„Fatihland“ - „Von Ali und Hans“ - Stand Up-Kabarett in der ufa-fabrik

Fatih Cevikkollu ist sicherlich einigen aus dem Publikum aus seiner Fernsehrolle als Murat neben Atze Schröder bekannt. In der Tempelhofer ufa-fabrik fesselt der Schauspieler und kabarettistische Newcomer das Publikum mit seinem preisgekrönten Programm „Fatihland“.

Fatih kündigt ein sehr „persönliches Programm“ an, da doch das Persönliche im Internetzeitalter immer mehr verschwindet. Neben poetischen Einlagen, einer tiefgründigen Rapp-Nummer, Rilke-Zitaten und einigen persönlichen Geschichten zwischen der deutschen und türkischen Kultur, bietet der Künstler ein knallhartes politisches Kabarett. So wählt er als Einstieg die Äußerung: „Ich bin Moslem! Ich bin ein Sicherheitsrisiko!“ Die gespannte Aufmerksamkeit nach so einer Äußerung beabsichtigt der Kabarettist. So bleibt dem Publikum dann auch das eher spärliche Lachen im Halse stecken.

Der „Kölner Jung“, wie er sich selbst bezeichnet, berichtet vom sogenannten „Moslem-Test“ in Baden-Württemberg, wenn man Deutscher werden will. Ein „Fremdschämen“ erfasst auch den aufmerksamen Zuhörer bei teils absurden Fragen: „Man hört immer wieder ... oder ... was tun sie, wenn ihr Nachbar Terrorist ist?“

Fatih berichtet vom Leben eines Schauspielers, von Fragen eines „demokratischen“ Deutschen „Sind sie wirklich Türke?“ und vom Ranking der Beliebtheit von Ausländern. Besonders begeistert Fatih in der Figur des Brasilianers und Frauenhelden Joao. Seine schelmigen Augen haben das gesamte Publikum zu jeder Zeit im Blick.

Vom typischen deutschen Hans „Ich spüre in mir die Lust am Recht auf Empörung“ und vom typisch türkischen Ali weiß Fatih einiges zu berichten. Aus seiner Kindheit erzählt Fatih mit einer gehörigen Prise Selbstironie von den deutschen „Sprachkünsten“ seines Vaters und seines Onkels, den stundenlangen Autofahrten zu Beginn der Sommerferien in die Heimat („Gefangen im Taunus in die Türkei“), dem türkischen Leben im „Stand by-Modus“ und dem Warten auf „Drüben“, womit eine geplante spätere Rückkehr in die türkische Heimat gemeint ist. Fatih zeigt mit seiner ihm eigenen Empfindsamkeit den Spannungsbogen zwischen deutscher und türkischer Kultur und Leben. Seine Vorschläge zur Überwindung von Ängsten sind „Kölle-Allah“ und „Allah-Heiligen“ als gemeinsamer Feiertag.

Das Publikum ist wohlwollend zurückhaltend, schmunzelt aber gerne. Der Schauspieler verführt das Berliner Publikum mit seinem feinsinnigen und bissigen Humor kaum zum Lachen. Fatih´s Programm ist intelligent, tiefgründig und voller Sprachwitz. Dabei wird die emotionale Magengegend selbst eines „aufgeschlossenen“ Deutschen angesprochen. Ein bisschen schlechtes Gewissen über die eigene Sichtweise kommt dann doch durch, wenn Fatih von Ängsten der Bevölkerung über Moslems spricht.

So muntert der Kabarettist das vorwiegend deutsche Publikum dann zum türkischen Sprachkurs „als Investition in die Zukunft“ auf. Selbst hat er eine katholische Schule in Köln besucht und später an der Hochschule Ernst Busch in Berlin Schauspiel studiert.

Ist Fatih nun Hans oder Ali? „Was ist sein Mantra?“, fragt sich der Künstler selbst. Und diese Zerrissenheit zwischen den beiden Kulturen spürt auch das Publikum und kann es manchmal schwer einordnen.

Fatih Cevikkollu dazu: „Ich sehe aus wie Ali, spreche aber wie Hans. Und dadurch kann ich viele Sachen einfacher ansprechen, mich damit humorvoll auseinandersetzen und dazu beitragen, dass auch Ali und Hans da draußen mehr Verständnis füreinander haben!“

Der Funke ist beim ersten Abend in der ufa-fabrik so richtig nicht übergesprungen. Das mag auch der Künstler gespürt haben. „Aber das geht auch anderen Rheinländern in Berlin manchmal so! Der Humor und das Temperament ist doch ein anderer!“ weiß eine Alt-Kölnerin nach der Vorstellung zu berichten.

Wer keine deutsch-türkische Comedy mit dem bedienen der gängigen und manchmal auch lustigen Klischees mag und dafür hochwertiges knallhartes politisches Kabarett vorzieht, ist bei Fatih Cevikkollu goldrichtig.

Thomas Moser -BerLi-Press (www.berli-press.de) für www.lichtenrade-berlin.de

Hinweis: Der Nachname Cevikkollu hat beim Anfangsbuchstaben "C" in türkisch einen Haken unter dem Buchstaben, der hier leider nicht abgebildet werden kann.

Mehr Informationen unter
www.fatihland.de oder www.ufafabrik.de

Spieltermine: Mi- Sa, 26. 3. - 12.4. 2008, Beginn: 20:30 Uhr, Eintritt:Mi, Fr, Sa,16-,erm.14,- Euro Do, Theatertag: alle Karten: 14,- Euro - Karten ab sofort im VVK oder unter www.ufafabrik.de
Im Theatersaal der ufaFabrik Viktoriastr. 10-18 12105 Berlin
Direkt am Tempelhofer Damm, 1 Minute von der U6-Ullsteinstraße, Bus: M170, N6 und N 84
Zuschauer- &Ticket-Telefon 030 • 75 50 30


27.03.2008: | | | | | | | |

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