Märklin-Kaufinteressent: "Da bleibt doch nur Kader oder die Zerschlagung!" .
Verfasst von Der Aufklärer am Di, 2009-03-24 21:06.GÖPPINGEN "Ich bin ein Freund von Pleiten, denn ich lebe davon" wurde Michael Pluta zuletzt in einem Artikel des Handelsblatts zitiert. Davon ist auch die Internationale Eisenbahn-Presse-Vereinigung FERPRESS überzeugt, zumal inzwischen nicht mehr nur 30 oder 40, dann 80 Millionen von Kaufinteressenten "dargestellt" werden müssen, sondern nunmehr schlappe 100 Millionen Euro, wenn man ernst genommen werden will. Und dies, wenn alles klappt, bei lediglich 2,5 Millionen vom Insolvenzverwalter erhofftem Ertrag 2010.
Da werden die "ernsthaften Interessenten" aber Schlange stehen, zumal, wenn sie noch "Vertraulichkeit" zusichern müssen. Frage: Damit nicht bekannt wird, daß überhaupt nicht oder nur mit einem Interessenten verhandelt wird? Kein Wunder, daß immerhin gleich vier der FERPRESS bekannten wirklich ernsthaften Kaufinteressenten über nachfolgendes Schreiben informierten. Alle vier gehen im übrigen nunmehr gerade deswegen von einer "tatsächlich beabsichtigten Zerschlagung von Märklin" aus.
Letzte Hoffnung darum Kader? Familie Ting wird's wissen. Nicht nur FERPRESS wies bereits im vergangenen Jahr auf eine solche Möglichkeit hin, auch Oliver Knoll in "markt intern" in der Nürnberger Spielwarenmesse-Nachbearbeitung vom 10. Februar (Ausgabe S 07/09) auf der Grundlage von Hintergrundrecherchen und Messegesprächen.
Inzwischen gehört der Hongkonger Firma "Kader Holdings Co. Ltd." (incl. Lilliput, Bachmann etc.) auch der Hauptproduzent von Modellbahn-Erzeugnissen in China, die Firma Sanda Kan, deren früherer Geschäftsführer zwar auch Ting hieß, dieser aber nichts mit der Kader-Eigentümer-Familie Ting zu tun hat. Neben vielen anderen deutschen Herstellern wurde dort auch für Märklin produziert und zahllose Formwerkzeuge der Märklin-Gruppe lagern dort, wenn sie nicht, wie von einigen Z-Formen für Märklin mini-club-Wagen bestätigt, - aus welchen Gründen auch immer - unbrauchbar gemacht wurden.
Doch lesen Sie jetzt erst einmal das aktuelle Schreiben des Büros Ulm der PLUTA Rechtsanwalts GmbH an "ernsthafte Kaufinteressenten":
- ZITAT Anfang -
1 IN 23/09 vorläufiges Insolvenzverfahren Gebr. Märklin & Cie. GmbH,
Stuttgarter Straße 55-57, 73033 Göppingen
Sehr geehrte Damen und Herren,
vielen Dank für Ihr Interesse am Kauf der Fa. Gebr. Märklin & Cie. GmbH.
Gerne treten wir mit Ihnen unter den nachfolgenden Bedingungen in nähere Verhandlungen ein, vorausgesetzt, die Vertraulichkeit bleibt gewahrt, auch darüber, dass überhaupt Verhandlungen stattfinden.
Bitte stellen Sie uns zunächst einen geeigneten Nachweis zur Verfügung, wonach Sie eine Investitionssumme von ca. 100 Millionen Euro finanzieren können (Bankbestätigung oder sonstige hierfür geeignete Unterlagen).
Sodann werden wir Ihnen eine Vertraulichkeitserklärung zur Unterschrift vorlegen.
Die konkreten Verhandlungen mit den Interessenten, die die gewünschten Nachweise vollständig vorlegen sowie die übersandte Vertraulichkeitserklärung abgeben, werden frühestens Ende April beginnen.
Gerne hören wir wieder von Ihnen.
Mit freundlichen Grüßen
Michael Pluta
Rechtsanwalt
vereidigter Buchprüfer
Fachanwalt für Insolvenzrecht
- vorläufiger Insolvenzverwalter -
- ZITAT Ende -
Da wird sich nicht nur der kleine Junge, der sein Taschengeld Märklin zur Verfügung stellen wollte (so Pluta), aber freuen. Auch die noch verbleibenden Göppinger Mitarbeiter werden sicher auf Anhieb Dutzende von Interessenten nennen können, die bereit sind, für Märklin über 100 Millionen Teuro "zu opfern"...
Zur Zeit der Abfassung dieser Meldung heute Mittag saßen Betriebsrat, Gewerkschaft und Personalabteilung noch zusammen, um die Folgen für die betroffenen Mitarbeiter durch die auf der Betriebsversammlung angekündigten Kündigungen so erträglich wie möglich zu machen. Vom Ausgang der Sitzung wurde bislang nichts bekannt.
Eine Mitarbeiterin, Frau H., 26 (Name bekannt), die Ende vergangener Woche noch über der Liste der zu kündigenden Märklin-Mitarbeiter gebrütet hatte, war nicht dabei. Sie liegt überraschend im Krankenhaus und muß nun - für sie sicher angenehmer - diese Kündigungen nicht weiter bearbeiten. Sie selbst ist natürlich nicht mit auf der Liste. Wir wünschen ihr aber gute Besserung!
Quelle: Internationale Eisenbahn-Presse-Vereinigung FERPRESS















