Gebt-Acht-Gipfel
Verfasst von DSZ-Verlag am Fr, 2009-07-17 19:01.G-8-Gipfel in L’Aquila in den Abruzzen. Drängende Zukunftsfragen standen auf der Tagesordnung: nukleare Abrüstung, Energieknappheit, Wasser, Klimaveränderung, Nahrungsmittelsicherheit ... Doch Bundeskanzlerin Merkel verstand es, weit mehr als ein halbes Jahrhundert zurückliegende Vorgänge auf die Titelseiten der internationalen Presse zu hieven. Sie verkündete im in der Nähe von L’Aquila gelegenen Dorf Onna, das im April von einem Erdbeben zerstört wurde: Dass sich Deutschland hier engagiere, habe einen historischen Hintergrund. „Die Wehrmacht“ habe in dem Ort am 11. Juni 1944 17 Zivilisten erschossen. „Hier können wir jetzt doch endlich etwas aufbauen, wo wir früher etwas zerstört haben.“ Sie, Merkel, sei sehr dankbar dafür, nachdem Deutschland „solchen Schaden, solche Schrecknisse“ angerichtet habe.
Hilfe für Onna ist gut und richtig. Die Begründung dafür aber ist verquast bis irrsinnig. Man hilft Erdbebenopfern, weil sie in Not sind. Nicht wegen Geschehnissen während der Rückzugskämpfe im Juni 1944, über die – was Onna angeht – ziemlich widersprüchliche Überlieferungen existieren, die einer Überprüfung harren.
Dass Merkels Verhalten nicht normal ist, bewiesen Barack Obama, Gordon Brown und Nicolas Sarkozy:
Obama sah keinen Anlass, auf die amerikanische Bombardierung des Tagungsortes L’Aquila am 8. Dezember 1943 einzugehen, die Hunderte Todesopfer verursachte. Bei dem Angriff auf die Abruzzenstadt starben auch 19 Mitarbeiter der italienischen Notenbank „Banca d'Italia“, unter ihnen 16 Frauen.
Obama und Brown setzten sich auch nicht mit der Zerstörung des 100 Kilometer weiter südlich gelegenen Klosters Montecassino auseinander. Mindestens 250 Mönche und schutzsuchende Flüchtlinge wurden Opfer dieses US-Bombardements. „Die Wehrmacht” hatte die im Jahre 529 vom heiligen Benedikt gegründete Abtei nicht in die Verteidigung einbezogen und dies den Alliierten auch mitgeteilt. Mehr noch: Deutsche Fallschirmjäger brachten gemeinsam mit den Mönchen von Montecassino einzigartige Kunstschätze rechtzeitig in Sicherheit. Der britische General Bernard Freyberg war es, der als Kommandeur des neuseeländischen Kontingents in Montecassino die Zerstörung des Klosters verlangt hatte. (Anschließend, von 1946 bis 1952, war Freyberg britischer Generalgouverneur Neuseelands.)
Und Sarkozy ging natürlich mit keiner Silbe auf die im Mai 1944 in der Region durch Angehörige des französischen Expeditionskorps verübten Massenvergewaltigungen ein. Wenige Kilometer von L’Aquila entfernt, in der Ciociaria, wüteten diese Soldaten des Generals Alphonse Juin nach dem Durchbrechen der deutschen Gustav-Linie gegen die italienische Bevölkerung. Es wurde gemordet, geplündert und Tausende, wenn nicht Zehntausende Frauen, Kinder und auch Männer wurden vergewaltigt. Viele starben an den Folgen der sexuellen Verbrechen, die Alberto Moravia in seinem 1957 veröffentlichten Roman „La Ciociara“ aufgriff.
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