Erst Mor Gabriel, dann Malatya - Gleich zwei bedeutende Prozesse für die Christen in der Türkei!
Verfasst von marianne brückl am So, 2010-02-14 08:33.Von Marianne Brückl
Die kommende Woche steht im Zeichen zweier entscheidender Prozesse für die türkische Auslegung von Gerechtigkeit gegenüber der christlichen Bevölkerung. Am 17. Februar ist der Strafprozess gegen den Stiftungsvorsitzenden des syrisch-orthodoxen Klosters Mor Gabriel in Midyat (Südost-Türkei) anberaumt, und am 19. Februar soll gegen die Mörder der drei christlichen Mitarbeiter des Zirve-Bibel-Verlages in Malatya (Zentralanatolien) verhandelt werden. Nun wird sich zeigen, ob es seitens der türkischen Justiz tatsächlich einen ernstgemeinten Schritt zur Annäherung an das christliche Europa gibt.
Wer die Schauprozesse um das Kloster Mor Gabriel verfolgt hat, der weiß um die Urteilsfähigkeit der türkischen Gerichte: Christen werden nach wie vor unter fadenscheinigsten Verzögerungstaktiken oder Urteilsfindungen in Verhandlungen benachteiligt, je nachdem, wie der Wind weht. Gibt es Wahlen, so wird milde geurteilt, um sich den Westen gewogen zu machen, sind die Wahlen vorbei, dann dreht sich das türkische Fähnchen. So zumindest zeigten es die bisherigen Entscheidungen vom 22. Mai und 24. Juni 2009 durch das örtlich zuständige Gericht in Midyat, also kurz vor und nach den EU-Wahlen. Zuerst wurde ein positives Urteil gefällt, im nächsten Prozess aber gegen das Kloster entschieden. Ein großer Teil des Grundbesitzes von Mor Gabriel wurde als Forst deklariert und dem Staat zugesprochen. Dagegen legte das Kloster Widerspruch ein.
In einer Anhörung vor dem Obersten Gerichtshof in Ankara am 10. November 2009 konnte kein Urteil gefällt werden, da angeblich Unterlagen vom örtlich zuständigen Midyater Gericht nicht vorlagen. Als Konsequenz wegen fehlender Entscheidung aus Ankara konnte dann auch der für den 02. Dezember 2009 festgesetzte Strafprozess gegen den Vorsitzenden der Klosterstiftung, Kuryakos Ergün, wegen der widerrechtlich erbauten Klostermauer nicht stattfinden und wurde auf den 17. Februar 2010 vertagt.
Am 19. Februar wird zudem im Fall der grausamen Foltermorde in Malatya vom April 2007 verhandelt. Damals waren drei Mitarbeiter des Zirve-Bibel-Verlages auf brutalste Weise abgeschlachtet worden. Sowohl der deutsche Missionar Tilman Geske als auch die beiden türkischen Konvertiten Necati Aydin und Ugur Yuksel wurden in den eigenen Büroräumen überfallen und regelrecht ausgeweidet, bevor man ihnen dann die Kehlen durchschnitt.
Unter Mordverdacht stehen fünf Studenten im Alter zwischen 19 und 20 Jahren. Ihr Motiv: sie hätten für “ihre Heimat” gehandelt. Später folgten weitere sechs Verhaftungen, darunter Emre Günaydin, der Führer der Ülkü Ocaklari, der Jugendorganisation der Grauen Wölfe. Die Mörder sollen “mit staatlichen Einrichtungen in Verbindung” stehen, die Missionare als Feinde im Innern bezeichnen und ihnen Agententätigkeit unterstellt, die von anderen Staaten für eine Spaltung der Türkei bezahlt wird.
Dass diese grausamen Foltermorde im "Namen der Gerechtigkeit" für die Opfer verhandelt werden und die Mörder ihrer gerechten Strafe zugeführt werden, bleibt eine vage Hoffnung der Hinterbliebenen.
Es wird sich nun also zeigen, ob die türkische Justiz gewillt ist, sich einmal einer gerechten Urteilsfindung zuzuwenden, die nach westlichem Rechtsverständnis und anhand der Fakten keinesfalls eine christenfeindliche Entscheidung zulässt.
Der Ausgang dieser Prozesse ist also Weg weisend für die tatsächliche Gesinnung der Türkei.
Über marianne brückl
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Freie Journalistin, Schriftstellerin

















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