetzen Düsen jene Stellen durch eine fein dosierte Flüssigkeitsspur, die im zweiten Werk die vier Parallelbrüche bilden. Dieses Benetzungsverfahren macht die Papierfasern geschmeidig, was im Falz die Rückstellkräfte reduziert. Das Resultat ist ein gut planliegendes Endprodukt, was wiederum einen einfachen und sicheren Abpackvorgang ermöglicht.

Für das Waterscoring wird ein Wasser-Alkohol-Gemisch eingesetzt. Maßgebend für die Falzqualität seien das richtige Mischverhältnis und die korrekte Dosierung, sagt Reto Thomann. Diese Parameter sind papierabhängig und gehören zum gut gehüteten Know-how, das er und sein Team, unterstützt durch Gramag, sich erarbeitet haben.

Aktuell sind, der Anzahl Taschen entsprechend, vier Düsen in der Falzmaschine eingebaut. Die Düsenanzahl kann, analog zum möglichen Ausbau des Taschenfalzwerks, auf bis zu acht erweitert werden.

Kräftiges Schwert für dicke Produkte
In der dritten Verarbeitungsstufe führt ein Schwertfalzwerk den letzten Bruch aus. Im Falzwerk der Spezialbaureihe XS 300 hat Herzog+Heymann ein besonders kräftiges Schwert verbaut. Es meistert sehr kleinformatige und umfangreiche Produkte, die bis zu vier Millimeter stark sein können. Die Geschwindigkeit, bei der das Falzschwert arbeitet, ist abhängig von der Produktdicke und liegt den technischen Angaben zufolge zwischen 30 und 150 Metern pro Minute.

Anschließend an den Schwertfalz durchlaufen die Produkte eine Bandpresse. Auf einer Strecke von 50 Zentimetern werden die Produkte durchgehend gepresst. Der Pressdruck lässt sich über Handräder zwischen 0 und 8000 Newton einstellen. Die Bandpresse verfügt über eine eigene Steuerung und kann im autonomen Betrieb für die Offline-Produktion eingesetzt werden.

Spezialitäten industriell produziert
Die W. Thomann AG bezeichnet sich selber als Industriebuchbinderei. Zugleich identifiziert sich das Unternehmen über die Spezialitäten. Ein Widerspruch? «Keineswegs» entgegnet Reto Thomann. Auch für komplex anmutende, geklebte, geschlitzte oder perforierte Produkte, die vordergründig nur manuell hergestellt werden könnten, fänden sich Wege, um sie maschinell zu fertigen. Natürlich setze es Fantasie, Lust und Freude am Experiment und ein profundes Verständnis der Technik und deren Anwendungsmöglichkeiten voraus. Gestandene Berufsleute sind gefordert. Nicht aus einem nostalgischen Gefühl heraus hat Reto Thomann in seinem Unternehmen ausschließlich gelernte Buchbinderinnen und Buchbinder eingestellt.

Der Gegenpol zum Format 102 x 186
Mit dem Kleinstformatfalzsystem von Herzog+Heymann hat die W. Thomann AG gleichsam einen Gegenpol zum Großformat gesetzt. Vor rund zwei Jahren installierte die Buchbinderei eine groß dimensionierte Taschenfalzmaschine T1020P von MBO. Auf der Falzmaschine mit einer Einlaufbreite von 102 Zentimetern werden unter anderem Straßen- und Landkarten für namhafte Kartenverlage gefalzt.

Auch die großformatige Falzmaschine ist eine Spezialität: Bis heute sei die W. Thomann AG der schweizweit einzige Betrieb, der den Falzprozess ab einem Planobogenformat 102 x 186 Zentimeter anbiete, sagt Reto Thomann.

Weitere Informationen:
W. Thomann AG https://www.thomannag.ch/

Gramag Grafische Maschinen AG
Herr Martin Baumann
Telefon +41 (62) 749 51 51
info@gramag.ch
http://www.gramag.ch

Über Herzog+Heymann:
Herzog+Heymann besteht seit über sechs Jahrzenten am Markt und verfügt dadurch über umfassendes Know-how im Maschinenbau für die grafische Industrie. Zum Portfolio gehören individuelle Sonderlösungen für die Pharma-Branche sowie Mailing-Anwendungen. Herzog+Heymann hat seinen Sitz in Bielefeld. Das Unternehmen ist Teil der MBO-Gruppe. Weitere Standorte der MBO-Gruppe befinden sich in Oppenweiler, Portugal, Frankreich, USA und China.

Über die MBO-Gruppe:
Seit über 50 Jahren ist die MBO-Gruppe zuverlässiger Partner für Druckereien und Buchbindereien. Die Gruppe entwickelt, produziert und vertreibt hochwertige Maschinen für die Weiterverarbeitung von Digital- und Offsetdruck sowie für Mailing-, Pharma- und Sonderanwendungen. Der Hauptsitz des Unternehmens ist in Oppenweiler bei Stuttgart. Weitere Standorte befinden sich in Portugal, Frankreich, USA und China. Die 100-prozentige Tochtergesellschaft Herzog+Heymann hat ihren Sitz in Bielefeld.

Pressekontakt:
MBO Maschinenbau Oppenweiler Binder GmbH & Co. KG
Katja Dannenberg (Marketing)
Grabenstraße 4-6, 71570 Oppenweiler, Deutschland
katja.dannenberg@mbo-folder.com
www.mbo-folder.com

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