Charlotte Knobloch: Ein Würdiges Andenken für Kurt Eisner in München

Die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland Charlotte Knobloch und der Fraktionsvorsitzender der SPD Landtagsfraktion Franz Maget, Gedenken am Sonntag, 22. 2. 2009 an die Ermordung des ersten Bayerischen Ministerpräsidenten von Bayern, Kurt Eisners, Schriftsteller, Pazifist und Philosoph am Jüdischen Friedhof in München, am Gedenkort von Kurt Eisner und Gutstav Landauer.

Charlotte Knobloch, Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland und Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in München fordert für den ersten Ministerpräsidenten der Republik Bayern "ein würdiges Andenken im Herzen der Stadt München, der auch die Geschichte Bayerns geprägt hat", und drückte dies auch gegenüber Franz Maget den Fraktionsvorsitzenden der SPD in Bayern der aus.

Als bisher einziger, nicht nur, bayerischer Ministerpräsident hielt er im Parlament eine Rede zur Kunst und versuchte den Gegensatz zwischen Politik und Kunst zu überbrücken. In seiner Person vereinte er beides und bemerkte: "Ich bin mir darüber nicht im mindesten im Zweifel, ein deutscher Staatsmann, der im Verdacht steht, ein Gedicht machen zu können, ist hinreichend verdächtig, von Politik keine Ahning zu haben. Aber das ist ein deutsches Reservatrecht, das daraus entstand, daß, ich glaube, seit den Zeiten des seligen Humboldt überhaupt in Deutschland keine Künstlernatur jemals in der Regierung gewesen ist . . . "

Schon am Vortag der Ermordung des Begründers und ersten Ministerpräsidenten des Freistaats Bayern, Kurt Eisner, 21. Februar 2009 brachten der Künstler Wolfram Kastner, Frieder Köllmayr, Mitglieder des Vereins „das andere Bayern“ und einige andere engagierte Münchner Bürger/Innen ein Porträt Eisners in die Bayerische Staatskanzlei.

Sie verbanden damit den Wunsch, dass endlich auch die Bayerische Staatsregierung erkennt, dass die Demokratie in Bayern ihre Wurzeln in der pazifistischen und sozialen Revolution von 1918 hat.

An der Stelle, (Ecke Bayerischer Hof/Prannerstrasse) an der Eisner vor 90 Jahren, am 21. 2. 1919 von einem militaristischen und antisemitischen Burschenschaftler ermordet wurde, legten eine Tochter und Enkel Kurt Eisners sowie Mitglieder des Kulturvereins „das andere Bayern“ und der Kurt-Eisner-Kulturstiftung Kränze nieder.

Weder die Staatsregierung noch der Bürgermeister der Landeshauptstadt München, Christian Ude, sowie Vertreter des Freistaats Bayern waren in der Lage, ein Zeichen des Gedenkens und der Anerkennung der Verdienste Kurt Eisners für die Republik und die Beendigung der militaristischen Monarchie zu setzen.

Frieder Köllmayr, Vorsitzender des Vereins „das andere Bayern“ machte in einer kurzen Ansprache deutlich, dass der Monopolanspruch der CSU auf den Namen „Freistaat“ völlig unberechtigt ist. Da sei offenbar geschichtlicher Nachhilfeunterricht erforderlich! Das andere Bayern hat schon wiederholt mit Kunstaktionen an Kurt Eisner erinnert, so 1986 und 1988.

Kurt Eisner hatte bei den Wahlen vorher eine vernichtende Niederlage erlitten und begab sich aus seinem Amtssitz im Montgelas-Palais auf den Weg zum Landtagsgebäude, damals in der Prannerstrasse, wo heute das Siemens-Museum ist. Gegenüber der Bayerischen HypoBank, lauerte der Attentäter, Graf Arco -Valley. Die Leibwache von Kurt Eisner ging mit zwei Männern voraus, er näherte sich von hinten und erschoss den Ministerpräsidenten.
Die Landesregierung Hoffmann begnadigte den Mörder Graf Arco wegen der genannten Motive, die Todesstrafe wurde umgewandelt in eine als ehrenvoll geltende Festungshaft. 1927 folgte seine endgültige Amnestie.

Die Reaktion hatte Kurt Eisner schon lange als Gegner ausgemacht, nicht zuletzt weil er im 1. Weltkrieg und danach wiederholt die Täter beim Namen nannte, die diesen krieg zu verantworten hatte. Eine Reihe von hämischen Zeitungsartikeln erschien über ihn, gemischt mit Antikommunismus und Antisemitismus.

Novemberrevolution 1919

Die Novemberrevolution war relativ friedlich abgelaufen, nun erfolgte die Radikalisierung in einem zweiten Revolutionsversuch, der im April/Mai 1919 blutig von Weißen Truppen niedergeschlagen wurde: ca. 1000 Tote waren in München zu beklagen, besonders in den Arbeiterviertel wie Giesing kam es zu bürgerkriegsartigen Schlachten. Viele spätere Nazi-Karrieren begannen hier bei den Weißen Truppen.

Man hatte Kurt Eisner und seine Partei USPD vielleicht nicht gewählt, doch dass mit Kurt Eisner eine aufrechte Demokratengestalt ermordet worden war, machte dann doch betroffen: ca. 100.000 Menschen nahmen an seinem Begräbnis auf dem Ostfriedhof teil, alle Kirchenglocken Münchens läuteten. Heinrich Mann hielt die Gedenkrede, und er sagte u. a., dass "die Vernunft mehr Belebung der Geister gebracht haben als die fünfzig Jahre vorher".

Als die Nazis an die macht kamen, nahmen sie noch immer Rache an Kurt Eisner: die Gedenktafel wurde abmontiert, sein Leichnam aus dem Grab im Ostfriedhof exhumiert und im jüdischen Friedhof an der Garchinger Straße beigesetzt, wo er heute noch liegt.

Freistaat Bayern und die CSU

Nach erheblichen Widerständen seitens der CSU, gibt es seit einigen Jahren ein Bodendenkmal der Künstlerin Erika Maria Lankes. Die CSU stimmte diesem Denkmal erst zu, als auf der Platte statt "Freistaat", Volksstaat" zu stehen kam. Das aber hatte Eisner nie gesagt, sondern eben Freistaat, ähnlich auch der Freistaat Sachsen, beide demokratisch und in der Novemberrevolution entstanden.
Aber die CSU erhebt weiterhin den Monopolanspruch auf den Namen "Freistaat" und betreibt damit eine gravierende Geschichtsfälschung, so können aufrechte Demokraten nur hoffen das sich die CSU sich selbst entsorgt.

Nun will auch noch die Landes-SPD am Oberanger ein Denkmal für Kurt Eisner aufstellen, dabei hatte sich schon Kurt Eisner darüber beklagt, dass ihn die SPD im Stich ließ. Der damalige SPD-Politiker Auer schickte auch Grußadressen an Graf Arco ins Gefängnis!

90 Jahre danach machten sich etwa achtzehn Personen auf, um ein Porträt Eisners in die Staatskanzlei zu bringen, damit der heutige und künftige Bayerische
Ministerpräsidenten angeregt werden zu einer Politik sozialer Gerechtigkeit, friedlicher Völkerverständigung und einer offenen und freiheitlichen Kulturförderung im Sinne ihres Vorgängers.

Dabei hinterließ die Gruppe eine Blutspur im Schnee, die an die Ermordung von 1000 politischen Anhängern der Bayrischen Revolution erinnern sollte.

Auf dem Weg zur Staatskanzlei wuchs die Gruppe zeitweise um 21 Polizeibeamte, die sich dem Spaziergang anschlossen: mit fünf Einsatzwagen und zwei Pferden. Sie waren allerdings historisch sehr schlecht informiert (beispielsweise über die Bayerischen Polizisten, die beim Naziputsch von 1923 an der Feldherrnhalle erschossen wurden) - und wenig an der Geschichte sondern ausschließlich am Sammeln von Personendaten interessiert.

Kurt Eisner ist endlich in der Bayerischen Staatskanzlei angekommen!

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