Rhein-Wied-News: Nassau - Munition von der Lahn über Brasilien nach Libyen? - Politiker ahnungslos!

Gegründet wurde es 1957 von der Bundesregierung - im Rahmen der deutschen Wiederbewaffnung: Das "Metallwerk Elisenhütte Nassau" (MEN), einer der größten deutschen Munitionsfabriken. Außerhalb des Lahnortes Nassau, mitten im Wald versteckt, werden Präzisionsgeschosse für Pistolen, Gewehre und MGs produziert. Nur für verlässliche Kunden und legalen Export, versteht sich. Doch seit der Übernahme durch ein brasilianisches Unternehmen hat sich vieles verändert!

Seit das Werk an den brasilianischen Rüstungskonzern Companhia Brasileira de Cartuchos (CBC) verkauft worden ist, gärt es in der Firma. Laut einem Bericht des SPIEGEL sorgen sich Techniker um die Qualität der heiklen Ware, Arbeiter klagen über Gefahren durch den Einsatz veralteter Maschinen.

Doch zwei Führungskräfte des Unternehmens, deren Namen dem SPIEGEL bekannt sind, die aber aus Angst um ihren Job anonym bleiben wollen, erheben noch viel schwerere Vorwürfe gegen den brasilianischen Mutterkonzern: Über die Nassauer Dependance werde systematisch versucht, behauptet etwa ein Manager, "das deutsche Kriegswaffenkontrollgesetz zu unterlaufen".

Immer wieder, so berichten MEN-Führungsleute, flögen Experten des Konzerns ein, um technische Zeichnungen zu studieren, Exponate mitzunehmen, Entwicklungsprotokolle zu kopieren, elektronische Daten abzugleichen - "ein ganz cleverer Weg, um an unser Know-how zu kommen".

Neben der Suche nach neuen Vertriebswegen und neuen Abnehmern sei dies wohl der eigentliche Grund für die Übernahme, glaubt einer der Manager. Die Bundesregierung, die den Verkauf der Rüstungsfirma an die Brasilianer ohne Einwände duldete, habe nach seiner Ansicht die Brisanz nicht erkannt: "Die haben einfach gepennt." Das gilt allerdings auch für Landespolitiker: Erst vor wenigen Monaten besuchte Wirtschaftsminister Hering das Werk in Nassau. Auch er hatte, wie nicht anders zu erwarten, nur Lob für die innovative Firma.

Dabei ist die Frage eines Technologietransfers besonders heikel, weil massive Zweifel an der Seriosität der CBC mit Hauptsitz in Ribeirão Pires nahe São Paulo bestehen. Der Konzern, der auch Handfeuerwaffen fertigt, ...

... Und beim Export sind die Südamerikaner, die ihre Munition unter dem Namen Magtech verkaufen, nicht wählerisch: Unter den mehr als 50 Nationen, die regelmäßig beliefert werden, finden sich auch Staaten wie etwa Libyen. Selbst mit Iran wird verhandelt.

Das weiß wohl auch der amtierende Geschäftsführer in Nassau. Er freue sich zwar, wenn Lokalzeitungen über die wirtschaftlichen Erfolge des Betriebs schrieben, auf eine überregionale Berichterstattung lege er jedoch keinen Wert - zynischer kann man mit der Presse wohl kaum umgehen. Damit niemand plaudert, hat er einen Maulkorberlass verteilen lassen. Darin werden die Mitarbeiter schriftlich angewiesen, Journalisten "keine Auskunft zu geben".

Der Maulkorb passe zum neuen, rüden Umgang, konstatieren langjährige MEN-Mitarbeiter. Statt der früher praktizierten Teamarbeit würden nur noch Befehle von oben nach unten erteilt. Insbesondere Kenntnisse über die Geschäftsbeziehungen zum brasilianischen Mutterkonzern blieben einem kleinen Kreis vorbehalten.

Warum bloß?

Der RW-News-Filmtipp zum Thema: "Lord of War – Händler des Todes" mit Nicolas Cage.

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