Mixas Kampf um Ruf und Amt

Der entpflichtete Bischof will rehabilitiert werden

Walter Mixa, der entpflichtete Bischof von Augsburg, wehrt sich, kämpft um seinen guten Ruf und um die Wiedereinsetzung in sein Bischofsamt. Gegen Mixa war im Rahmen des Medien-Feldzugs gegen die katholische Kirche („Missbrauchsfälle“) eine spezielle Kampagne geführt worden, in der die medialen Strippenzieher mit innerkirchlichen Gegnern des als konservativ geltenden Bischofs zusammenarbeiteten. Diese schmutzige Zusammenarbeit orientierte sich ganz offensichtlich an zwei österreichischen Beispielfällen, in denen vor Jahren konservative Oberhirten nach schweren Anschuldigungen aus dem Amt gedrängt, zum Schweigen gebracht und in die Isolierung gezwungen wurden. Gemeint sind die Fälle des Wiener Kardinals Erzbischof Groer und des St. Pöltener Bischofs Krenn.

HALTLOSE VORWÜRFE?

Als sich in der Kampagne gegen Mixa herausstellte, dass die Vorwürfe gegen den Bischof aus früheren Jahrzehnten („Watschen“ und angeblich andere Züchtigungen sowie angebliche Zweckentfremdung von Geldern) nicht schnell genug zum Ziel führten, wurde gegen Mixa die Sex-Keule geschwungen. Da wurden Gerüchte gestreut, Mixa habe sich Priesteramtskandidaten in Vieraugen-Gesprächen und bei Saunabesuchen unsittlich genähert. Aber zum Fall für den Staatsanwalt wurde Mixa erst, als eine kirchliche Mitarbeiterin aus Eichstätt (der früheren bischöflichen Wirkungsstätte Mixas) in einem Telefonat mit einer Mitarbeiterin des bischöflichen Ordinariats Augsburg andeutete, es sei möglich, dass Mixa einen minderjährigen Messdiener sexuell missbraucht habe. Die Aktennotiz reichte die Augsburger Interims-Bistumsverwaltung eilends an den Generalstaatsanwalt in München weiter. Der angeblich missbrauchte ehemalige Messdiener aber bestätigte die Haltlosigkeit des Vorwurfs; die staatsanwaltlichen Ermittlungen wurden eingestellt.

Noch bevor die Staatsanwaltschaft ermittelte, war Mixa vom Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Freiburgs Erzbischof Zollitsch, und vom Vorsitzenden der Bayerischen Bischofskonferenz, Münchens Erzbischof Marx, unter stärksten Druck gesetzt worden: Mixa sollte ein vorgefertigtes Rücktrittsgesuch an Papst Benedikt XVI. unterzeichnen. Mixa im Rückblick: „Dieser Druck war wie ein Fegefeuer … “ Am 21. April war Mixa so zermürbt, dass er unterschrieb und sich dann in eine Schweizer Klinik begab. Von dort aus widerrief er per Fax nach Rom sein Rücktrittsgesuch.

Papst Benedikt empfing am 30. April in Rom die beiden genannten Erzbischöfe und den Augsburger Weihbischof Losinger, um sich persönlich ein Bild der Lage zu machen. Die drei hohen Kleriker überreichten dem Papst ein Dossier und erläuterten das Sammelsurium aller Vorwürfe und Gerüchte. Am 8. Mai (das Ermittlungsverfahren gegen Mixa war noch nicht eingestellt) nahm der Papst das Rücktrittsgesuch an. Im vatikanischen Machtapparat, den der Papst bei seinen Entscheidungen nicht einfach übergehen kann, hatte sich wahrscheinlich die Meinung durchgesetzt, es könne die medialen Kampagneführer vielleicht beschwichtigen, wenn Mixa in der Versenkung verschwinde. Denn sonst hätte man dem Papst auch eine andere Lösung empfehlen können: Mixa im Amt zu belassen und ihm einen Koadjutor (einen Bischof zur Unterstützung in den Amtsgeschäften – mit dem Recht auf die Nachfolge) an die Seite zu stellen. Wie sehr der Machtapparat im Vatikan sich gegen Mixa festgelegt hatte, erfuhr der entpflichtete Bischof, als er seinen Fall dem Chef der Bischofskongregation in Rom vortrug, dem einflussreichen Kardinal Giovanni Battista Re. Mixa holte sich bei Re eine Abfuhr.

In Kenntnis dieser Zusammenhänge fügten Augsburgs jetziger Bistumsadministrator, Weihbischof Grünwald, und sein Bischofskollege Losinger einen Affront hinzu: Sie untersagten Mixa, sein 40-jähriges Priesterjubiläum wie geplant öffentlich zu feiern. Öffentliche Solidarisierungs-Szenen mit dem gestürzten Bischof Mixa sollte es nicht geben!

RÜCKKEHR NACH AUGSBURG

Verhindern konnten die beiden Weihbischöfe aber nicht, dass Mixa nach Sanatoriumsaufenthalt und Urlaub ins Augsburger Bischofspalais zurückkehrte. In Verhandlungen mit dem Vatikan möchten sie erreichen, dass Mixa außerhalb des Bistums Augsburg seinen Wohnsitz nimmt. Inzwischen hat Mixa auch die Zusage erreicht, dass Papst Benedikt ihn Anfang Juli empfängt. Ganz sicher ist es ein Zeichen der Herzensgüte, die diesen Papst auszeichnet, dass er dem öffentlich zur Unperson erklärten bischöflichen Mitbruder Gelegenheit gibt, seine Version der Affäre dem Pontifex persönlich vorzutragen. Es ist jedoch zu erwarten, dass der Papst sein Dekret in der Sache Mixa nicht zurücknimmt. Er dürfte Mixa um der Kirche willen bitten, in der Kreuzesnachfolge Christi der Kirche ein großes Opfer zu bringen und nicht weiter auf eine Rückkehr ins Augsburger Bischofsamt zu dringen. Es ist nicht anzunehmen, dass Mixa unheilbar krank ist, wie jetzt seine Gegner mit Häme verbreiten (hochgradig Alkoholsuchtkranker mit mentalem Wirklichkeitszerfall). Daher könnte der Papst ihm an der römischen Kurie ein Amt übertragen, das den Talenten des Bischofs angemessen wäre. Für solche Kompensationen gibt es in der Geschichte der katholischen Weltkirche zahlreiche Beispiele.

Um dies zu verhindern, gehen nun die ausgestreuten Gerüchte in eine andere Richtung: Jetzt ist Mixa der große Sünder, unwürdig, der Kirche an herausgehobener Stelle zu dienen. Eine Boulevardzeitung zitiert „Kirchenkreise“. Danach habe Mixa gegen die „meisten der Zehn Gebote permanent verstoßen“. Konkretisierungen fehlen. Außerdem berichten unter anderem die „Süddeutsche Zeitung“ und die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ von Übergriffsvorwürfen, die sich ebenfalls in dem Dossier befunden haben.

Mixa will auch das päpstliche Gericht in Rom (die „Rota“) bemühen. Es soll die Druckmechanismen und Winkelzüge aufdecken, mit denen er zum Rücktritt gezwungen wurde. Das passt natürlich nicht in die Regie der kirchlichen Anti-Mixa-Intriganten. Einige von ihnen fordern Mixa zu Einkehr und Buße auf. Diese Forderung wäre aber mit größerer Berechtigung auch an sie zu richten.

Manfred Müller


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