Ausstieg aus der rechten Szene. Der schwere Weg einer jungen Frau

„Die Aussteigerin. Autobiografie einer ehemaligen Rechtsextremistin“ (Christine Hewicker)
Die Entdeckung der Zwickauer Terrorzelle im November 2011 hat die Debatte um ein Verbot der Nationalsozialistischen Partei Deutschlands (NPD) neu entfacht. Zehn Morde und zahlreiche Banküberfälle gehen auf das Konto des Trios „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU), von dem zwei Mitglieder kurz nach der Aufdeckung ihres Hauptquartiers in Zwickau tot aufgefunden wurden. Zahlreiche Helfer des NSU wurden bereits festgenommen, das Verfahren gegen sie und das dritte NSU-Mitglied wird sich vermutlich noch einige Zeit hinziehen.
Die Chefetage der NPD distanziert sich zwar von den Taten des NSU, in der öffentlichen Diskussion ist die Forderung nach einem NPD-Verbotsverfahren trotzdem so laut wie lange nicht mehr.
Topaktuell ist deshalb die Geschichte der ehemaligen NPD-Anhängerin Christine Hewicker, die nach Jahren überzeugten Mitwirkens den Ausstieg aus der rechtsextremen Szene geschafft hat. Ihre Autobiografie „Die Aussteigerin“ erscheint als überarbeitete Ausgabe im Juni 2012 im ACABUS Verlag. Dort beschreibt die Autorin, wie sie in den 70er Jahren im jungen Alter von 14 Jahren erstmals mit der NPD-Ortsgruppe in ihrer Heimatstadt Lüneburg (Niedersachsen) in Berührung kam, zu Beginn nur an unpolitischen Freizeitaktivitäten teilnahm – und sich plötzlich mitten in der rechtsextremen Szene wiederfand, die den bewaffneten Kampf gegen die Bundesrepublik zum Ziel hatte.
Hewicker beschreibt nüchtern, wie es der Propaganda der NPD gelang, sie als Jugendliche in ihren Bann zu ziehen und welche zwischenmenschlichen Beziehungen und persönlichen Gedanken sie schließlich zur Rechtextremistin machten. Sie wurde NPD-Mitglied, verbreitete verfassungsfeindliches Propagandamaterial und nahm an rechtsradikalen Aktionen teil. Nach einem Banküberfall und einer bewaffneten Konfrontation mit der Polizei wurde Hewicker im Alter von 23 Jahren schließlich festgenommen. Es folgten strenge Isolationshaft, Prozess und eine sechsjährige Gefängnisstrafe, während der die junge Frau einen grundsätzlichen Gesinnungswandel durchlief und sich schließlich ganz von der rechten Szene lossagte.
Hewickers Autobiografie berichtet authentisch und mutig von den Irrwegen eines jungen Frauenlebens. Es beschreibt die gesellschaftlichen und familiären Verhältnisse, die ihre persönliche Geschichte geprägt haben und schildert den seelischen Kraftakt, der nötig war, um im Gefängnis über vertraute Denkmuster hinweg zu kommen und sich selbst eine neue Identität zu schaffen. Ein spannendes, bewegendes und aufrüttelndes Buch, das seit seiner Erstauflage 2001 nichts an Aktualität verloren hat.

Christine Hewicker
Die Aussteigerin. Autobiografie einer ehemaligen Rechtsextremistin
ISBN: 978-3-86282-176-1
2. überarbeitete Auflage
Paperback
VK-Preis: 13,90 EUR
ACABUS Verlag Juni 2012

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