Vergleich von Kennzahlen der Bilanzanalyse der vier führenden deutschen Automobilhersteller

Deutschland verfügt wie kein anderes Land über ein enormes bilanzpolitisches Gestaltungspotential, so dass völlig verschieden gestaltete Abschlüsse ein und desselben Unternehmens nach dem Gesetz als wahr zu bezeichnen wären.
Die Bilanzen nach gesetzlichen Vorschriften können in Deutschland auch dann als wahr bezeichnet werden, wenn:
1. steuerliche Verzerrungen ein völlig falsches Unternehmensbild zeichnen.
2. aufgrund erheblicher Wahlrechte gleiche Sachverhalte völlig verschieden abgebildet werden können.
3. das Stetigkeitsgebot nicht streng interpretiert und nahezu beliebig unbegründete Bewertungswechsel vorgenommen werden können.
4. Krisensituationen leicht kaschiert werden können und Schieflagen erst dann erkannt werden, wenn das Unternehmen bereits Konkurs anmelden mußte.
5. zahlreiche Möglichkeiten zur Bildung und Auflösung stiller Reserven bestehen.
Die zur Zeit oft propagierte Offenheit (Schlagwort „Shareholder Value“) bleibt somit ein leeres Versprechen, wenn man sich auf die Quantität der Informationen beschränkt und gerade beim Jahresabschluss als wichtigster Komponente der Unternehmensinformation Halt macht.
Dieses enorme bilanzpolitische Gestaltungspotential wird auch in dem von Blüthmann verfassten Artikel zum Thema „Konzerne verstecken gern einen Teil ihrer Gewinne“ deutlich. Hier zeigt er auf, dass die Finanzartisten von Daimler-Benz 1989 sagenhafte 6,8 Milliarden Mark nach Steuern ausweisen konnten. Das ist mehr als VW, Siemens, Veba und BASF, welche die Ränge 2-5 belegten, zusammen auswiesen.
Dabei stammte der riesenhafte Profit nicht aus besonders gut gehenden Geschäften. Diese liefen sogar eher schlechter. Der große Jahresüberschuss ist auf dem Schreibtisch des Finanzvorstandes produziert worden. Es wurden kurzerhand 6,5 Milliarden Mark stiller Reserven offengelegt.
Das zeigt, dass die Jahresabschlüsse vor 1989, zumindest in Höhe der aufgelösten stillen Reserven, irreführend und damit falsch waren. Daimler-Benz hatte Gewinne von mindestens 4,9 Milliarden Mark in überhöhten Pensionsrückstellungen und wenigstens 1,3 Milliarden Mark in zu gering bewerteten Vorräten verschwinden lassen.
Der Vorteil solcher Methoden ist, dass mit Hilfe stiller Reserven manche Ertragstäler elegant geebnet werden können, ohne dass Aktionäre und Öffentlichkeit davon erfahren.
Ziel dieser Ausarbeitung ist es, die viel gelobte Branche der deutschen Automobil-industrie statisch und dynamisch anhand der Jahresabschlüsse 1996 und 1997 von 4 Unternehmen im Hinblick auf die Vermögenslage, Kapitalstruktur, Liquidität, Rentabilität, Cash-Flow usw. zu betrachten und mit Hilfe von Kennzahlen untereinander und mit dem Branchendurchschnitt zu vergleichen.
Ich möchte aufzeigen, wie es um diese Branche in Zeiten steigender Konkurse und auch steigender Insolvenzen bestellt ist. Stützen möchte ich mich dabei auf Kennzahlen und Kennzahlensysteme aus Bilanz, GuV, Cash-Flow und Wertschöpfung, da gerade die Kapitalstruktur und Investitionspolitik als Hauptursachen von Insolvenzen genannt werden.
Als hauptsächliche Insolvenzgründe werden Forderungsausfälle (78,4 %), Zahlungsschwierigkeiten für Kredite (55,2 %) und zu hohe Lohn- und Lohnnebenkosten (44,1 bzw. 48,5 %) genannt. Deshalb erscheint mir eine Untersuchung anhand von Kennzahlen als sinnvoll, da sich diese unter anderem auf diese Insolvenzgründe beziehen.
Eine exakte Darstellung der wahren Unternehmensverhältnisse wird mir als externen Betrachter aufgrund fehlender Einsicht in betriebsinterne Verhältnisse (z.B. in stille Reserven) nicht möglich sein.
Ich möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass ich leider bis kurz vor Abschluss meiner Arbeit nicht die Jahresabschlüsse 1996 und 1997 des Daimler-Benz-Konzerns, als stärksten deutschen Automobilhersteller, bekommen habe.
Vergleich von Kennzahlen der Bilanzanalyse der vier führenden deutschen Automobilhersteller (hier) von Heiko Fritz bei new-ebooks.de in Kooperation mit Diplomica Verlag GmbH.

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