Staatsanwalt ermittelt: Ex-Zeuge Jehova oder Anwalt der Zeugen Jehovas - Wer hat vor Gericht gelogen?

Manche Fälle schwimmen nicht so schnell weg - jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen einen Münchner, der von sich behauptet hat, er sei bei den Zeugen Jehovas Ältester gewesen.

Die Geschichte beginnt am 13. August 2007 mit einem Interview. Meine Gesprächspartnerin war eine Großmutter aus Leverkusen, die ihre Enkel nicht sehen darf, weil sie den Zeugen Jehovas kritisch gegenüber steht. Ein Zitat aus diesem Artikel nahm diese Glaubensgemeinschaft zum Anlass für eine Klage vor dem Hamburger Landgericht. Dabei ging es um das Verhalten gegenüber Ausgeschlossenen. Die erste Hälfte des Zitats fand zwar ebenfalls das Missfallen des Anwaltes der Zeugen Jehovas, doch geklagt wurde lediglich gegen die zweite Hälfte, bei der es um Ehepartner ging, die religiös getrennte Wege gehen.

Die Klage war kaum publik geworden, als sich eine Hamburgerin als Zeugin zur Verfügung stellte. Nach dem ersten frühen Termin vor dem Hamburger Landgericht nahm sie Kontakt auf mit jenem Münchner, der angeblich Ältester bei den Zeugen Jehovas war. Das bestritt sogleich der Anwalt der Zeugen Jehovas. Armin Pikl versicherte, der Münchner habe bei den Zeugen Jehovas nie ein „geistliches Amt“ bekleidet.

Im September 2008 untersagte mir das Hamburger Landgericht die Wiederholung der zweiten Hälfte des Zitates, die Akte wurde geschlossen, weil ich auf eine Berufung verzichtete.

Doch ein gutes halbes Jahr später gab es für mich ein Wiedersehen mit dem Münchner, dieses Mal vor dem Amtsgericht in der bayerischen Landeshauptstadt. Er hatte mich verklagt. Diese Klage untermauerte er mit einer Eidesstattlichen Versicherung vom 3. April 2009. Darin stellte er erneut die Behauptung auf: „Ich war auch Ältester (leitendes Mitglied) der Zeugen Jehovas.“

Blieben zwei Möglichkeiten: Entweder hatte der Anwalt der Zeugen Jehovas das Hamburger Landgericht belogen oder der Münchner das Landgericht in Hamburg und das Amtsgericht in München. Also stellte ich bei der Staatsanwaltschaft in München Strafantrag wegen falscher Versicherung an Eides Statt.

Seither sind über neun Monate vergangen, doch jetzt werden Zeugen vernommen. Ich bin am 18. Januar dran. Ob auch der Münchner und Anwalt Armin Pikl Vorladungen bekommen haben, entzieht sich noch meiner Kenntnis. Ich werde es demnächst wohl erfahren.

Manche Fälle schwimmen eben nicht so schnell weg. Manche kommen immer wieder nach oben. Bis zum Beweis des Gegenteils gehe ich erst einmal davon aus, dass der Anwalt der Zeugen Jehovas sich unterstehen würde, das Landgericht in Hamburg auf plumpe Art und Weise zu belügen.

Ein Beitrag für http://zeugenjehovas.blogspot.com



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