Kryptozoologie-Experte Michael Schneider: Nessie kann kein überlebender Saurier sein

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Interview mit Michael Schneider, dem 1. Vorsitzenden des „Vereins für kryptozoologische Forschungen“ (VFK) – www.kryptozoologie.net

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Frage: Herr Schneider, wann und wie haben Sie sich für Kryptozoologie begeistert, jene Wissenschaft, die verborgene Tierarten aufspürt und erforscht?

Antwort: Nun ja, ich selbst kam auf Umwegen zur Kryptozoologie. Meine beruflichen Wurzeln liegen in der Chemie, wo ich im Bereich der Kosmetik- und Pharmaindustrie begann. Für ungewöhnliche Tiere und Zoologie interessierte ich mich eigentlich schon mein ganzes Leben lang. Der ausschlaggebende Hauptgrund lag bei mir dann jedoch in den späten 1980-er Jahren, als ich das Buch „Beast – Schrecken der Tiefe“ von Peter Benchley las. Von diesem Zeitpunkt an befasste ich mich mit dieser Thematik.

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Frage: Seit wann gibt es den „Verein für kryptozoologische Forschungen“?

Antwort: Der Verein selbst wurde im Frühjahr 2005 gegründet, da wir bei einer normalen kryptozoologischen Diskussionsrunde im Februar 2005 von etlichen Teilnehmern auf eine solche Vereinigung angesprochen wurden. Ich war – wie gesagt – schon einige Jahre zuvor recht aktiv im Bereich der Kryptozoologie aktiv.

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Frage: Womit befasst sich der von Ihnen geleitete Verein?

Antwort: Wie der Name des Vereins schon aussagt, befassen wir uns in der Hauptsache mit der Durchführung und der Zusammenfassung von kryptozoologischen Forschungen. Dazu kommt, dass wir versuchen der Öffentlichkeit die Thematik der Kryptozoologie näher zu bringen, da hier ein enormer Bedarf besteht. So wird die Kryptozoologie fast immer nur mit Fabelwesen und Ungeheuern in Verbindung gebracht und teilweise sogar als Pseudo- oder Parawissenschaft abgestempelt. Dabei ist der weitaus wichtigere Teil das Aufspüren von verborgenen Tieren, für welche es diverse Indizien und Hinweise gibt – seien es nun als ausgestorben geltende Tiere, die Aufklärung von Hintergründen hinter mysteriösen Tieren aus Beschreibungen und Legenden, oder einfach die Suche nach völlig unbekannten Arten, welche z. B. bei der Bevölkerung bereits bekannt sind, jedoch noch nicht zoologisch erfasst wurden. Gerade hier versuchen wir mit unserer Aufklärungsarbeit die Öffentlichkeit zu erreichen und einen Blick in diesen Fachbereich der Zoologie zu gewähren.

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Kryptozoologie

Frage: Ein Blick in das Forum www.kryptozoologie.net/forum/ikonboard.cgi zeigt, dass die Kryptozoologie viele Facetten hat. Für was interessieren sich Ihre Mitglieder am meisten: rätselhafte Pflanzen oder Tiere (Kryptide) an Land, im Wasser oder in der Luft?

Antwort: Rätselhafte Pflanzen sind ein artverwandter Themenbereich, welcher Kryptobotanik genannt wird. Diese sind also eher von sekundärem Interesse für die Kryptozoologie und eher aus kryptozoologischer Sicht interessant, haben aber weniger mit dem eigentlichen Forschungsbereich zu tun. Aus dem rein kryptozoologischen Bereich heraus liegt das Hauptinteresse bei extrem mysteriösen Lebewesen, wie etwa dem El Chupacabras. Und wie bereits angedeutet ist das Interesse an den in den Massenmedien oft genannten Kryptiden recht groß. Im Forum zeigt sich aber auch, das viele artverwandte Themenbereiche, wie etwa die Paläozoologie und die Paläoanthropologie einen großen Einfluss auf die kryptozoologischen Hintergründe besitzen.

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Frage: Ist es ein „Betriebsgeheimnis“, wie viele Mitglieder Ihr Verein hat?

Antwort: Nein, es ist kein großes Geheimnis. Aktuell haben wir 63 aktive Mitglieder im Verein, dazu kommen noch die festen Nutzer unserer Online-Plattform und eine Vielzahl an interessierten Personen, welche uns immer wieder interessante Dinge berichten. Aber die feste Mitgliederzahl beträgt momentan 63 Personen.

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Frage: Hat eines Ihrer Vereinsmitglieder schon einen Kryptiden erblickt?

Antwort: Etliche unserer Mitglieder kamen zu uns, gerade weil diese etwas ungewöhnliches gesehen haben, was diese nicht identifizieren konnten. Viele Menschen kommen gerade durch eigene Erlebnisse zur Thematik der Kryptozoologie.

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KryptozoologieVerein

Frage: Findet Ihr Verein ausreichend Gehör bei den Medien?

Antwort: Wir sind durchaus häufiger in Pressetexten erwähnt, geben häufig Interviews für die Massenmedien, wie Presse, Radio und TV-Sendungen, und arbeiten bei einigen TV-Produktionen als Berater mit. Natürlich ist dies nur ein Anfang, quasi ein Wegpunkt auf der Zielsetzungsliste der Vereinsziele. Je mehr öffentliche Medien über unsere Arbeit berichten, desto besser.

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Frage: Wie präsentieren Sie den „VKF“ in der Öffentlichkeit?

Antwort: Neben unserem Online-Portal geben wir unser Magazin „Der Fährtenleser“ heraus, halten mindestens einmal im Jahr eine Informationsveranstaltung ab, bieten interessierten Personen die Teilnahme an Forschungsreisen des Vereins und, was einen regen Zulauf besitzt, haben wir eine Meldestelle, wo Personen ihre ungewöhnlichen Tiersichtungen melden können, welche wir intern auswerten und dokumentieren. Hinzu kommen noch einige zusätzliche Publikationen des Vereins, diverse Beiträge in anderen Magazinen und Medien, und wie bereits erwähnt eine beratende Funktion bei einigen TV-Sendungen.

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Frage: Haben Sie Kontakte mit Kryptozoologen in Deutschland oder anderen Ländern in Europa oder sogar in anderen Erdteilen?

Antwort: Ja, wir stehen in ständigem Kontakt mit weltweiten Kollegen, vor allem jedoch mit Kryptozoologen aus den USA und Großbritannien. Aber die Kontakte reichen auch nach Südamerika, Indien, Russland, Asien und Australien. Zu bestimmten Themen besteht hier ein reger internationaler Kontakt.

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Frage: Hat Ihr Verein noch große Ziele für die Zukunft?

Antwort: Der Verein steht gerade erst am Anfang dessen, was wir letztendlich erreichen und auch fördern wollen. Vor allem wollen wir eine Vielzahl an Mitgliedern gewinnen, um die Thematik der Kryptozoologie zu fördern und natürlich auch ein größeres Forschungsfeld abdecken zu können, als dies mit den momentan doch recht begrenzten Mitteln möglich ist.

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Nessie-Foto

Frage: Glauben Sie persönlich, dass „Nessie“, das bekannteste Seeungeheuer der Welt aus dem schottischen Bergsee Loch Ness, ein überlebender prähistorischer Saurier ist?

Antwort: Nein, nach meiner ganz persönlichen Meinung kann „Nessie“ kein überlebender Saurier sein. Wenn man sich nur ein wenig mit der Geschichte von Nessie befasst, wird man schnell feststellen, dass vor dem Jahr 1933 so gut wie keine Berichte vorliegen. Dieser Medienrummel um das Monster kam erst nach einigen Zeitungsartikeln Anfang der 1930-er Jahre in Schwung, wobei vor allem die damalige Darstellung eines „Seeungeheuers“ aus dem Film „King Kong“ in die Beschreibungen eingeflossen sind. Alle weiteren Sichtungen sind ein typisches Beispiel für einen modernen Medienmythos, wobei viele Zeugen simple Dinge gleich mit dem vorgegebenem Schema in Zusammenhang bringen, da die Beschreibungen allgegenwärtig sind und man so eine gewisse Vorstellung bereits mitbringt.

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Bigfoot

Frage: Ist nach Ihrer Ansicht klar, worum es sich bei den „Affenmenschen“ Bigfoot in Nordamerika und Yeti in Asien handelt?

Antwort: Hier eine pauschale Aussage zu treffen ist so gut wie unmöglich. Alleine die Beschreibungen der einzelnen „Affenmenschen“ weltweit sind dazu viel zu differenziert. So sind die Unterschiede zwischen dem nordamerikanischen Bigfoot oder Sasquatch zum Almasty im Kaukasus, dem Yeren in China, dem Yowie in Australien, dem Yeti im Himalaya, dem Orang Pendek in Asien und etlichen anderen Vertretern auf der ganzen Welt extrem groß. Hinter einigen könnten durchaus noch unbekannte Primaten stehen, eventuell auch Relikthominiden, während hinter anderen Verwechslungen mit Bären und verwilderten Menschen stehen. Von „klar“ kann hier überhaupt keine Rede sein. Bei einigen dieser Vertreter sind die Möglichkeiten einer Existenz natürlich größer, als bei einigen anderen.

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Frage: Halten Sie es für möglich, dass heute noch in verborgenen Winkeln der Erde prähistorische Landsaurier, Meeressaurier oder Flugsaurier existieren?

Antwort: Nein, ich bezweifle dass es heute noch prähistorische Saurier gibt, da alleine die globalen Änderungen in den letzten 65 Millionen Jahren dermaßen immens waren, dass eventuelle überlebende Großformen der Saurier sich mittlerweile weiterentwickelt und angepasst haben müssten. Kleine Saurier haben ja nachweislich das Massensterben vor 65 Millionen Jahren überlebt und sich in moderne Formen wie Vögel weiterentwickelt.

Ich halte es allerdings für möglich, dass sich im Laufe der Evolution einige Arten entwickelt haben, welche prähistorischen Sauriern recht ähnlich sehen. Zwar recht unwahrscheinlich, da man hierfür bislang keine wirklichen Beweise finden konnte, aber im Bereich des Möglichen. Eventuell erklärt dies einige diverse Kryptide.

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Frage: Wo sind die Aussichten größer, besonders spektakuläre Kryptiden zu entdecken: An Land oder im Meer?

Antwort: Außer Frage steht, dass man im Meer noch etliche interessante Entdeckungen machen wird. Besonders spektakuläre Entdeckungen sind dort eventuell möglich. Spektakulärer jedoch werden generell Entdeckungen auf dem Land aufgenommen, sei es nun der Nachweis eines Tieres, welches als ausgestorben gilt – wie etwa dem Beutelwolf, oder die Entdeckung einer neuen Großtierart in abgelegenen Regionen.

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Frage: Wie heißen die bekanntesten Kryptiden aus der Pflanzenwelt?

Antwort: In der Kryptobotanik gibt es einige sehr interessante Gewächse, wie etwa den tödlichen Umdhlebi-Baum, den Mew-The-Baum und eine ganze Reihe von obskuren Pflanzen, welche in diversen Quellen erwähnt werden, die aber nicht botanisch identifiziert werden konnten.

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Frage: Hoffen Sie, dass auch in Deutschland oder zumindest in Europa noch Kryptide entdeckt werden können?

Antwort: Dies ist keine Hoffnung, sondern ein Fakt, auch wenn er von der breiten Öffentlichkeit nicht beachtet wird. So fand man in den vergangenen Jahren gleich mehrere Fischarten, unter anderem sogar im Main und Rhein, welche man dort nicht vermutet hätte, bzw. welche sich sogar als eigenständige Arten herausstellten. Dann kommen noch einige interessante OOP’s (Out of Place-Sichtungen) hinzu, also von Tieren, die eigentlich gar nicht in Deutschland vorkommen dürften, und etliche Tiere, welche hier als ausgestorben gelten.

So erreichen uns wöchentlich einige Meldungen von Sichtungen alleine aus Deutschland, welche wir versuchen zuzuordnen und mit den Zeugen zu reden. Von den typischen deutschen Kryptiden (z. B. Tatzelwurm, diverse Fluss- und Seeungeheuer) ganz zu schweigen.

Und erst vor wenigen Tagen wurde in Österreich eine neue Art von Schmetterling entdeckt, von welchem man bislang nur die Beschreibungen der Raupen kannte. Dies sind kryptozoologische Entdeckungen, die auch direkt vor unserer Haustüre stattfinden – nur sind diese eben nicht spektakulär genug, um in den Massenmedien genannt zu werden.

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Tatzelwurm

Frage: Welcher Kryptide interessiert Sie selbst am meisten und warum?

Antwort: Oh, auf diese Frage eine Antwort zu geben, ist recht schwierig. Natürlich habe ich einige Kryptide, mit denen ich mich extrem intensiv befasst habe, wie etwa dem legendären El Chupacabras, welchem ich sogar nach Mexiko, Honduras und Nicaragua gefolgt bin. Oder den Tatzelwurm, dessen Variationen und lokale Legenden ich für eine spätere Datenauswertung bei Forschungsreisen in die Alpen zusammentrage. Aber einen bestimmten Favoriten habe ich eigentlich nicht und versuche recht objektiv zu bleiben.

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Frage: Welche Bücher, Zeitschriften und Internetseiten über Kryptoozoologie können Sie besonders empfehlen?

Antwort: Auch auf diese Frage kann man keine pauschale Antwort geben. Bei den Zeitschriften und Magazinen im deutschsprachigen Raum kann man eigentlich nur die Fachmagazine „Der Fährtenleser“ und „Der Kryptozoologie-Report“ benennen. International gibt es hier auch eine ganze Reihe weiterer Publikationsreihen.

Auch bei den Webseiten entscheidet der persönliche Geschmack und der Informationsgehalt, weshalb ich mich hier auch nicht sonderlich festlegen möchte.

Auf dem Buchmarkt gibt es eine ganze Reihe von Publikationen, darunter auch einige Standardwerke, wie Colemans „Cryptozoology from A-Z“, die Bücher von Heuvelmanns, Shuker und etlicher weiterer. Auf der Vereinsseite versuchen wir, eine gute Zusammenstellung an Literatur zusammen zu tragen.

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Faehrtenleser

Frage: In Ihrem Forum mit mehr als 3000 Beiträgen wird erwähnt, dass Ihr Verein das Magazin „Fährtenleser“ betreibt. Worüber berichtet dieses und wo kann man dieses erhalten?

Antwort: Das Magazin „Der Fährtenleser“ befasst sich vornehmlich mit der Thematik der Kryptozoologie und artverwandter Themen, so wie man diese auch auf unserem Online-Portal ersehen kann. Das Magazin selbst ist in jedem Buchhandel und auch allen Online-Buchhändlern (z.B. Amazon, Libri, BOD, BOL, usw.) erhältlich.

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Frage: Wer sollte unbedingt Mitglied des „Vereins für kryptozoologische Forschungen“ werden?

Antwort: Mitglied sollte jeder werden, welcher sich intensiver mit der Kryptozoologie befassen möchte. Wir weisen jedoch ausdrücklich darauf hin, dass alle Leistungen unseres Online-Portals völlig kostenfrei auch unverbindlich genutzt werden können. Vereinsmitglieder erhalten zudem das Magazin kostenfrei zugestellt und können ohne Teilnahmegebühren an unseren Veranstaltungen teilnehmen, bzw. erhalten bei unseren offenen Forschungsreisen besondere Vergünstigungen, welche durch den Verein getragen werden.

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Die Fragen für das Interview stellte der Wiesbadener Wissenschaftsautor Ernst Probst, Autor eines inzwischen vergriffenen Buches über „Nessie“ sowie Betreiber der Weblogs http://nessie-zeitung.blogspot.com und http://dinosaurier-news.blog.de

29.11.2007: |

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