Pavel Vitalis: Kopfchristentum – Rücktrittsbotschaft des Papstes und Leibdefizit in der Theologie

„Um […] das Schifflein Petri zu steuern und das Evangelium zu verkünden, ist sowohl die Kraft des Körpers, als auch die Kraft des Geistes notwendig,[…]“.

In dieser Rücktrittsbotschaft von Papst Benedikt XVI. wurde eine tiefe Wahrheit ausgesprochen, die in der Theologie durch eine einseitige intellektuelle Entwicklung (Kopfchristentum) schon lange ausgespart wurde.

Da auch der menschliche Körper zur Schöpfung Gottes gehört, sind seine Kräfte, die wir als Leibkräfte bezeichnen, zu pflegen und zu berücksichtigen. Auf einen kurzen Nenner gebracht: Leibsein oder nur im „Kopfraum“ hausen?

Die intellektualistische Entwicklung in der Theologie hat den Leib des Menschen an die naturwissenschaftliche Forschung abgetreten, mit der Konsequenz seiner einseitigen materialistischen Betrachtung. Was blieb, ist die moralisierende Macht der Vorstellungen. Was verloren ging, ist die Empfindungsfähigkeit des Individuums, die ohne den Zugang zu den Leibeskräften nicht möglich ist.

Diese Empfindungsfähigkeit ist aber die Grundlage des Glaubens als Medium. Damit wird der Glaube individualisiert und der Ethik überverantwortet. Das Kopfchristentum kann nur eine Inventur der kollektiven Moralvorstellungen produzieren, der Glaube kann schnell zu einem „Kopfglaube“ und damit zu einer Ideologie werden.

Die Rücktrittsbegründung von Benedikt XVI. könnte einen Blick auf eine neue Perspektive in der Theologie eröffnen.

Zum Thema der Intellektualisierung des Christentums siehe auch von Pal Dragos: „Vom Urchristentum zur Krise des Subjekts“, Norderstedt, 2008.
Kostenfreie Leseproben: www.pal-dragos.de
Weitere Infos: www.wachstumstrend.de


14.03.2013:

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