iPhone weiterhin nicht ohne Simlock bei T-mobile erhältlich

Einstweilige Verfügung wird vom Alleinanbieter unterlaufen

Trotz der Einstweiligen Verfügung des LG Hamburg vom 19.11.2007 verkauft T-mobile nur mit "Simlock" blockierte iPhone-Geräte, wie geprellte Käufer inzwischen feststellen mussten.

Ein Kunde erlebte diese Absurdität in Norddeutschland auf besondere Weise. Er erstand im "T-Punkt" Lingen am Freitagnachmittag, 23. November 2007, gleich drei angeblich nicht durch "Simlock" blockierte iPhone-Geräte für je 999, also zusammen 2.997 Euro.

Doch auch zwei Tage später hatten er und seine Mitarbeiter lediglich drei "tote", zwar schick aussehende, aber weder als Telefon noch als iPod funktionierende Apparate auf dem Tisch. Beim Verkauf wurde ihm lediglich gesagt, er müsse die Geräte via Apples Software iTunes (neueste Version) "freischalten" lassen. Doch das gelang nicht. Schriftliche Dokumentationen zum angeblich nicht blockierten iPhone bzw. dessen Blockade-Aufhebung gab es keine.

Im Geschäft in der Marienstraße 2 in Lingen an der Ems nahm der T-Punkt-Mitarbeiter die sogenannte IMEI-Nummer der Geräte auf und gab sie in Anwesenheit des Kunden telefonisch an jenem Freitagnachmittag an eine Mitarbeiterin seines Konzerns durch. Grundlage dazu war ein vom Rosa Riesen an die Mitarbeiter verteiltes Anweisungsblatt – für den Kunden gab es solche Hinweise nicht; er musste gar aus dem Internet und über von Privatleuten dort publizierte Videos erfahren, dass man überhaupt nur mit Hilfe einer umgebogenen Büroklammer den Schacht für die Sim-Karte öffnen kann, um die eigene Simkarte einzubringen. Die dem Gerät beiliegenden Unterlagen erzählten rein gar nichts über das Einsetzen der notwendigen Teilnehmerkarte mit dem eingebauten Chip.

Am Abend dann das große Staunen: iTunes verkündet seit dem ersten Anschließen der iPhones lediglich: "The SIM card inserted in this iPhone does not appear to be supported." Also – Simlock! Doch was hatte das Gericht verlangt? Geräte ohne Simlock! Und wofür hatte der Käufer 2.997 Euro bezahlt? Für drei Geräte ohne Simlock!

Auch am Samstagnachmittag blieben die flotten Gerätchen nicht aktivierbar via iTunes, daher rief der Kunde die T-mobile-Mitarbeiter über ihre Hotline an. Die Verkaufsdamen wussten gar nicht, wie man an solche Geräte kommt und was man dann mit ihnen anzustellen hat, und schalteten weiter "zu unserer Technik".

Dort erfuhr der Anrufer, dass seine Geräte trotz Weitergabe der Geräte-Nummern vor 24 Stunden im T-Punkt nicht "in der Datenbank zur Freischaltung und damit nicht in der Warteschleife" erfasst seien, und er habe nun bitte alle Nummern samt Scan der Kaufquittung an kundenservice@t-mobile.de zu mailen. Auch erwähnte der Techniker etwas von "24 Stunden Wartezeit" – doch darüber wurde der Käufer von niemandem vorab bzw. beim Kauf informiert und dazu gäbe es auch gar keinen Grund, denn hier ging es ja nicht um die Aktivierung neuer Sim-Karten (die in der Regel z. B. Schufa-Prüfungen erforderlich machen), sondern lediglich um den Erwerb von Hardware, von "nackten" mobilen Telefonen, die zudem laut Maßgabe des Gerichts nicht mit einem Simlock versehen sein dürfen.

Inzwischen zog die Abenddämmerung des Samstags herauf. Der noch geduldige Kunde tat, wie ihm geheißen, und erntete eine automatische Mailantwort, die ihm versprach: "Wir kümmern uns sofort um Ihr Anliegen, sodass Sie in Kürze eine Antwort von uns dazu erhalten." Doch es gab keine Antwort, weder in Kürze noch in Länge.

Also teilte er einige Zeit später dem Mailsystem mit, dass bloße Formbriefe per Mail von t-mobile niemanden weiterbringen. Und: "Auf Basis der t-mobile-Pressemitteilung - als Antwort auf die Auflagen des LG Hamburg - habe ich gestern in Lingen 3 angeblich simlockfreie Geräte à 999 Euro im T-Punkt gekauft. Über Warte- und Freischaltzeiten wurde ich nicht informiert. Die 3 Geräte sind nach wie vor blockiert. Wenn bis heute abend Mitternacht die Sperre nicht aufgehoben ist, bereite ich sofort morgen früh einen Schriftsatz an das Landgericht Hamburg sowie den Kläger Vodafone vor, der darauf hinweist, dass Sie offensichtlich die gerichtlichen Auflagen nicht erfüllt haben, wie der Fall des Kaufs dieser Geräte nun beweist, und behalte mir meinerseits rechtliche Schritte (Schadensersatz, Aufwandsabrechnung etc.) vor."

Auch diese Mitteilung wurde nur von einem fröhlichen automatischen Mailresponder beantwortet.

Dies ist schon absurd... Man stelle sich vor: man kauft ein Gerät – egal ob es ein Apple iPhone oder iMac wäre oder ein Toaster oder Fernsehgerät – und der verkaufende Laden blockiert aber die Funktion des Geräts und gibt auch keine Freischaltung mit auf den Weg. Auf Anfragen und Mahnungen "antwortet" er ferner nur mit Formbriefen, als handele es sich nicht um einen Marktführer der mobilen Kommunikation, sondern um eine bloße Briefkastenfirma.

Zwei Schlüsse zieht der betroffene Kunde, der dreitausend Euro bei T-mobile "in den Sand gesetzt" hat, aus all dem:

1. T-mobile verkauft weiterhin sämtliche (!) iPhone-Geräte nicht unblockiert, sondern nach wie vor ausschließlich mit Simlock, obgleich die gerichtliche Aufforderung dies seit dem 19.11.2007 nicht zulässt.

2. Die T-mobile-Kunden werden dadurch geprellt, da mit nicht funktionierenden Produkten betrogen – man zahlt sehr viel Geld ohne jegliche Gegenleistung (eines uneingeschränkt funktionierenden Geräts), obgleich anderes versprochen wurde.

"Dies nennt man in Deutschland doch Betrug?", so der entsetzte Kunde.

UPDATE 1:

Auch mehr als 50 Stunden nach Erwerb des Geräts: kein Ende des Simlocks bei diesem Kunden.

Inzwischen berichten viele Webforen über die nachhaltig gesperrt verbleibenden 999-Euro-iPhones, die T-mobile in der vergangenen Woche verkauft hat.

Manche berichten, dass beim Verkauf die T-Punkte zunächst einmal das iPhone mit der Demo-Simkarte des Shops in Betrieb nehmen und via iTunes anmelden müssten, damit später via iTunes die Sperre aufgehoben werden könne. Andere behaupten, es reiche, wenn der T-Punkt die "IMEI"-Nummer des Geräts an Apple durchgibt.

Alle aber lassen erkennen, dass die Geräte nach wie vor gesperrt verkauft werden und dass es dem normalen User nicht möglich ist, diese Sperre aufgehoben zu bekommen.

Damit bleibt es bei dem Tatbestand, dass T-mobile die Geräte rechtswidrig sämtlich mit Netzsperre (Simlock) und nicht ohne sie vertreibt.

UPDATE 2:

Selbst 80 Stunden nach Erwerb des Geräts: gesperrt! Keine Chance, via iTunes das teure iPhone ans Laufen zu bekommen. Und keine substantiellen News vom T-mobile-Kundendienst.

Mail von dort: "Bis die Aktivierung eines ohne T-Mobile Vertrag erworbenen iPhones möglich ist, können bis zu 48 Stunden vergehen. Wir hoffen Ihre iPhones sind inzwischen funktionstüchtig.

Sollte dies nicht der Fall sein, setzen Sie sich bitte umgehend mit uns in Verbindung. Bitte nennen Sie uns dann auch eine Rufnummer unter der wir sie telefonisch erreichen können."

Über mögliche 48-Stunden-Fristen hatte man zuvor weder die Kunden noch die Öffentlichkeit informiert, stattdessen unzulässigerweise gesperrte Geräte verkauft. Selbstverständlich hatte der Kunde sowohl im T-Punkt als auch bei seinen Nachfragen stets eine Rückrufnummer hinterlassen.

Und: 80 Stunden sind erheblich mehr als 48 Stunden. Es werden sicher noch mehr Stunden.

Fortsetzung folgt...



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