Martin Papapol: Integration und lebendiges Subjekt – Multikulti als Nachlass des bürgerlichen Denkens

Die „Nachlassverwalter“ der langsam aber sicher auslaufenden bürgerlichen Denkkultur werden noch viel zu tun haben! Unter den etablierten Parteien haben besonders die alten Linken (SPD, Die Grünen, Linkspartei) bis heute kaum begriffen, dass der Prozess der Integration des Einzelnen in die Gesellschaft nicht mit Kopfgeburten und intellektualistischen Konzepten (auch wenn sie von vermeintlichen „Gutmenschen“ produziert werden) realisiert werden kann. In diesem Sinne ist Multikulti nur noch ein Restposten der bürgerlichen Wunschkultur.

Die Integration ist ein individueller Entwicklungsprozess, der keineswegs als Anpassungsleistung an eine bestimmte Kultur oder als eine strukturlose Vermischung von Kulturen stattfinden kann. Integration ist eine Leistung des lebendigen Subjekts im Rahmen seiner Selbstgestaltung. Die Selbstgestaltung darf nicht als eine Identifikationsleistung mit einer bestimmten Kultur verstanden werden. Sie ist keine Anpassungsleistung.

Es gibt jedoch kulturelle Einflüsse, die die Selbstgestaltung des lebendigen Subjekts nicht nur nicht leicht machen, ja nicht selten auch blockieren. Dazu gehören unter anderem patriarchalische Beziehungsstrukturen oder bestimmte Rollenzuweisungen gegenüber der Frau. Wenn jemand sein Selbst aus religiösen Gründen zugunsten solcher Strukturen aufgeben möchte, müsste er sich die Frage stellen, ob die umgebende Gesellschaft für solche religiösen Eskapaden noch geeignet ist. In Europa wird die Entwicklung des lebendigen Subjekts in der Zukunft immer Vorrang haben. Dies müssen die Gestrigen und Steckengebliebenen zur Kenntnis nehmen.

Martin Papapol schrieb in der Auseinandersetzung mit den alten Linken und dem bürgerlichen Denken „Der digitale Kapitalismus - Zu einem Manifest der neuen Linken“, Norderstedt, 2005
Vgl. hierzu auch die Pressemitteilung vom 26.06.2007 „Kapitalismuskritik im digitalen Kapitalismus“ unter www.wachstumstrend.de

08.03.2012:

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