Ehemalige Heimkinder und Runder Tisch: Wie eiskalt ist die Bundesfamilienministerin?

Wie eiskalt ist die Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen? Diese Fragen muss die 50-Jährige überhört haben: „Warum hat man mir das angetan? Warum wurde ich 17 Jahre lang eingesperrt?“ Gestellt wurden sie am 4. Dezember 2008 von einem ehemaligen Heimkind während einer öffentlichen Sitzung des Petitionsausschusses des Deutschen Bundestages. Bundestagspräsident Norbert Lammert teilte bei dieser Gelegenheit mit, dass ein Runder Tisch gebildet werde, bei der ehemaligen Bundestagsvizepräsidentin Dr. Antje Vollmer sollten alle Fäden zusammenlaufen. Dazu sagte Lammert: „Das ist eine schwierige Aufgabe.“

Dass sie noch schwerer wird als gedacht, dafür sorgt jetzt die Bundesfamilienministerin. In einem Brief an Berlins Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) soll sie laut „taz“ geschrieben haben: „Die Einrichtung eines nationalen Entschädigungsfonds wird von Bundestag und Bundesregierung nicht angestrebt.“ Vorher verlautete bereits aus dem Ministerium, dass der Deutsche Verein für öffentliche und private Fürsorge die Organisation des Runden Tisches übernehme.

Dagegen protestierte sogleich der Verein ehemalige Heimkinder in einer Presseerklärung vom 9. Januar 2009, denn: „Der
deutsche Verein war in besonderer Weise verstrickt in die pädagogische Theorie und Praxis der Heimerziehung des Nationalsozialismus sowie der Nachkriegszeit in der Bundesrepublik Deutschland. Erst in den 90er Jahren wurde bekannt, dass sein jahrzehntelang hoch in Ehren gehaltener ehemaliger
Vorsitzender, Herr Muthesius, im Dritten Reich als Referent für die zentrale Verwaltung der Jugendkonzentrationslager in Moringen, der Uckermark sowie in Litzmannstadt zuständig war.“

Sie wolle den Betroffenen „mit offenen Ohren“ zuhören, hat Antje Vollmer am 15. Dezember 2008 dem Wilhelmshavener Redakteur Heinz-Peter Tjaden versichert. Der 59-Jährige beschäftigt sich seit über einem Jahr mit dem Schicksal ehemaliger Heimkinder, die in den 1950er-, 1960er- und 1970er-Jahren in Heimen gequält, misshandelt und ausgebeutet worden sind. Weiter schrieb die ehemalige Bundestagsvizepräsidentin an Tjaden: „Die Arbeit des Runden Tisches wird beginnen, sobald alle Institutionen, die daran teilnehmen werden, ihre Vertreter benannt haben. Ich hoffe, dass das recht früh im Jahre 2009 möglich sein wird.“

Darauf warten ehemalige Heimkinder schon seit Jahren. Mit dem Störfeuer aus dem Bundesfamilienministerium wird diese Wartezeit weiter verlängert.

Ein Beitrag für www.kindesunwohl.de


Über Heinz-Peter Tjaden