Im Hermann-Josef-Haus Bonn geht eine Ära zu Ende

Im Hermann-Josef-Haus geht eine Ära zu Ende

Porträt Schwester Hugonis verlässt das Kinderheim nach 30 Jahren und kehrt ins Ordenshaus nach Dernbach zurück. Ein Abschied mit dankbarer Erinnerung, aber auch ein wenig Bitterkeit

Schwester Hugonis tut das, was sie immer getan hat: Sie schaut nach vorn. „Ich glaube, ich bin kreativ genug, um mir eine neue Aufgabe zu suchen“, sagt die Ordensfrau vom Orden der „Armen Dienstmägde Jesu Christi“ in ihrem Büro im Hermann-Josef-Haus (HJH).
Es sind ihre letzten Tage in dem Erziehungsheim, in dem sie nahezu 30 Jahre lang gewirkt hat, davon fast 25 Jahre als pädagogische Leiterin. Im Jahre 2000 gab sie die Leitung des Hauses ab, war dann stellvertretende Leiterin, zuletzt Bereichsleiterin. Am Montag feiert sie ihren Abschied in einem Gottesdienst mit den Kindern und Jugendlichen in der Kapelle des HJH, am Dienstag kehrt sie dann ins Mutterhaus des Ordens nach Dernbach zurück.

Damit geht im Hermann-Josef-Haus eine Ära zu Ende. „Ich bin hier ein auslaufendes Modell“, sagt Schwester Hugonis, doch hinter dem Scherz klingt auch Verbitterung durch. Zwar habe man ihr angeboten, weiter im Haus zu bleiben und spezielle Aufgaben zu übernehmen, etwas die Betreuung der Hauszeitschrift „Kontakt“.
Doch das widerspricht ihrem Selbstverständnis und trifft sie in ihrer Ehre. „Ich brauche keine Beschäftigungstherapie“, macht sie im Gespräch mit dem GA deutlich.
Den Strukturveränderungen im Hermann-Josef-Haus konnte sie sich auf Dauer nicht widersetzen. Und „mich nur murrend und knurrend einmischen, das möchte ich nicht“.

Die pädagogische Betreuung von Jugendlichen war für die mittlerweile 75 Jahre alte Ordensfrau eine Berufung, kein Beruf, eine 24 Stunden- und 7-Tage-Aufgabe. Schwester Hugonis war Herz und Seele des Hermann-Josef-Hauses. Für die Jugendlichen mit ihren Sorgen und Nöten war sie allzeit ansprechbar, nicht zuletzt deswegen, weil sie im Haus wohnte und mit ihren Schützlingen tagtäglich zusammenlebte. Nur so könne ein Erzieher seine Aufgabe erfüllen, nämlich „jeden Menschen als Ganzes annehmen“.
Derzeit werde viel über „Strukturen, über Qualitätsmanagement“ geredet, doch entscheidend sei der pädagogische Geist, aus dem heraus gehandelt wird: „Ich hoffe, dass dieser Geist dem Haus erhalten bleibt“:

1976 übernahm Schwester Hugonis, die Leitung der Einrichtung und machte aus dem Säuglings- und Kinderheim ein Erziehungsheim für Kinder und Jugendliche aus schwierigen Verhältnissen, die erzieherischen Halt benötigen, um wieder eine Perspektive zu haben. Sie leitete das HJH nach den Grundsätzen der Montessori
Pädagogik. „Hilf mir, es selbst zu tun“; lautet deren Kernaussage. Sie führte das Prinzip der Kleingruppen ein, in denen gestrauchelte Jugendliche wieder erste Schritte in die Selbständigkeit lernen. Bald schon wurde das Haus als Aushängeschild für Kinder- und Jugendarbeit in Bonn gewertet. Bundesweite Aufmerksamkeit erzielte die Ordensfrau mit einem Auftritt in der Talkshow von Alfred Biolek. Und nicht selten lud sie Prominente zu einem Besuch des HJH ein.

1986 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz, 1999 den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland.
Ihr Wirken bedeutete „mehr als ein Lebenswerk“ würdigt denn auch Egon Hillebrand, Geschäftsführer der Caritas-Jugendhilfe, die Tätigkeit von Schwester Hugonis.

Er wisse, dass es „schmerzlich für sie sei, vom HJH Abschied zu nehmen. Doch dürfe sich Pädagogik „nicht an eine einzige Person knüpfen“. Ihre pädagogischen Ideen würden gewiss in den Mitarbeitern des HJH weiterleben.
Gefragt nach den Erfolgen ihrer pädagogischen Arbeit, muss Schwester Hugonis nicht lange überlegen:
„Das sehr viele Jugendliche aus dem Hermann-Josef-Haus heraus ihren Weg gefunden haben“:
Die Kinder und Jugendlichen habe ihr bevorstehender Weggang verunsichert, bedauert sie: „Ihnen gegenüber habe ich ein schlechtes Gewissen.“ Denen, die „schon genug Abbrüche erlebt haben“, müsse sie nun selbst einen schmerzhaften Einschnitt zumuten.
Einer von ihnen ist Gabriel, der zufällig im Büro vorbeischaut. Was er von Schwester Hugonis gelernt hat?
„Das man respektvoll miteinander umgeht.“ Gabriel wird auch künftig auf den guten Rat der „Armen Magd“ Hugonis nicht verzichten müssen. Denn in Dernbach wird sie für ihre Schützlinge ansprechbar bleiben, betont Schwester Hugonis. Das habe ihr die Ordensleitung zugesichert.

Telefon: 0228 / 95134

Drucken Ordensschwester auf Montessoris Spuren Veröffentlichungsdatum: 09.10.2006 Sr. Hugonis Schäfer bereichert das Nachmittagsangebot im Alten- und Pflegeheim St. Josef in Koblenz-Horchheim Seit Januar dieses Jahres wohnt Ordenschwester Hugonis Schäfer im Alten- und Pflegeheim St. Josef in Horchheim. Sehr genau hat sie das bestehende Betreuungsangebot seit dem beobachtet. Nun bringt sie ihre langjährige Erfahrung als Pädagogin mit in das Leben in St. Josef ein: „Älteren Menschen zu sagen: Um drei Uhr wird gebastelt! ist schlecht. Man muss in der Lage sein, auf situative Dinge einzugehen. Der Betreuer muss wie eine Brücke sein" erläutert Sr. Hugonis ihre Motivation. Eigentlich hat sie ihr Leben lang mit Kindern zu tun gehabt. Die Ansätze von Maria Montessori waren ihr dabei Leitfaden und Ratgeber. Nun möchte sie diese Ansätze der berühmten Erziehungswissenschaftlerin in die Arbeit mit alten Menschen integrieren. Seit einigen Wochen bietet die engagierte Ordensschwester nun jeden Nachmittag für die älteren Damen und Herren einen so genannten Kreativen Nachmittag an. Dabei beachtet sie ganz genau Montessoris Vorgaben: „Wichtig ist, dass wir den alten Menschen nicht einfach etwas vorsetzen. Sie bekommen von mir Impulse, müssen aber selber etwas daraus machen" erläutert Sr. Hugonis ihr Konzept. Denn nur wer gefordert wird, kann über sich hinaus wachsen. Und genau darum geht es. In einer anregenden Atmosphäre werden die Fähigkeiten der Menschen herausgefordert. „Ich provoziere die Bewohnerinnen und Bewohner auch schon einmal gerne. Dann kommen sie aus sich heraus" erzählt Sr. Hugonis lächelnd. Sie arbeitet mit Erfolg: Die Gruppen sind sehr gut besucht und auch in der Einzelarbeit kommt sie mit ihrem Arbeitsstil gut an. Sie berichtet:„Manche der älteren Damen und Herren sind ganz erstaunt, was sie noch alles können. Andere lernen gerne etwas Neues hinzu." Dass Montessoris Ansätze auch für alte Menschen geeignet sind, freut Sr. Hugonis am meisten, hat sie doch ihr Leben lang gute Erfahrungen damit gemacht.

09.10.2009:

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