Pavel Vitalis: Der Gottesbegriff im deutschen Grundgesetz – leibsoziologische Differenzen der Religionen

In der Präambel des deutschen Grundgesetzes wurde die neue Verfassungsordnung explizit „in Verantwortung vor Gott“ konzipiert. (Vgl. Buchveröffentlichung „Konservativ“ von Roland Koch.) Welchen Gott man hier meinte, wurde nicht definiert. R. Koch zitiert in diesem Zusammenhang den Bundesverfassungsrichter Udo di Fabio, der in dem Gottesbegriff die „ Möglichkeit von Transzendenz“ sieht. Mit der Transzendenz meint man eine geistige Dimension jenseits der materialistischen Welt.

Diese Transzendenz wird in den verschiedenen Religionen unterschiedlich ausformuliert und für das menschliche Verhalten als verbindlich angesehen. Es geht nicht nur um die unterschiedlichen Wertvorstellungen zwischen den Religionen sondern auch darum, wie diese den Beteiligten in einem Sozialisationsprozess vermittelt werden. Die leibliche Aneignung der religiösen Selbstverständlichkeiten zu studieren, wäre die Aufgabe der leibsoziologischen Forschung. Dabei ist es besonders wichtig, die Positionierung des Subjektes in der Leibgestaltung zu berücksichtigen, welche in der jüdisch-christlichen Tradition eine ganz andere Grundlage hat, als in anderen Religionen.

Der „ Kampf der Kulturen“ ist auch ein gewaltiger Kampf der Leiber, der nicht selten auf der Straße ausgetragen wird. Wir müssen davon ausgehen, dass die globale Politik mit ihrer Verhärtungstendenz besonders im Nahen Osten noch mehr als heute eskalieren wird. Daher muss die deutsche Politik dafür Sorge tragen, dass diese Eskalation nicht auch noch auf deutschem Boden ausgetragen wird. „Multikulti-Debattierklubs“ erreichen nicht annährend die Tiefendimension der Leiblichkeit religiös motivierter Konflikte. Eine „ lange Nacht der Religionen“, wie sie vor kurzem in Berlin praktiziert wurde, ist eher eine oberflächliche und damit verfehlte Problemlösung. Wir brauchen nicht eine „lange Nacht“ sondern ein „langen Tag“ mit Aufklärung über die leibliche Dimension religiöser Einflüsse.

Der Autor Pavel Vitalis schrieb seine Kritik über die kopfmäßige, postmoderne Interpretation der Religionen unter dem Titel: „Peter Sloterdijks religiöse Verstellungen aus der Sicht des Urchristentums“, Norderstedt, 2008.
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25.09.2012:

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