DER RUNDE (KUNSTSTOFF)TISCH

>>> Beim 5. Branchentag von kunststoffland NRW e.V. „Ressourcen – Innovation – Nachhaltigkeit“ am 17. September trafen sich rund 200 Akteure der nordrhein-westfälischen Kunststoffbranche in der Langen Foundation, Raketenstation Hombroich bei Neuss, um gemeinsam die Zukunftschancen ihrer Branche zu erörtern und die Weichen für neue Geschäfte zu stellen.

„In einem so großen Bundesland wie Nordrhein-Westfalen müssen wir uns auf diejenigen wirtschaftlichen Stärken konzentrieren, die wir erfolgreich gemeinsam weiterentwickeln können“, brachte Dr. Jens Baganz vom Ministerium für Wirtschaft, Mittelstand und Energie, beim 5. Branchentag von kunststoffland NRW e.V. am 17. September die Clusterpolitik der Landesregierung auf den Punkt. Und als Wachstumsbranche mit großem Zukunftspotenzial zähle die NRW-Kunststoffwirtschaft entlang ihrer gesamten Wertschöpfungskette nun einmal ohne jeden Zweifel dazu. Dies betonte der Staatssekretär in seiner Begrüßungsrede in den futuristischen Räumlichkeiten der Langen Foundation, Raketenstation Hombroich bei Neuss, unter dem Beifall der mehr als 200 Teilnehmer des von der LANXESS AG gesponserten Branchen-Events ganz ausdrücklich.

Insgesamt 16 Wirtschaftscluster hat das Land NRW im Frühjahr 2007 per Kabinettsbeschluss für förderungswürdig befunden – neben der boomenden Kunststoffbranche gehören auch Vorzeigewirtschaftszweige wie Energie, Automotive oder Biotechnologie zum „Cluster-Kreis“. Um im globalisierten Markt die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts nachhaltig zu stärken und langfristig Arbeitsplätze und Gewinne zu sichern, will die Landesregierung bis 2013 jährlich mehrere Hundert Millionen Euro aus EU-, Landes- und anderen Mitteln in diese viel
versprechenden, auf vorwettbewerblichen Kooperationen basierenden Branchennetzwerke investieren. „Neben unserer gezielten Förderpolitik sehen wir unsere Rolle vor allem darin, die verschiedenen Akteure aus Industrie, Wissenschaft und Politik am Runden Tisch zu vereinen“, so Baganz weiter. Ein beschleunigter, effizienter Wissenstransfer sei hierbei das vorrangigste Ziel. Dem Ende 2006 gegründeten und seither rasch wachsenden Verein kunststoffland NRW als schlagkräftiger Dachmarke der NRW-Kunststoffbranche käme in dieser Hinsicht eine landesweite Pionierrolle zu. Die vor allem auch neues Geschäft generiert.

ÖKONOMISCH UND ÖKOLOGISCH VERANTWORTUNGSVOLLES HANDELN

Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen globalen Finanzkrise ist vorausschauendes, ökonomisch verantwortungsbewusstes Handeln gefragter denn je. Und vorbildlich ökologisches Handeln nicht minder: Durch ihre Ressourcen schonenden und klimafreundlichen neuen Technologien konnte die Kunststoffindustrie zuletzt große Fortschritte erzielen. Allerdings hat diese Botschaft bislang nur in unzureichendem Maße die Öffentlichkeit erreicht – ein Grund mehr für kunststoffland NRW e.V., die Medien verstärkt in den Kommunikationsprozess einzubeziehen. Die breitere Vereinsbasis und das verstärkte Engagement der Mitglieder sollen dies nun möglich machen.

„Wir sind vor nicht ganz zwei Jahren mit einer Handvoll Mitglieder an den Start gegangen,“ sagt Matthias Poschmann, Hauptgesellschafter und Geschäftsführer der Poschmann Holding GmbH & Co KG und neuer Vorstandsvorsitzender von kunststoffland NRW e.V. „Mittlerweile umfasst unser Netzwerk 62 Akteure aus allen Bereichen der Wertschöpfungskette – und ständig kommen neue hinzu.“ Bis Jahresfrist will man an die 100er-Marke herankommen, und Ende 2009 sollen es dann schon 150 Mitglieder sein. Mittelfristig bräuchte man aber bis zu 300 Mitglieder, um ein für alle Beteiligte optimales Leistungspotenzial entfalten zu können. „Aber angesichts unseres rasanten Wachstums kommen wir da binnen zwei, drei Jahren auch hin“, ist sich der Lüdenscheider Unternehmer sicher. Schließlich würden nun immer mehr Vertreter der Wertschöpfungskette „Kunststoff“ erkennen, dass ihnen die aktive Teilnahme am neuen Netzwerk viele Vorteile bringt. Zumal kunststoffland NRW e.V. nicht nur die Kompetenzen aller Wettbewerber nahtlos miteinander verfugt, sondern durch spezifische Weiterbildungsangebote, Arbeitsgruppen und Beratungsleistungen auch die individuelle Aufstellung jedes einzelnen Netzwerkpartners optimiert. Themen wie „Innovation“, „Qualifikation“ und „Finanzierung“ stehen dabei ebenso im Fokus wie die forcierte Einbindung kleiner und mittelständischer Unternehmen in die zukunftgerichteten Aktivitäten der emsigen Informations- und Kommunikationsplattform.

NEUES 7-PUNKTE-PROGRAMM MIT FOKUS AUF DEN MITTELSTAND

Denn neben Global Playern wie der Bayer AG, der Evonik Degussa GmbH oder der LANXESS AG sind insbesondere die kleinen und mittelständischen Unternehmen so etwas wie das Rückgrat der Gesamtbranche. Da ist es fast schon ein „Zeichen der Zeit“, dass mit Poschmann jetzt erstmals ein Mittelständler dem ambitionierten Verein mit Sitz in der Landeshauptstadt Düsseldorf vorsteht. Flankiert wird all dies von einem neuen, dezidierten 7-Punkte-Programm, welches die Handlungsfähigkeit des Branchennetzwerks weiter verbessern soll – und den Mittelstand bewusst in den Mittelpunkt der Aktivitäten rückt. Beziehungsweise diesen verstärkt in die Verantwortung nehmen möchte.

Inwiefern Wettbewerber in clever organisierten Wirtschaftsclustern voneinander profitieren können, hatte zuvor schon Poschmanns Vorredner und Amtsvorgänger Dr. Manfred Spindler am Beispiel der asiatischen Wirtschaftsmetropolen Singapur und Shanghai herausgearbeitet. Hier sei allerhand in Bewegung, und umso wichtiger sei es, mit den Entwicklungen Schritt zu halten. Immerhin sind in NRW derzeit rund 100.000 Menschen in der Kunststoffbranche beschäftigt, und so soll es auch bleiben. Angesichts des derzeitigen Facharbeitermangels sei dies allerdings eine große Herausforderung, wie der Rektor der RWTH Aachen, Prof. Dr.-Ing. Ernst Schmachtenberg, in seinem Impulsvortrag „Die Rolle der Hochschulen im industriellen Innovationsprozess“ bekräftigte.

GEMEINSAM DIE WETTBEWERBSGRENZEN ÜBERWINDEN

Auch zu weiteren drängenden Themen bezog der 5. Branchentag von kunststoffland NRW e.V. eindeutig Stellung: So referierte Thomas Vossen von der EUtech Energie & Management GmbH über „Energie- und Ressourcen-Effizienz in der Kunststoffindustrie“, während Dr. Werner Zittel von der Ludwig-Bölkow-Systemtechnik GmbH das Thema „Ressource Öl – Wie lange fließt das schwarze Gold?“ in den Blickpunkt rückte. Den Abschluss bildete Meinolf Sprink, Kommunikationsleiter Bayer 04 Leverkusen Fußball GmbH, mit seiner
augenzwinkernden Frage „Was kann der Mittelstand von der Fußballbundesliga lernen?“. Nun, eine ganze Menge, wenn es um schnelle Vermarktungslösungen geht. Auch darin bekamen die Teilnehmer einen kenntnisreichen Einblick, bevor sie beim abschießenden Buffet ihre ganz persönlichen Netzwerke weiterspinnen konnten. Für viele Teilnehmer ohnehin der wichtigste Tagesordnungspunkt des diesjährigen Branchentags von kunststoffland NRW e.V.

Auch für Michael Köhler vom weltgrößten privaten Messeveranstalter Reed Exhibitions, der vom 23. bis 25. September die „Composites Europe“ in Essen auf die Beine stellt. „Die Vorträge waren sehr informativ“, so der Project Manager. „Als Networker erhalten wir so jederzeit branchennahe Informationen und bekommen die wichtigsten Themen mit, um dann unsere Angebote entsprechend ausrichten zu können.“ Die eigentliche „Feldforschung“ finde für ihn aber durch persönliche Gespräche am Rande der Veranstaltung statt. Ganz im Sinne der „Polymer-Manager“ von kunststoffland NRW e.V., deren Hauptanliegen es nun einmal ist, die Akteure der NRW-Kunststoffbranche die gesamte Wertschöpfungskette übergreifend miteinander zu vernetzen. Kurzum: Es geht vor allem darum, miteinander ins Gespräch zu kommen, Wettbewerbsgrenzen zu überwinden und gemeinsam Ideen und Visionen zu entwickeln, von denen letztlich jeder einzelne Teilnehmer ebenso profitiert wie der Standort NRW in seiner Gesamtheit. Info: http://www.kunststoffland-nrw.de

Wir informieren Sie gerne:
kunststoffland NRW e. V.
Antje Lienert
Völklinger Straße 4
40219 Düsseldorf
Telefon 0211.6793170
Telefax 0211.6793173
lienert@kunststoffland-nrw.de


Über Andreas Quinkert