Zwischen Burgdorf und Wilhelmshaven: Seit wann treiben Mandanten für Anwälte die Gebühren ein?

Postübergabeurkunden bekommt man in einem gelben Umschlag - trotzdem sieht man gelegentlich Rot. Mir geht das so, wenn ich den Namen eines CDU-Ratsherrn aus Burgdorf lese. Der heißt Paul Rohde, hat in der Kleinstadt mit seiner Frau eine Wochenzeitung gegründet, bei der ich nach der Scheidung als Redakteur anheuerte. Rohde stampfte nach dem Ausscheiden bei der Wochenzeitung ein Monatsmagazin aus dem Boden.

Dort zog er Ausgabe für Ausgabe über Kleinstadtpersönlichkeiten her, so mancher fütterte ihn mit Informationen, die dieser CDU-Ratsherr so lange verdrehte, bis sie ihm in den Kram passten. Das passierte auch mir - nach einer Wohnungsdurchsuchung, über die weder die Kripo noch die Staatsanwaltschaft Hannover etwas verraten hatte. Rohde erfuhr es trotzdem - von einem bei der Durchsuchung Anwesenden. Wo die undichte Stelle war, bekam ich nie heraus. Rohde streute die Information per mail - schon stand ich in der Zeitung und Monat für Monat in seinem Magazin.

Nach knapp drei Jahren endete das Ermittlungsverfahren mit der Feststellung des Landgerichtes Hildesheim, dass mir bitteres Unrecht geschehen war und "Rohde sich nun einen anderen" (OT Richter) für seine Attacken suchen müsse. Nur der CDU-Ratsherr hatte das wieder einmal anders gesehen. Als ich von einer Burgdorfer Richterin frei gesprochen worden war, veröffentlichte er Lügen über mich, die in einem Wilhelmshavener Magazin erschienen waren. Der Verfasser störte sich daran, dass ich bei der Gründung einer Wochenzeitung an der Jade mitgewirkt hatte und behauptete finanzielle Unregelmäßigkeiten, während ich damit beschäftigt war, auch dem letzten Zusteller sein Geld zukommen zu lassen. Darüber wunderte sich ein Gerichtsvollzieher, mit dem ich zusammenarbeitete: „Ihre Firma ist doch eigentlich pleite. Sie müssen doch gar nicht zahlen.“

Wenige Monate später hatte sich dieser Magazinmacher aus Wilhelmshaven mit antisemitischen Äußerungen ins Abseits bugsiert und musste seinen Posten bei einem lokalen Radiosender räumen. Das berichtete Paul Rohde nicht. Hätte ihm einfach nicht in den Kram gepasst.

Vor dem Burgdorfer Amtsgericht strengte ich ein Verfahren gegen diesen CDU-Ratsherrn an, weil ich seine Berichte nach der Wohnungsdurchsuchung für Verleumdung hielt. Der Richter sah das anders, Rohdes Anwalt entschuldigte sich im Gerichtssaal trotzdem für das Verhalten seines Mandanten: „Hier sitzen über ein Dutzend Leute im Publikum, denen und Ihnen sage ich: Was geschehen ist, war nicht in Ordnung.“

Dann bekam ich von diesem Anwalt eine Rechnung, die er sogleich per Gerichtsvollzieher beglichen haben wollte. Doch dieser Gerichtsvollzieher sagte mir: „Ich schicke das zurück. Sie sind inzwischen Hartz-IV-Empfänger und können das sicherlich nicht bezahlen.“ Auf staatliche Unterstützung war ich allerdings lediglich angewiesen, weil mich die Burgdorfer Durchsuchungsgeschichte immer weiter verfolgte und drei Jobs gekostet hatte.

Das Gespräch mit dem Gerichtsvollzieher fand auf der Straße statt, er wollte schnell wieder weg. Als ich ihm erzählte, dass ich mit dem Anwalt von Paul Rohde bereits eine Ratenzahlungsvereinbarung getroffen hatte, staunte er: „Und warum will er dann das ganze Geld auf einmal haben?“ Dafür fand auch ich keine Erklärung.

550 Euro stotterte ich im Laufe von gut zwei Jahren bei diesem Anwalt ab - und nun bekomme ich einen Pfändungs- und Überweisungsbeschluss, mein Bankkonto ist erst einmal gesperrt. Der Antrag stammt vom 5. Oktober 2009, einen Tag später habe ich die nächste Rate an diesen Anwalt überwiesen.

Gläubiger ist laut Pfändungs- und Überweisungsbeschluss Paul Rohde. Der hat doch den Prozess gewonnen! Die Kosten trägt immer der Verlierer. Glaubt jemand allen Ernstes, dass dieser CDU-Ratsherr mir die Verfahrensgebühren erst einmal vorgestreckt hat? Auch die Betreff-Zeile lautet „Rohde gegen Tjaden“. Den Anwalt des CDU-Ratsherrn habe ich inzwischen schriftlich gefragt: „Haben Sie die Forderung, die Sie gegen mich haben, abgetreten?“

Hätte Rohde seinem Anwalt vor Prozesseröffnung einen Vorschuss gezahlt, hätte er diesen doch wohl zurück bekommen müssen, da ich als Verlierer des Verfahrens finanziell für alles gerade stehen muss. Was ist denn das für eine Geschichte, für die dieser Anwalt auch noch seine Unterschrift hergibt?

Eher zum Schmunzeln lädt dagegen die Postübergabeurkunde ein. Dort wird behauptet, in Burgdorf gebe es eine Firma „Rohde, Paul, Straße, Ort“. Diese Firma, sehr geehrte Damen und Herren, gibt es nun wirklich nicht, außerdem liege ich mit meinem Einkommen unter der Pfändungsgrenze.

Schlussfrage: Seit wann treiben Mandanten für Anwälte die Gebühren ein?

P. S. Die ganze Durchsuchungsgeschichte habe ich in der Broschüre "Im Namen des Volkes?" erzählt. Veröffentlicht bei http://stores.lulu.com/hwilmers

21.11.2009:

Über Heinz-Peter Tjaden