Weltkultur und Naturerbe in der Türkei von Zerstörung bedroht

Der Be?parmak Da?lar?, in der Antike auch bekannt als „Latmos“, ist eine der faszinierendsten und archäologisch reichsten Regionen der Türkei. Die Schönheit der Berglandschaft und kulturellen Monumente sind zurzeit stark bedroht durch zunehmende Steinbrucharbeiten in der Umgebung. Seit Jahrzehnten wird Feldspat abgebaut, ein Mineral, das für die Produktion von Keramik, Glas und Sanitäranlagen weltweit genutzt wird. Die Ausbeutung verursacht eine drastische Metamorphose des Latmos vom heiligen Berg zur Badezimmer-Einrichtung. Steuererleichterungen und laxe Bergbauregulationen haben zu einem dramatischen Anstieg des Feldspat-Abbaus geführt. Jetzt ist sogar die bedeutendste Gruppe archäologischer Monumente im Latmos bedroht: die prähistorischen Felszeichnungen.

Die bis ins 6. und 5. Jahrtausend vor Christus zurückgehenden Felszeichnungen wurden 1994 von der Berliner Archäologin Dr. Anneliese Peschlow-Bindokat entdeckt und zählen zu den außergewöhnlichsten Entdeckungen unserer Zeit im Bereich der prähistorischen Archäologie in Anatolien. Die Bilder zeigen Familienszenen und spiegeln die gesellschaftlichen Veränderungen, die mit der Sesshaftwerdung einhergingen. Die Themen und Botschaften, die durch diese Bilderlandschaft transportiert werden, finden sich so kein zweites Mal im Mittelmeerraum und Nahen Osten.

Schon in prähistorischer Zeit wurde der Latmos in Anatolien als heiliger Berg angesehen. Auf seinem Gipfel wurden der Anatolische Wettergott und eine lokale Berggottheit verehrt. Der Berggipfel war das Zentrum von Wetter- und Fruchtbarkeitsritualen. Trotz soziokulturellen Veränderungen, die religiöse Konzepte veränderten, währte die kultische Tradition hier bis in Ottomanische Zeit.

Wenn die Ausbeutung von Feldspat nicht sofort gestoppt wird, geht eine seit Jahrtausenden geformte Landschaft verloren, die einzigartig ist für Anatolien und die Ägäis. Der Latmos ist ein Freiluftmuseum, das mit seinem kulturellen Erbe eine Zeitspanne von Fast 8000 Jahren umfasst. Es ist auch ein Geopark, von fantastischen Gesteinsformationen durchzogen, wie sie selten auf der Welt zu finden sind. Die beeindrucken Pinienwälder (Pinus Pinea) sind die größten ihrer Art in der Türkei. Im Zuge der Steinbrucharbeiten wurden große Bereiche bereits gerodet.

Dem World Wide Fund for Nature (WWF) Türkei zufolge zählt der Be?parmak mit seinen seltenen Pflanzenarten zu einer der 122 wichtigsten Regionen der Türkei für Pflanzenarten („important plant areas“). 22 Arten sind stark bedroht, zwei von ihnen sind endemisch. Der Berner Konvention von 1979 zufolge, die auch die Türkei unterzeichnet hat, müssten die Orchideenart Comperia comperiana und die Pflanze Cyclamen mirabile unter Schutz gestellt werden.

Auch der Karakal, „Wüstenluchs“ genannt, ist durch den Feldspat-Abbau stark bedroht. Er ist eine der letzten fünf verbliebenen wilden Katzenarten der Türkei. Der Be?parmak ist auch ein Lebensraum für Seeadler (Haliaeetus albicilla).

Mit vergleichsweise geringen Kosten könnte die Region durch „Ökotourismus“ als Freiluftmuseum erhalten und geschützt werden. Die lokale Bevölkerung, deren Lebensqualität und -grundlage durch die Entwaldung bedroht sind, würden wirtschaftlich von Besuchern profitieren. Die meisten Menschen in der Region leben vom Sammeln von Pinienkernen und Pinien-Produkten, Bienenhaltung, Olivenanbau und Tierhaltung. Doch heute versiegen diese Einkommensquellen zunehmend. Außerdem sorgt der Feinstaub, der von den Steinbrüchen durch den Wind in die Dörfer geweht wird, für große Gesundheitsgefahren und kontaminiert den Boden, besonders bei Regen. Zu den Dörfern, die von diesen Umweltveränderungen am meisten betroffen sind, zählt Karakaya.

Feldspat gibt es in vielen anderen Regionen, auch in der Türkei, doch der Latmos ist einzigartig in seiner Bedeutung für das Weltnatur- und Kulturerbe. Der NABU Deutschland e.V. (Nature and Biodiversity Conservation Union, Germany), der WWF (World Wide Fund for Nature) in der Türkei und die Naturschutzorganisation EKODOSD in Ku?adas?, außerdem die Archäologen-Vereinigungen Associazione Internazionale di Archeologia Classica (AIAC) und die Association pour le Rayonnement de l'Art Pariétal Européen (ARAPE) haben die außerordentliche Bedeutung der Region als Naturerbe und Kulturerbe unterstrichen.

Die Naturschutzorganisation EKODOSD, die sich vor Ort für den Schutz des Latmos einsetzt, hat nun auf change.org eine Unterschriften-Aktion gestartet und fordert das Forstministerium dazu auf, den Latmos - Be?parmak Da?lar? – zum Nationalpark zu erklären, um die Gesundheit der Einwohner, die prähistorischen Feldbilder und die Pinienwälder zu schützen.

Weitere Informationen:

http://www.latmos-felsbilder.de
https://www.youtube.com/watch?v=Cd8klHD7Mpk

Zur Petition:
https://www.change.org/p/republic-of-turkey-ministry-of-forestry-and-wat...

EKOS?STEM? KORUMA VE DO?A SEVENLER DERNE??
ATATÜRK BULVARI KONUK ?? MRK. NO:40/12 KU?ADASI/AYDIN
Telefon  : 90 256 614 78 11
Fax    : 90 256 614 77 83

Email :  info@ekodosd.org

EKODOSD ist eine türkische Umweltschutzorganisation mit Sitz in KU?ADASI/AYDIN

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a.Blick 1994 von NO ++ber das Bergland des Latmos auf die Gebirgskette mit dem Gipfel.001.jpg273.79 KB
22.Polat- Kalemaden_6614.JPG774.37 KB
08.10.2014: | | | | |