Aufmarsch globaler Macht- und Geldelite
Verfasst von DSZ-Verlag am Do, 2010-07-08 12:10.Die Bilderberg-Konferenz im katalanischen Sitges
Anfang Juni befand sich die 36 Kilometer südwestlich von Barcelona an der spanischen Mittelmeerküste gelegene Kleinstadt Sitges im Ausnahmezustand. Der Ort wurde von Polizei, Geheimdiensten und privaten Sicherheitsdiensten förmlich abgeriegelt. Zahlreiche Prominente aus Politik, Wirtschaft, Medien und Finanzwelt reisten an, fuhren in Limousinen mit getönten Fensterscheiben vor, wollten nicht gesehen oder gar gefilmt werden. Etablierte Medien verloren, bis auf wenige Ausnahmen, über das gespenstisch anmutende Treffen kein Wort.
Wieder einmal tagte die Bilderberg-Konferenz, die alljährliche Versammlung der globalen Drahtzieher, die älter ist als die G8-Gipfel und sogar die Europäische Union. Und wie mittlerweile üblich, traf man sich in einem schönen Urlaubsort am Meer, wählte ein modernes Luxushotel, das sich bestens abschotten lässt, und zog sich dort für einige Tage in die absolute Verschwiegenheit zurück.
Die Bezeichnung Bilderberger leitet sich vom Tagungsort des ersten Treffens ab, das 1954 im Nobelhotel „Bilderberg” in Oosterbeek in den Niederlanden stattfand. Diese erste Konferenz wurde von Prinz Bernhard der Niederlande einberufen, der 22 Jahre lang den Bilderberg-Vorsitz innehatte. Weitere Vorsitzende waren unter anderem Walter Scheel, früherer Bundespräsident, und Peter Carrington, ehemaliger NATO-Generalsekretär. Derzeit amtiert der Belgier Etienne Davignon, Mitglied der Trilateralen Kommission, als Vorsitzender der einflussreichen Gruppe.
KARRIERESPRUNGBRETT BILDERBERGER
Für viele bekannte Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens erwies sich die Teilnahme an den Konferenzen als Karrieresprungbrett. Darauf weist auch der bekannte Enthüllungsjournalist Gerhard Wisnewski in seinem jüngst erschienenen Werk „Drahtzieher der Macht“ hin. So nahm Helmut Schmidt (SPD) im Jahr 1973 erstmals am Bilderberger-Tisch Platz, ein Jahr später war er Bundeskanzler. Ähnlich verhielt es sich mit Helmut Kohl (CDU), der 1982 bei den Bilderbergern war und kurz darauf den Amtsinhaber Schmidt durch ein konstruktives Misstrauensvotum stürzte. Beteiligt war damals auch Otto Graf Lambsdorff (FDP), der mit Kohl zusammen die Konferenz besuchte. Volker Rühe (CDU) nahm 1992 teil und wurde noch im selben Jahr zum Verteidigungsminister ernannt. Bill Clinton war 1991 dabei und ging als Sieger aus der darauf folgenden US-Präsidentenwahl im Jahr 1993 hervor, und Tony Blair stieg kurz nach seinem Bilderberger-Besuch 1993 zum Parteivorsitzenden der Labour- Party auf. Jürgen Schrempp wurde 1994 ein Jahr nach seiner Konferenzteilnahme Daimler-Chef, Josef Ackermann ein Jahr nach seiner ersten Teilnahme 1995 Deutsche-Bank- Vorstand.
RANG UND NAMEN
Auch die Liste der Teilnehmer des diesjährigen Treffens liest sich wie das „Who is Who“ der europäischen und globalen Geld- und Machtelite. Unter anderem nahmen teil:
Marcus Agius (Barclays Bank), Carl Bildt (Außenminister Schwedens), Königin Beatrix der Niederlande, Oscar Bronner (Großverleger und Standard-Herausgeber), Gustavo A. Cisneros (Medienzar und Besitzer mehrerer TV-Sender in Lateinamerika und den USA), George A. David (Coca Cola), Heinz Fischer (Bundespräsident Österreichs), Bill Gates (Microsoft), Philip Gordon (US-Chefdiplomat für Europa und Asien), Donald E. Graham (Washington Post), Richard Holbrooke (US-Sonderbeauftragter für Afghanistan und Pakistan), Jyrki Katainen (Finanzminister Finnlands), Henry Kissinger (ehem. US-Außenminister), George Papaconstantinou (Finanzminister Griechenlands), Richard Perle (American Enterprise Institute), Poul Nyrup Rasmussen (Vorsitzender der Sozialdemokratischen Partei Europas), Robert E. Rubin (Council on Foreign Relations), Rudolf Scholten (Österreichische Kontrollbank), Javier Solana (Repräsentant der EU für Außen- und Sicherheitspolitik), Peter Sutherland (Goldman Sachs), Fernando Teixeira dos Santos (Finanzminister Portugals), Peter Voser (Royal Dutch Shell), Jacob Wallenberg (Investor AB), James David Wolfensohn (ehem. Weltbank- Chef), Robert B. Zoellick (Weltbank) sowie die EU-Kommissare Joaquín Almunia, Karel de Gucht und Neelie Kroes. Aus Deutschland waren unter anderem Josef Ackermann (Deutsche Bank), Thomas Enders (Airbus), Peter Löscher (Siemens), Dieter Zetsche (Daimler), Klaus Kleinfeld (Alcoa; Ex-Siemens-Vorstand), Matthias Nass (Die Zeit) und SPD-Vize Olaf Scholz dabei. Einer fehlte diesmal, wohl aus gesundheitlichen Gründen, David Rockefeller, der als graue Eminenz den Treffen sonst stets einen Besuch abstattete.
Auf der Agenda der diesjährigen Zusammenkunft von Sitges standen unter anderem die Themen „Finanzielle Reform“, „Sicherheit“, „Cyber-Technologie“, „Energie“, „Pakistan“, „Afghanistan“, das „Weltnahrungsproblem“, „soziale Netzwerke“ und – erstaunlich genug – die „globale Abkühlung“. Erstaunlich deshalb, weil vor noch nicht allzu langer Zeit das genaue Gegenteil, nämlich die „globale Erwärmung“, die Gemüter der Bilderberger erhitzte, was sich dann weltweit in entsprechenden Kampagnen niederschlug. Nachdem dieses Phänomen mittlerweile immer stärker in Zweifel gezogen wurde, vollzog die Bilderberg-Gruppe nun eine Wende um 180 Grad.
WIRTSCHAFTSDRAHTZIEHER
Was die Großen und Mächtigen dieser Welt mit dem Schlagwort der „finanziellen Reform“ ins Visier genommen hatten, verdeutlichte die Teilnahme des griechischen und des portugiesischen Finanzministers. So zählten nämlich die Euro-Krise und die Milliardenkredite für Griechenland und möglicherweise andere Mittelmeerländer zu den ganz großen Themen des Wochenendes in Sitges. Als überzeugte Globalstrategen kamen die Bilderberger dabei natürlich nicht zu dem vernünftigsten Entschluss, nämlich der Rückkehr zu nationalen Währungen und der Abkehr von der zerstörerischen Freihandelsdoktrin.
Auch Daniel Estulin, Autor des Standardwerkes „Die wahre Geschichte der Bilderberger“, ist daher davon überzeugt, dass es den Bilderbergern vor allem um wirtschaftliche Macht geht. Die Teilnehmer vertreten eine „Ideologie des Geldes“, so Estulin kürzlich gegenüber der britischen „Times“. Die Theorie einer „Weltregierung“ sei hingegen illusorisch und vor dem Hintergrund des schleichenden Niedergangs der USA und dem Erstarken von Staaten wie China gar nicht mehr realisierbar. Hauptfrage in diesem Jahr sei gewesen, ob der Euro überleben werde. Die Bilderberger haben, laut Estulin, Angst, dass die angeschlagenen Staaten aussteigen und der Euro auseinanderfällt. „Ihr größter Alptraum ist die Rückkehr der EU-Mitglieder zu einer national orientierten Politik“, so der in Spanien lebende Publizist.
UNEINIGKEIT BEI DER IRAN-FRAGE
Der Bilderberger-Experte Jim Tucker, der stets über erstaunlich gute Insider-Informationen verfügt, ist dennoch davon überzeugt, dass es auch um wichtige weltpolitische Fragen geht, die von wirtschaftlichen zumeist gar nicht zu trennen seien. So sei neben der Afghanistan-Problematik auch die Frage eines möglichen Militärschlags gegen den Iran erörtert worden. Gerade hierbei wurde allerdings deutlich, dass unter den Bilderbergern keineswegs immer Einigkeit herrscht. Tucker schreibt in seinem Bericht für „American Free Press“ dazu:
„Es gibt eine Spaltung innerhalb der Bilderberg-Gruppe. Die meisten Amerikaner wollen Krieg, aber einige Europäer sprechen sich gegen Luftschläge aus. Viele behaupten, der Iran würde keine Atomwaffen produzieren, während sie darauf hinweisen, dass Israel seit 1962 über Atomwaffen verfügt. Dies wurde durch die verstorbene Bilderberg-Lichtgestalt George Ball enthüllt, die Nummer 2 des US-Außenministeriums unter Präsident John F. Kennedy und Lyndon Johnson.“
Die Diskussion um einen möglichen Militärschlag gegen den Iran war allerdings nicht der einzige beunruhigende Tagesordnungspunkt des Treffens in Sitges. So soll nach Angaben Estulins der Microsoft-Gründer Bill Gates, der sich gerne damit schmückt, Milliarden aus seinem enormen Privatvermögen für Gesundheitsprojekte in Afrika und Asien bereitzustellen, dem erlauchten Kreis ein streng geheimes Eugenik-Programm vorgestellt haben, das die Bevölkerungskontrolle mittels Impfen und Sterilisierung durch Ultraschall vorsieht. Gates finanziert seit geraumer Zeit die Entwicklung und Bereitstellung von Impfstoffen für Entwicklungsländer. Für seine „Generosität und Philanthropie“ wurde Bill Gates zusammen mit seiner Frau 2006 der Prinz-von-Asturien-Preis für Internationale Zusammenarbeit verliehen. Unter anderem zählt auch US-Großinvestor Warren Buffett zu den Gönnern der Stiftung des Ehepaar Gates.
SCHEIN-TRANSPARENZ UND IRREFÜHRUNG
Es ist unfassbar, wie die Öffentlichkeit auf der neuen Bilderberg-Infoseite, die Transparenz vorgaukeln soll und wohl als Reaktion auf die zunehmende Kritik an den Geheimtreffen ins Netz gestellt wurde, in die Irre geführt wird. Ein beredtes Beispiel hierfür ist der Hinweis, dass die einzige Aktivität der Gruppe angeblich nur in jener jährlichen Konferenz bestehe, die keinerlei Resolutionsvorschläge oder politische Aussagen und Entscheidungen fasse. Tatsächlich bestätigt die Geschichte jedoch die zahlreichen politischen Entscheidungen auf „Bilderberg-Basis“ – und zudem finden zwischen den großen Konferenzen wiederholte Treffen der federführenden Kerngruppe statt, jenes personell sehr konstanten Steuerkomitees, zu dem beispielsweise auch Herman van Rompuy kurz vor seiner Wahl zum ersten ständigen Präsidenten des Europäischen Rates zitiert wurde.
Trotzdem heißt es seitens der Verantwortlichen immer wieder, die Treffen seien „privat, um eine offene und freie Diskussion zu ermöglichen“. Interessant! Diskussionen müssen also abgeschottet von der Öffentlichkeit stattfinden, damit sie „frei und offen“ sein können. Bereits 1974 schrieb Gordon Tether, Kolumnist der „Financial Times“, dazu passend: „Wenn die Bilderberg-Gruppe keine Verschwörung irgendeiner Art ist, dann ist ihr Verhalten jedenfalls so, dass es den erstaunlich stichhaltigen Eindruck einer Verschwörung ergibt.“ Tether wurde von der „Financial Times“, deren Chefredakteure und Herausgeber seit langer Zeit zu den geladenen Gästen der Bilderberg-Treffen zählen, wenig später gefeuert.
Wie weit der Einfluss der Bilderberger wirklich reicht und wie viel Macht hinter den Hohepriestern des Globalismus steckt, kann nicht abschließend beurteilt werden. Problematisch ist allerdings schon die Geheimniskrämerei an sich, also die unbestreitbare Tatsache von geheimen, angeblich „privaten“ Besprechungen einer durch niemanden legitimierten Macht- und Geldelite. Richtig erkannt hat dies auch Hans-Jürgen Krysmanski, emeritierter Professor für Soziologie an der Universität Münster, der nicht glaubt, dass sich Vertreter europäischer Königshäuser, des internationalen Geldadels und der hohen Politik rein privat treffen können. „Abgesehen mal von familiären Bezügen, aber alles, was mit politisch relevanten Inhalten und Diskussionen und Entscheidungen zu tun hat, ob das in vertraulichen Beratungen erfolgt oder im Parlament selber, kann niemals privat sein, beziehungsweise ist immer irgendwie öffentlich“, so Krysmanski. Freiheit und Demokratie werden in der Tat letztlich zur reinen Staffage, wenn einflussreiche Kreise womöglich Pläne im Geheimen hegen, von denen die Bevölkerung keinen blassen Schimmer hat.
Thorsten Thomsen
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