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Obdachloser Max Bryan - Über Hoffnung, Enttäuschung und Befreiung

Von Beverly Hoffmann

7. August, 03.00 Uhr Morgens, Hamburg Landungsbrücken. Ein Mann liegt auf einer Metallgitter-Bank und versucht zu schlafen. Ein paar Meter entfernt Touristen, das letzte Party-Boot des Abends macht fest und gröhlende Nachtschwärmer verlassen die Brücken am Hamburger Hafen.

Max Bryan ist obdachlos und in nur wenigen Stunden soll er im 600 km entfernten Wiesbaden auftreten, vor 1400 geladenen Zuschauern im Staatstheater zu Wiesbaden ein Lied singen. Es ist die 3. Vorrunde zum Supertalent-Casting 2010, wo auch Dieter Bohlen, Sylvie van der Vaart und Bruce Darnell das gesangliche Talent des Obdachlosen bewerten sollen.

07.00 Uhr Morgens. Nach unruhiger Nacht führt der erste Weg des Morgens vorbei an der Fischpfanne, ein Restaurant, ganz in der Nähe seines damals noch entfernt liegenden Schlafplatzes. Auf dem Rucksack geschnallt ein weißes Hemd, das einzige saubere Stück, dass der 35-Jährige sich extra für diesen Auftritt aufgespart hatte. „Heute ist mein großer Tag“, winkt er der Putzfrau zu und sie wünscht ihm viel Glück für seine lange Fahrt zum „Dieter“.

09.21 Uhr Hamburg Hauptbahnhof. Der Zug in Richtung Wiesbaden setzt sich in Bewegung
und Max ist an Bord.

Stunden später die Ankunft am Zielort. Begrüßung und Check-In. Gegen 14.30 Uhr dann heißt es warten, lange warten, den ganzen Tag warten. Max Bryan startet als Letzter auf der Liste und kein Ort zum einsingen.

Max legt sein Playback vor, wochenlang hat er sich darum bemüht, eine instrumentale Begleitung für seinen Vortrag zu organisieren, aber der Produzent will davon nichts mehr wissen, das Playback wird abgelehnt, „zu spät“, heißt es von höchster Stelle, man habe das jetzt so entschieden, Max „solle a cappella singen“.

Was dann folgte, sollte zum schwärzesten Tag im Leben des Max Bryan werden, der glaubte in dieser Sendung eine Chance zu finden, der Straße zu entfliehen, ein neues Leben zu beginnen, seine Liebe zur Musik endlich ausleben zu können, aber es kam anders.

Die Macher der Show hatten scheinbar weniger Interesse an seinem Talent als vielmehr an der Demontage seiner Lebensgeschichte. Warum er nicht arbeiten ginge „und sich den Bart nicht abschneide“, in 5 Interviews zuvor (vor dem Bühnenauftritt) war das alles kein Thema, nur jetzt, wo Bryan vor 1400 Zuschauern singen sollte, kommen solche Fragen ! Der Veranstalter hat ihn reingelegt, wie viele andere Kandidaten vor ihm auch.

Kurz gesagt: Die Supertalent-Macher wollten Bryan als Lachnummer und als das nicht funktionierte, haben sie ihn rausgeworfen bzw. seine Aufnahmen nicht mal ausgestrahlt.

Zitat Astrid F. (Grundy Casting): „Das Schicksal eines Obdachlosen sei nicht unterhaltsam genug und dies sei nun mal eine Unterhaltungsshow“ und er solle damit „doch lieber zu Spiegel TV gehen“.

Mit dieser Aussage hatten die Macher der Show sich quasi selbst überführt. Es war der schlagende Beweis dafür, dass sie Bryan nur einluden um ihn lächerlich zu machen, in der Hoffnung er gäbe in seinen Antworten auf Bohlens Fragen eine Steilvorlage für eine Bloßstellung oder eben eine Lachnummer, irgendetwas Lustiges und als das schief lief, Bryan nicht lieferte, was sie haben wollten, er stattdessen da oben stand, in Tränen aufgelöst, mit seiner Isomatte und den Schlafsack in der Hand, wurden die Aufnahmen „unspannend“, denn echtes Leid wollte niemand von denen sehen.

Weitere Hintergründe auch hier:
http://www.projektoffice.org/permalink/MaxBryan/Max-Bryan-10-Gruende-Fue...

Eine nachdenklich machende Geschichte über Hoffnung, Traum und Enttäuschung. Es ist das Leben des Max Bryan, das vielschichtiger kaum sein könnte und die Macher hatten kaum Skrupel, sich dessen zu bedienen - für Andere - versteht sich.

Max Bryan lebt heute immer noch auf der Straße. Im Winter wäre er fast erfroren und niemanden bei RTL und Grundy (ausführender Produzent) hatte das interessiert. Es ist die Doppelzüngigkeit dieser Formate, die Anteilnahme und Schicksalstreue vorgaukeln, in Wahrheit aber eine Dreck auf das Schicksal anderer Menschen geben. Die Geschichte des Max Bryan hat eindrucksvoll bewiesen, dass Sender und Produzent dem Wesen nach immer nur sich selbst dienen, dass Kapital und Profit einfach das Wichtigste sind und alles andere - inklusive das Leben der Kandidaten - keinen Pfifferling mehr wert sind, wenn es darum geht, die eigenen Interessen zu schützen.

Siehe auch Mobbing-Vorwürfe und Videobotschaft (Castingkritik v. 15.04. /Update 22.04.):
http://www.facebook.com/note.php?note_id=186552418057711

Max hatte einen Traum. „Ich tat dies, weil ich an etwas glaubte, an meine Chance, an die Wahrheit und an Aufrichtigkeit und was ich fand, waren Lügen, Heuchelei und Missgunst.“, heißt es im begleitenden Text zu seiner Videobotschaft, die Max Bryan mit einer kleinen geliehenen Kamera selbst gedreht und anschließend ins Netz gestellt hat.

http://www.youtube.com/watch?v=2vjyGpVsLI0

Darin bezeichnet er Chef-Juror Dieter Bohlen als „Vorleser und Marionette der Drehbuchschreiber“, als jemand, der weder Größe noch Moral habe und der sich „an den Meistbietenden verkaufe“.

Aufgenommen wurde das Video schon vor Monaten und inzwischen hat Bryan das alles hinter sich gelassen, hat sein Versprechen eingelöst, arbeitet daran sich selbst zu befreien und ist „auf einem guten Weg“, wie er selbst sagt.

http://www.maxbryan.com

- Frohe Ostern -

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http://www.themenportal.de/leute/frohe-ostern-die-geschichte-des-max-bry...

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