28 Millionen im Jackpot: Hellseher sagt Lottozahlen voraus

Der Weg schlängelt sich auf den Bauerhof zu, ein Labradormischling bellt drei, vier Hühner in die äußerste Ecke eines eingezäunten Quadrats, mir entgegen kommt: Werner Schneider. Das ist also der Hellseher.

„Bin ich nicht“, sagt der 37-Jährige, „man nennt mich hellsichtig. Ich berate viele Unternehmen, sage voraus, wie sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entwickeln, wann sie befördert werden sollten.“ Damit sei er sehr erfolgreich, sagt Werner Schneider und bittet mich ins Haus.

Heute will der 37-Jährige zum ersten Mal die Lottozahlen voraussagen. Der Jackpot von 28 Millionen Euro lässt das Tipp-Fieber steigen. „Am Mittwoch klappt es noch nicht“, sagt Werner Schneider, bietet mir einen Platz an, setzt sich ebenfalls hin und schließt die Augen. „Dazu müsste die 3 gezogen werden“, fügt er hinzu. „Diese Zahl sehe ich nicht.“

Was er dann sieht, schildert er so: Einen Mann, der in einer kleinen Annahmestelle einen Lottoschein ausfüllt. Sechs Kästchen füllt er aus. Neben ihm liegt eine Tageszeitung. Das Datum - nicht Januar, Anfang Februar 2009.

Werner Schneider öffnet die Augen, greift zu Kugelschreiber und Papier. Sechs Zahlen schreibt er auf. Faltet den Zettel. Drückt ihn mir in die Hand. „Erst zu Hause lesen„, sagt der 37-Jährige, steht auf und begleitet mich nach draußen.

Ob ich die Zahlen schon vor Anfang Februar veröffentlichen dürfe, frage ich ihn. „Ich sehe die 3 am Mittwoch noch nicht“, wiederholt Werner Schneider und gibt mir zum Abschied die Hand.

Zu Hause angekommen, beschließe ich: Ich verstecke diese Zahlen irgendwo auf www.2sechs3acht4.de Doch: Werner Schneider hat einen Zettel im Zettel versteckt. Er trägt eine Unterschrift, das Datum: 19. Januar 2009. Darauf steht: Zweimal hintereinander lautet die Superzahl 0.

Ich schaue im Internat nach: Es stimmt.


Über Heinz-Peter Tjaden