Istanbul als Kulturmetropole 2010 - Die Fassade täuscht

Scheinbare Religionsfreiheit und Einhaltung von Menschenrechten als Lockmittel

Von Marianne Brückl

Menschen bewegen sich auf den Strassen, zum großen Teil modern gekleidete unverschleierte Frauen, riesige Einkaufszentren werden errichtet, wie im August 2009 im Joint Venture mit einer deutschen Immobilienfirma das 212 Power Outlet Center in einem jungen Stadtteil von Istanbul. Kultur pur. Doch die Fassade täuscht. Scheinbare Religionsfreiheit und Achtung der Menschenrechte, serviert auf dem silbernen Tablett für die Weltöffentlichkeit als Lockmittel, auf der Schattenseite aber die vom Glanz Istanbuls verdeckte Lage der Christen.

Istanbul – Fassade für scheinbar europäisches Flair

Nach außen hin scheint Istanbul eine weltoffene Stadt mit europäischem Flair zu sein, moderne Frauen, ein neues Einkaufszentrum mit namhaften Märkten wie Carrefour, Media Markt und Praktiker, aber auch große Marken mit eigenen Shops wie Deichmann, Diesel, Sony, Pierre Cardin, Adidas und D&R. Aber auch ein großer Food Court, der neben den bekannten Gastronomiekonzepten auch 6 große Restaurants bietet, fehlt hier nicht. Wie könnte man hier auf die Idee kommen, sich angesichts all dieser westlichen Errungenschaften die Kehrseite der Medaille auch nur im Entferntesten vorzustellen. Eine täuschende Fassade für jeden Besucher der glanzvollen Stadt. Aber die Faszination des Prunkes verdeckt die Schattenseite, nämlich die Unterdrückung und Bedrohung der christlichen Minderheit.

Kennzeichnung christlicher Häuser aus Imageverlust zurückgestellt?

Weit unter 1% Christen sind es, die in Istanbul leben, unter ständiger Furcht vor Übergriffen der muslimischen Übermacht. Im August 2009 wurden in dieser Stadt die Häuser sämtlicher Christen mit Farben gekennzeichnet.
In einem Bericht von "Die Presse.com" vom 25.08.2009 wird an das Christen-Pogrom von 1955 erinnert.

"Die Kennzeichnung christlicher Häuser weckt in Istanbul die Erinnerung an das Pogrom gegen die christlichen Minderheiten vom September 1955. Damals waren zuvor die Häuser und Geschäfte der Christen von nationalistischen Aktivisten markiert worden. Ausgelöst wurden die blutigen Ausschreitungen mit Dutzenden von Todesopfern in Istanbul und Izmir vordergründig durch den Zypern-Konflikt - im Hintergrund stand die Suche nach Sündenböcken in einer Zeit, in der sich die Türkei in einer wirtschaftlich kritischen Lage befand. … Ein fanatisierter Mob setzte in Istanbul 72 orthodoxe Kirchen und über 30 Schulen in Brand, schändete christliche Friedhöfe und verwüstete rund 3500 Wohnhäuser und mehr als 4000 Geschäfte. Die Polizei sah untätig zu, wie geplündert und vergewaltigt wurde. Der Nobelpreisträger Orhan Pamuk, der in seinem Werk auch den Massenmord an den Armeniern von 1915 thematisierte, schilderte die blinde Zerstörungswut in seinen Jugenderinnerungen."
(APA)
Quelle: http://diepresse.com/home/panorama/religion/503919/index.do

Seit ca. 2 Monaten wurde es zwar wieder still um die farblichen Markierungen, aber die Angst vor einer Wiederholung dessen, was vor 55 Jahren passierte, regiert nach wie vor das Leben der wenigen christlichen Einwohner in der Metropole. Denn auch heute wie damals befindet sich die Türkei in einer wirtschaftlich misslichen Lage, wie das Auswärtige Amt im Oktober 2009 offiziell bestätigt.

"Inzwischen sind die Auswirkungen der globalen Wirtschaftskrise jedoch auch in der Türkei zu spüren. Im letzten Quartal 2008 rutschte die Türkei erstmals nach 27 Quartalen positiven Wachstums in den Minusbereich (-6,2 Prozent). Der Rückgang im 1. Quartal 2009 stellt mit minus 14,3 Prozent den schlechtesten Wert seit der bisher schwersten Rezession 1945 dar. Die konjunkturfördernden Maßnahmen der Regierung konnten den Abschwung 2. Quartal 2009 etwas dämpfen (minus 7 Prozent). Im Gesamtjahr 2008 lag das Wirtschaftswachstum bei real 0,9 Prozent und damit weit unter dem von der Regierung Anfang des Jahres gesetzten Ziel von 4 Prozent. Der IWF rechnet 2009 mit einem Rückgang des BIP um 6,5 Prozent. Auch die Regierung erwartet inzwischen einem Minus von 6 Prozent (im Frühjahr noch minus 3,5 Prozent)."

Quelle: Auswärtiges Amt
http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laenderinformationen/Tuerkei/Wir...

Methoden zur Behinderung freier Religionsausübung

Es ist ein offenes Geheimnis, dass man gezielt Gottesdienste der Christen verhindert, indem irgendwelche Vergnügungsstätten neben Kirchen platziert werden wie beispielsweise Billardsaloons etc. Was aber mancher Europäer nicht weiß, dass es nach türkischem Gesetz verboten ist, Gottesdienste abzuhalten, wenn sich daneben eine Spielhalle oder Ähnliches befindet. Ein guter Schachzug, um attraktiv für die Weltöffentlichkeit zu wirken, aber gleichzeitig dem Christentum durch trickreiche Aktionen, wie ebendiese Einrichtungen neben Gotteshäuser zu setzen, den Garaus zu machen. So geschehen 1998, als man die St. Georgs-Kirche beschlagnahmt und die angrenzende Schule von staatlicher Seite gekauft hat. So war es ein Leichtes, durch Einrichtung eines Billardsaales in den ehemals schulischen Räumlichkeiten Gottesdienste in der Kirche durch gesetzliche Verordnungen zu verbieten.
Allen Warnungen zum Trotz lassen sich Touristen der Stadt am Bosporus vom taktischen Kuschelkurs mit den "Ungläubigen" blenden und übersehen dabei aber die zielstrebige Vernichtung des Christentums durch unbemerkte Annexionen der Türkei, die christliches Erbe an sich reißt und rücksichtslos für ihre Zwecke niederreißen lässt.

Was verbirgt sich wirklich hinter der Fassade Istanbuls?

Die Fassade Istanbuls macht es den europäischen Besuchern jedoch leicht, sich in einer scheinbar mondänen Gesellschaft anerkannt und gleichberechtigt zu fühlen. Wer jedoch hinter die Kulissen und in das Land selbst, jenseits der Touristenhochburgen blickt, dem bietet sich ein vollkommen anderes Bild, absolut verschieden von der weltoffenen Lebensweise, die Istanbul nach außen hin suggeriert. Dahinter herrschen Unterdrückung und Christenmord, wer sich in der Öffentlichkeit kritisch zum Islam äußert wird bedroht und terrorisiert, christliches Kulturgut enteignet und zerstört.
Istanbul also eine Kulturhauptstadt in einem Land, das Menschenrechte mit Füßen tritt und die Christen durch Drohungen wie Labels an den Häusern in Angst und Schrecken versetzt? Eine Kulturhauptstadt in einem vom Islam dominierten Land, das christliche Kultur zerstört, anstatt sie zu erhalten? Beispielhaft hierfür ist die Hagia Sofia (heute Moschee-Museum), im Südosten des Landes das Kloster Mor Gabriel, das in einem Enteignungsprozess durch türkische Willkür steht, ebenso wie auch weitere Stätten des nachweisbaren Christentums in der Türkei bedroht sind.

Istanbul als Kulturhauptstadt 2010

"Dass Istanbul Kulturhauptstadt geworden ist, mag außer an den Vorzügen der Stadt aber auch etwas an einem mächtigen und zugleich dominanten Fürsprecher liegen. Der in Istanbul geborene Ministerpräsident Tayyip Erdo?an, der seine Karriere als Bürgermeister von Istanbul begonnen hat, betrachtet die Stadt noch immer als sein Nähkästchen – so sehr, dass er im Hubschrauber über ihr kreisend auch schon mal festlegt, wo denn die nächste Brücke über den Bosporus zu bauen ist." so schreibt beispielsweise das Internet-Magazin "Die Presse.com".
Quelle: http://diepresse.com/home/kultur/kunst/531012/index.do?_vl_backlink=/hom...

Im Sinne einer schleichenden Islamisierung Europas ist Istanbul als Kulturhauptstadt 2010 besser den je geeignet, mehr und mehr an Macht und Einfluss im europäischen Raum zu gewinnen, um das "verpönte" Christentum sowie die Demokratie langsam in eine einseitig islamisch beherrschte Weltherrschaft zu verwandeln, wie es islamistische Kräfte bereits 1996 hinsichtlich Deutschland offen geäußert haben. Man erinnere sich an den damaligen Herausgeber des Jugendmagazins TNT von 1996, Ibrahim El-Zayad, der es darin als seine Pflicht ansieht, den Islam zur Weltreligion zu erheben.

[...]Heute gibt es ca. 2,5 Millionen Muslime in Deutschland. Durch die Gnade Allah leben wir in einem der reichsten Länder dieser Erde. Das ist eine große Barmherzigkeit von Allah uns gegenüber, aber ebenso eine riesige Verantwortung. Wir sind ein Teil dieses Landes und ein Teil dieses Volkes. Allah wird uns am jüngsten Tag befragen, was wir für unser Volk getan haben und unser Volk die Muslime fragen, warum wir den Islam nicht weitergegeben haben.
Damit es nicht soweit kommt, ist es dringend erforderlich, dass wir uns unserer Verantwortung bewusst werden und die Herausforderung annehmen...
Nur wenn wir es schaffen, unsere Identität und unseren Glauben in dieser Gesellschaft zu wahren, können wir eine Bereicherung für diese Gesellschaft werden und unser Allah eine zentrale Führungsrolle übernehmen...
Die Zukunft, den Islam in diesem, unserem Land, in DEUTSCHLAND, gestalten wir, wir, die wir hier geboren und aufgewachsen sind, wir, die wir die deutsche Sprache sprechen und die Mentalität dieses Volkes kennen...
Entscheidend ist, dass wir in diesem Land unsere Religionsfreiheit haben (auch wenn wir sie häufig vor Gericht erst erstreiten müssen) und dass es keinen Grund gibt, nicht aktiv an der Neugestaltung dieser Gesellschaft mitzuwirken...
Dieses Land ist unser Land und es ist unsere Pflicht, es positiv zu verändern. Mit der Hilfe Allahs werden wir es zu unserem Paradies auf Erden machen, um es der islamischen Ummah (Weltgemeinschaft) und der Menschheit insgesamt zur Verfügung zu stellen.[...]
(Ibrahim El-Zayat (islamisches Jugend-Magazin "TNT" Ausgabe 1/1996))

http://pressemitteilung.ws/node/150700

Soll die Stadt Istanbul in einem Land, das nach wie vor Religionsfreiheit für Christen, Menschenrechte und Demokratie nicht selbst achtet und lebt, tatsächlich den Anspruch erheben, sich Europäische Kulturhauptstadt 2010 nennen zu dürfen?
Diese Antwort müssen sich wohl die Verantwortlichen in Politik und Gesellschaft als auch Kirchenvertreter aller Konfessionen durch ihre bisherigen Handlungsweisen selbst geben. Die Beantwortung dieser Frage wird sicherlich nicht leicht werden im Wechselspiel zwischen den konfessionellen, politischen und gesellschaftlichen Maschinerien.

08.01.2010: | |

Über marianne brückl

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Freie Journalistin, Schriftstellerin